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Die Verteidigung der Südgrenze Tirols 1848

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Der Tiroler Freiheitskampf von 1809 ist allgemein bekannt. Die Tiroler standen 1848, 1859 und 1866 drei weitere Male in Waffen, allerdings nicht „für Gott, Kaiser und Vaterland“, sondern für das deutsche Tirol. Die Kriegseinsätze werden bis heute – bewusst – verschwiegen.

Im Zuge der Revolutionen von 1848 erwachte nicht nur das deutsche, sondern auch das italienische Nationalbewusstsein, drängte, unterstützt vom Königreich Sardinien-Piemont, darauf, die österreichische Fremdherrschaft in Oberitalien zu beendigen, stellte erste Ansprüche auf Tirol und die Brennergrenze.

Die österreichische Armee unter Feldmarschall Radetzky hatte sich, berindruckt durch die italienischen Freiwilligenarmeen, in das Festungsviereck Peschiera-Mantua-Verona-Legnago zurückziehen müssen. Italienische Freischaren fielen hingehen in Judikarien in Welschtirol ein. Am 9. April 1848 überschritten lombardische Freischaren die Tiroler Grenzen, standen unweit von Trient.

Am 13. April 1848 rief Erzherzog Johann als außerordentlicher Hofkomissär die Tiroler zur Verteidigung des Vaterlandes auf.

Es waren insbesondere die Tiroler Studenten in Wien rund um Adolf Pichler, die freiwillig beschlossen, an die Tiroler Südgrenze zu ziehen, um das deutsche Tirol zu verteidigen. Der Maler Alois Schönn, der freiwillig zur Tiroler Südgrenze zog, hielt den Auszug der Tiroler Studenten, sowie deren Einsatz an der Front, episch fest.

Am 5. April 1848 wurde in Wien Adolf Pichler zum Hauptmann gewählt. Die Kompanie zog über Graz, Klagenfurt, Lienz, Brixen und Bozen nach Süden. In Bozen stießen Tiroler Studenten aus Graz dazu. In Bozen wurden die Studenten durch Erzherzog Johann begrüßt, der dabei war, freiwillige Tiroler Schützenkompanien als Grenzwacht zu organisieren.

Bei Storo lieferte sich die Studentenkompanie Gefechte mit den italienischen Freischärlern. Nicht alle in Tirol waren vom frisch erwachten Heldentum begeistert. In Umlauf gebracht wurde das klerikale Gerücht, die Akademikerkompanie würde revolutionäres Gedankengut aus Wien nach Tirol bringen. Pichler musste das Gerücht in einer öffentlichen Stellungnahme entkräftigen. Die Tiroler Wehrverfassung war in Österreich, seit dem Vormärz, mehr als unrecht. Tirol stand verteidigungstechnisch offen wie ein Scheunentor.

Insgesamt standen 1848 rund 16.000 bis 17.000 Mann in 143 Schützenkompanien aus Tirol und Vorarlberg, eine Kompanie Tiroler Studenten aus Wien, Graz und Salzburg unter der Führung von Adolf Pichler sowie die Akademische Legion der Universität Innsbruck ziehen an der bedrohten Südgrenze Tirols. Zum Vergleich geht man davon aus, dass 1809 unwesentlich mehr Tiroler, rund 25.000 Mann, in Waffen standen.

Adolf Pichler hielt zum Tiroler Grenzkampf überschwänglich fest: „Nicht als Tiroler wollen wir angesehen sein, die ausziehen, um die Marken einer Provinz zu schützen, wir sind Deutschlands Grenzsoldaten, und darum flattert die schwarz-rot-goldene Fahne vor unsern Reihen“.

Feldmarschall Radetzky ordnete an, dass an den Tiroler Grenzen schwarz-rot-goldene Grenzpfähle mit der Aufschrift „Confine della confederazione Germanica“ angeordnet wurden, handelte es sich nänlich nicht nur um die Grenzen Tirols, sondern darüber hinaus um die Grenzen des Deutschen Bundes. Italien wurde gewarnt: Man lege sich nicht nur mit Tirol, sondern mit ganz Deutschland an.

Die Gefechte zogen sich bis in den August 1848 hinein. Bei Custozza wurden die italienischen Truppen schließlich endgültig von Radetzky geschlagen. Es waren die politischen Umstände, die Tirol folglich vor Schlimmerem verschonten.

Im März 1849 siegte Radetzky erneut bei Novara. Die Lombardei blieb folglich bis zur Schlacht bei Solferino 1859 bei Österreich: Wasser auf die Mühlen des italienischen Risorgimento.

Alois Schönn: „Auszug der Tiroler Studenten im Jahre 1848“
Alois Schönn: „Tod des Dr. Moritz Friese beim Gefecht von Ponte Tedesco 1848“

Die Mitglieder der Schützenkompanien im Allgemeinen sowie die Innsbrucker Studenten, die sich 1848 an den Gefechten beteiligten, wurden von Joseph Georg Böhm auf der Grundlage der Berichte der Tiroler Schützenzeitung detailliert zusammengefasst. Während die Deutschtiroler Kompanien stark an den Tiroler Grenzkämpfen beteiligt waren, waren die Welschtiroler Kompanien wenig bis gar nicht beteiligt.

Der nachfolgende Bericht des österreichischen Kriegsministeriums unterstreicht die Beteiligung der Deutschtiroler Kompanien an der südlichen Landesverteidigung [2]:

„Die Schützen von Bozen, Kaltern, Eppan, Meran“
Kriegsschauplätze in Tirol 1848

Aus den Beständen jener Studenten, die an der Südfront in Italien kämpften, fomierten sich in Innsbruck erste Studentenverbindungen, namentlich Teutonia, Arminia, Germania, Alemannia, Rhätia und Minerva, die nach der gescheiterten Revolution durch die Behörden verboten und aufgelöst wurden.

Insgesamt wurden die mutigen Kämpfer an Tirols Südfront zurück in Österreich nicht als Helden begrüßt, sondern durch den absolutistischen Staat Österreich bespitzelt, bedrängt und verfolgt.

Titelbild: Alois Schönn (1826 – 1897), Ältere kunstgeschichtliche Sammlung im Ferdinandeum, Innsbruck.

Literatur:

[1] Ludwig Brunswik von Korompa: „Die kriegerischen Ereignisse in Innerösterreich, Tirol, Vorarlberg und im Isonzo-Gebiet : 1796 – 1866“, Wagner Verlag, Innsbruck 1907

[2] Österreichisch-ungarisches Kriegsministerium: „Der Feldzug der österreichischen Armee in Italien (in den Jahren 1848-49)“, K. und K. Kriegsarchiv, Wien 1852

5 Antworten zu „Die Verteidigung der Südgrenze Tirols 1848“

  1. Avatar von Wer war Johann Putzer von Reibegg? – Demanega

    […] Johann Putzer Tiroler Schütze am Tonalepass, wo er das „Eppaner Schützenlied“ schrieb. An den Tiroler Grenzkämpfen 1848 beteiligten sich freiwillige Schützenkompanien sowie Studentenkompanien, weil der Staat […]

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  2. Avatar von Die Verteidigung der Südgrenze Tirols 1859 – Demanega

    […] österreichische Staatsverwaltung hatte in Tirol trotz der kriegerischen Auseinandersetzungen im Jahr 1848 keinerlei militärische Vorkehrungen getroffen. Nur rund 4.000 Mann des österreichischen Heeres […]

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  3. Avatar von Die Verteidigung der Südgrenze Tirols 1866 – Demanega

    […] Tiroler standen 1848, 1859 und 1866 für das deutsche Tirol in Waffen. Die Tiroler Grenzkämpfe sind nicht weniger […]

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  4. Avatar von Tiroler Geschichtsverdrehungen – Demanega

    […] Die Verteidigung der Südgrenze Tirols 1848 […]

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  5. Avatar von Geschichte der freiwilligen Feuerwehren in Tirol: Von den Turnern zur Turnerfeuerwehr – Demanega

    […] Thurner beteiligte sich an den Tiroler Grenzkriegen in den Jahren 1848, 1859 und […]

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