Wer sich mit Joseph Streiter befasst, mit deutschfreiheitlichen Tendenzen im 19. Jahrhundert oder mit der Tiroler Landesverteidigung an der Südfront 1848, stößt unweigerlich auf Ferdinand Weller.
Ferdinand Weller wurde 1815 in Bruneck geboren und studierte Rechtswissenschaften in Innsbruck. Das Studium schloss er 1848 ab. Sein Vater wurde im selben Jahr Rentmeister (Finanzverwalter) auf Schloss Fürstenburg bei Burgeis im Vinschgau.
Als Weller bekannt wurde, dass italienische Freischärler am Stilfser Joch einzumarschieren drohten und einen Anspruch auf den Brenner erhoben, bewegte er die Schützen von Burgeis, Schleis, Planeil und den anderen Orten des Vinschgaus zum Abwehrkampf. Ferdinand Weller wurde daraufhin zum Hauptmann gewählt und kämpfte mit den Vinschgern im Münstertal.
In dieser Zeit entstand das Lied „Sie sollen sie nicht haben, des Brenners Scheidewand“:

Im Sommer 1848 nahm Weller in Bozen an einer Siegesfeier teil, verewigte die Feier dichterisch:

Im Tiroler Wastl wird 1924 das folgende Gedicht Ferdinand Wellers veröffentlicht, das von 1848 stammt:
So lang an unsre Ahnen noch ein Gedächtnis lebt,
So lang um unsre Fahnen der rote Aar noch schwebt,
So lang noch deutsche Treue in unsren Bergen gilt,
So lang noch fromme Weihe Tiroler Herz erfüllt,
So lang soll man nicht trennen den Süden von dem Nord‘
So lang wir uns noch nennen der deutschen Grenze Hort.
So lange deutsche Männer Tiroler Feld bebaun
So lange soll der Brenner in deutsche Lande schaun!
Daraufhin war Ferdinand Weller Konzipient beim Rechtsanwalt von Zallinger. Zwischen 1849 und 1850 arbeitete Ferdinand Weller für freiheitliche Blätter wie die „Bozner Zeitung“, die er leitete, die „Augsburger Allgemeine“ und die „Presse“.
Anlässlich der Eröffnung der Brennerbahn 1859 schrieb Weller: „Dann reichen sich die Brüderhände, der Süden und der rauhe Nord“.
Die Feierlichkeiten zum Schillerjahr, die überall in Deutschland nicht nur Friedrich Schillers 100. Geburtstag, sondern zudem 10 Jahre deutsche Revolution 1848/49 ehrten, wurde in Bozen durch Josef Streiter tatkräftig begangen. Insbesondere die Erinnerung an die Revolution von 1848/49, die Studenten und Bürger begingen, war zu jener Zeit ein Affront gegen das neoabsolutistische Habsburg, das längst überlebt war.
Ferdinand Weller verfasste zu diesem Anlass ein Schiller-Festspiel, das mit den Worten endet:

Bis 1860 blieb Weller in Bozen in der Kanzlei von Larcher. 1860 wurde Weller Rechtsanwalt in Landeck, übersiedelte 1861 nach Bozen, stieg in die Anwaltskanzlei von Joseph Streiter ein. Zum Bozner Lichtfest steuerte er ein Gedicht bei, das mit den Worten endet: „Dem Lichte Sieg und Sieg der ew’gen Wahrheit!“
1862 heiratete Ferdinand Weller Antoine Streiter, wurde Josef Streiters Schwiegersohn. Weller übernahm daraufhin die „Bozner Zeitung“, gab diese aus Zeitmangel aber wieder ab. 1866 wurde Weller selbst Rechtsanwalt, 1867 wurde er in den Gemeindeausschuss von Bozen gewählt, Joseph Streiter war von 1861 bis 1870 freiheitlicher Bürgermeister Bozens.
Bereits 1869 verstarb Ferdinand Weller. Die „Bozner Zeitung“ schrieb:

Dass Ferdinand Weller als deutschfreiheitlicher Anwalt, Literat und Politiker Hauptmann der Schützen wurde, war selbstverständlich zu einer Zeit, als die Schützen den essenziellen Zweck der Landesverteidigung verfolgten und mit klerikalen Ideen herzlich wenig gemein hatten.
Im Nachruf in der „Bozner Zeitung“ ist amgeführt, dass Ferdinand Weller mittellos geboren wurde, da er aus einfachen Verhältnissen stammend, und mittellos verstarb. Wesentlich war laut Bozner Zeitung der Dienst für das Wahre, Gute und Schöne. Ferdinand Weller sei ein „hochgebildeter Geist“ gewesen.
Den Abgang Ferdinand Wellers hätten alle beklagt, „die in Tirol offen und ehrlich zum Banner der Freiheit stehen“ schreibt die Zeitschrift „Der Alpenfreund“ 1872.
Und: „Sein Gemüt war vor allem deutsch; dies Bewusstsein wollte er auch in Anderen regen und pflegen und erwartete davon endliche Befreiung seines Vaterlandes von den Ketten finsteren Aberglaubens und priesterlicher Herrschaft“.


Hinterlasse einen Kommentar