Unterfangungen im Bestand stellen eine besonders kritische Maßnahme im Hochbau dar, da sie während der Ausführung den Zwischenzustand von Bauwerk und Baugrund wesentlich beeinflussen.
Gibt der Baugrund im Bereich einer Unterfangung nach, kommt es zu einem Grundbruch, dann sind die Bauschäden potenziell extrem hoch. Es erklärt sich folglich von selbst, dass Vorsicht geboten ist.
Die Tragfähigkeit des Bodens und die Lastabtragung über Bestandsfundamente können durch Unterfangungsarbeiten sofort verändert werden, wodurch das Risiko lokaler oder großflächiger Grundbrüche entsteht. Abweichungen von den vorgesehenen Unterfangungsabschnitten, Taktungen oder Eingriffstiefen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Tragfähigkeitsreserven überschritten werden und Setzungen, Rissbildungen oder Instabilitäten auftreten.
Auch temporäre Stabilitätsphänomene wie Frost, Bodenverzahnung oder kurzfristige Konsolidierung können die Manifestation eines kritischen Zustands nur verzögern, stellen jedoch keinen verlässlichen Sicherheitsnachweis dar.
Die Bauzustände während der Unterfangung sind entscheidend, da die Struktur zu jedem Zeitpunkt auf veränderte Lastwege und geänderte Baugrundbeanspruchungen reagieren muss. Selbst kleinere Unregelmäßigkeiten in der Umsetzung können dazu führen, dass lokale Bodenbereiche überlastet werden und ein Grundbruch einsetzt.
Eine präzise Planung, die Einhaltung der vorgesehenen Unterfangungsabschnitte und Takte sowie kontinuierliche Überwachung der Bauwerksbewegungen sind daher unverzichtbare Maßnahmen, um das Risiko zu minimieren.
Grundbruchrisiken im Bestand erfordern ein tiefes Verständnis der Wechselwirkung zwischen Bauwerk, Fundament und Baugrund sowie der Bauprozesse. Bauleitung, Sicherheitsplanung und Tragwerksplanung sind kaum getrennt voneinander zu betrachten.


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