August Gröbner (1860 – 1914), Hotelier, Bürgermeister in Gossensass und deutschfreiheitlicher Politiker, erbte den Färberhof und den Wielandhof und legte den Grundstein für den Fremdenverkehr in Gossensass.
Die Familie Gröbner zählte mit den Brüdern August und Ludwig zu den Fremdenverkehrspionieren im Wipptal: Die Postkarten malte Tony Grubhofer, den Umbau vom Bauernhof zum Hotel wickelte das Büro Musch und Lun ab und damit waren jene Größen vereint, die im freiheitlichen Lager an der touristischen Erschließung Tirols wirkten. Gröbner gehörte folglich zum erweiterten Kreis um Christomannos. Gossensass war ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch die Eisenbahn verkehrstechnisch angebunden, bildete das Tor zum Hochgebirge.
Die Anbindung an das Eisenbahnnetz war für den frühen Tourismus essenziell. Die Reisezeiten minimierten sich drastisch, Tirol wurde für den alpinen Fremdenverkehr interessant, hatte aber gegenüber der Schweiz deutlichen Nachholbedarf. Insbesondere fehlte es an Häusern, die den notwendigen modernen Komfort und mit den Schweizer Grandhotels konkurrenzfähig waren. Es war der Kreis um Christomannos, zu dem Architekten, Bankiers, Bauunternehmer, Tourismuspioniere gehörten, die allesamt deutschfreiheitlich gesinnt waren und sich für technologischen und gesellschaftlichen Fortschritt einsetzten.
Die Familie Gröbner besaß das Groß-Hotel, den Wolfenhof, den Leopoldhof, die Dependance Raspenstein, den Wielandhof, die Kaltwasser-Heilanstalt Gudrunhausen und das Palasthotel in Gossensass. Mit einer Werbestrategie und der Namensgebung, die Gröbner als das weltweit einzige „Großhotel“ anpries und vermarktete, gelang es Ludwig Gröbner, Großhotel und Gossensaß untrennbar miteinander zu verbinden.

Henrik Ibsen urlaubte mehrmals im Grandhotel Gröbner.
Doch nicht nur unternehmerisch, sondern vor allem auch kulturell traten die Gröbners hervor. Die Brüder Gröbner waren maßgeblich am Deutschen und Österreichischen Alpenverein, Sektion Eisacktal, beteiligt, Ludwig als Vorsitzender, August als Kassier. Anlässlich der Einweihung der Magdeburgerhütte in Pflersch sprach Oberregierungsrat Hermann Rocholl als Vorsitzender der Sektion Magdeburg ein Hoch auf den österreichischane Kaiser aus, während August Gröbner auf Kaiser Wilhelm II. jubilierte, was allgemeine Begeisterung auslöste. Die Verbundenheit zum Deutschtum reichte über Länder- und Staatsgrenzen hinweg.

August Gröbner wurde 1893 zum zweiten Mal zum Ortsvorsteher, also Bürgermeister, in Gossensass gewählt, sowie Oberschützenmeister. Das Schützenwesen entsprach dem Prinzip der Landesverteidigung, sodass sich zahlreiche freiheitlich gesinnte Politiker um das Tiroler Schützenwesen verdient gemacht hatten. Die Interpretation der Tiroler Schützen als klerikal-konservativen Verein war hingegen eine gezielte Vereinnahmung.

1911 war Gröbner anlässlich der Reichsratswahl Kandidat der Deutschfreiheitlichen im Wahlkreis Brixen, Sterzing und Klausen (Wahlkreis 15, Landgemeinden). Gewählt wurde Franz Meixner (christlichsozial) vor Ludwig von Sternbach (konservativ). Gröbner landete hinter dem Sozialdemokraten Josef Bertsch auf dem vierten Platz.
Der Schwerpunkt der deutschfreiheitlichen Bewegung lag nicht in den Landgemeinden und nicht im Raum Brixen. Insbesondere der Raum Brixen war durch eine hohe Dichte an Geistlichen und durch das Priesterseminar, das nicht nur einen religiösen, sondern einen politischen Einfluss ausübte, die Hochburg der christlichsozialen Bewegung.
Im Stadt-Wahlkreis 4 (Lienz, Ampezzo, Bruneck, Brixen, Klausen, Innichen, Welsberg, Niederdorf, Toblach, Gossensaß, Sterzing, Gries, Zwölfmalgreien, Obermais) setzte sich der Christlichsoziale Atanas Guggenberger knapp vor dem Deutschfreiheitlichen Josef Rohracher durch. Rohracher war Eigentümer des Aparthotel „Germania“ in Toblach.

Ein Freiheitlicher wie Gröbner hatte es dementsprechend schwer.


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