Der Laurinbrunnen in Bozen

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Der Laurin-Brunnen in Bozen ist ein 1907 errichteter Brunnen, der eine Szene aus der Sage König Laurins zeigt, in der Dietrich von Bern den Zwergenkönig Laurin besiegt. „Bern“ bezeichnet wohlgemerkt „Verona“. Der Brunnen wurde von den Bildhauern Andreas Kompatscher und Arthur Winder geschaffen im Auftrag des „Talferleege Culturverein“ geschaffen, um Bozen als „Laurin-Stadt“ touristisch zu profilieren.

An der Basis erklärt eine Inschrift das Motiv für die Errichtung des Brunnens: „Der Bürger Wohl zu mehren, dem fremden Gast zu Ehren.“ Die Motive waren touristischer und nicht politischer Natur. Mit dem „König Laurin“ wurde eine zentrale Sagenfigur der Dolomiten aufgegriffen. Der ursprüngliche Aufstellungsort war die Bozner Wassermauer mit Blick auf den Rosengarten.

Eine politische Dimension erhielt der Brunnen erst um 1930. Es war Ettore Tolomei, der ab 1931 in einer „beispiellosen Hetzkampagne“ [1] mehrfach gegen den Laurinbrunnen agitierte und in diesem Zuge den Schriftzug am Brunnen verheimlichte. In der Nacht vom 4. auf den 5. Juni 1933 wurde der Laurinbrunnendurch in der Folge durch „Unbekannte“ beschädigt und 1936 in das Kriegsmuseum Rovereto verfrachtet.

1965 bemühte sich die SVP-Gemeinderatsfraktion Bozen um eine Rückholung des Laurinbrunnens. Im März 1985 setzten sich 6 SVP-Landtagsabgeordnete dafür ein, den Brunnen zurückzuholen. In der Folge verhandelten die Kulturlandesräte Anton Zelger unter Landeshauptmann Silvius Magnago und Bruno Hosp unter Landeshauptmann Luis Durnwalder mit dem Kriegsmuseum in Rovereto über eine Rückführung.

Eine Einigung wurde 1993 erzielt. 1994 wurde der Brunnen, wie die Presse titelte „als völkerverbindendes Zeichen, als Beitrag der Zeitgeschichte“ zurückerstattet. Die italienische Bauarbeitergenossenschaft CLE restaurierte den Brunnen auf eigene Kosten, das war ein Akt der Wiedergutmachung. Man entschied sich damals nicht für den historischen Platz an der Talfer, weil man neuerliche Beschädigungen in den Nachtstunden befürchtete. Die Landesregierung entschied sich 1994 bewusst für eine Aufstellung am Landhausplatz, in der Nähe des Hotel Laurin und der Laurinstraße. Gleichzeitig sollte der Brunnen am Amtssitz des Landeshauptmannes aufgestellt werden, weil es sich längst um ein Symbol für die Geschichte Südtirols handelte.

Die italienische Presse titelte sachlich: “La sfida Laurino. Il Re è tornato in città. La statua é stata collocata da vanti ai palazzi della provincia”.

Ein Antrag der Südtiroler Freiheitlichen bewirkte 2016 das Festhalten am Laurinbrunnen, nachdem die Linksparteien (in Anlehnung an die Argumentation Ettore Tolomeis) den Brunnen als „umstrittenes Denkmal“ entfernen wollten. Wohlgemerkt in jener Stadt, in der an jeder Ecke faschistische Denkmäler und Straßennamen anzufinden sind.

Unterm Strich war klar, dass eine Verbannung des Laurinbrunnens für jene politischen Kräfte, die am ethnischen Frieden „zündeln“ (obwohl sie sich „interethnisch“ nennen), nur aufgeschoben und nicht aufgehoben war. Zu zentral ist das Anliegen, die kulturelle Identität in Südtirol im Sinne umstrittener Identitätstheorien umzudeuten. Wer eignet sich dazu besser, als die Sagenfiguren Dietrich von Bern und König Laurin?

Für die Wochenzeitung FF, 2018 ist der Laurinbrunnen „ein Symbol des Nationalismus“, nicht die faschistischen Relikte

Nach einer Platzumgestaltung 2018 steht das Laurindenkmal leicht versetzt vor dem Palais Widmann am Silvius-Magnago-Platz.

Der ehemalige Bozner Bürgermeister und jetzige PD-Senator Gigi Spagnolli verlangte im Dezember 2025, den Laurinbrunnen vom Landtagsplatz zu „entfernen“ und durch ein „modernes Denkmal“ zu ersetzen. Der Laurinbrunnen solle zwar nicht zerstört, aber an die Talfer verlegt werden nach dem Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn“. Freilich wäre der Brunnen an der Talfer allerlei Beschmutzungen und Beschädigungen ausgesetzt. In der „Kulturstadt“ Bozen scheint das manchen durchaus recht zu sein.

Literatur:

[1] Christoph Hartung von Hartungen: „Romanen und Germanen“ im nationalen Spannungsfeld Tirols des 19. und 20. Jahrhunderts“, Mitteilungen aus dem Brenner-Archiv Nr. 37/2018

2 Antworten zu „Der Laurinbrunnen in Bozen“

  1. Avatar von Das Walther-Denkmal und der Waltherplatz in Bozen – Demanega

    […] Der Laurinbrunnen in Bozen […]

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  2. Avatar von Wer war Julius Perathoner? – Demanega

    […] daran beteiligt, Bozen für den Tourismus zu öffnen. In diesen Kontext passt der 1907 errichtete Laurin-Brunnen, der Bozen als Laurinstadt etablieren sollte. 1917 regte Perathoner hingegen das […]

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