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Alexander Langer: Linker „Heiliger“?

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Alexander Langer kam 1946 als Sohn eines Wiener Arztes und einer Sterzinger Apothekerin in Sterzing zur Welt, studierte Jura in Florenz und Soziologie in Trient, unterrichtete zuletzt in Rom und kehrte durch die Inspiration des linken Lyrikers Norbert Conrad Kaser, der 1976 Mitglied der Kommunistischen Partei wurde, nach Südtirol zurück.

Alex Langers Engagement in der grünen Bewegung in Italien, Südtirol und Europa brachte ihm internationale Bekanntheit und – im gesamten linken Milieu – Anerkennung.

Blickt man 2025, 30 Jahre nach dessen Freitod im Juli 1995 in Florenz, auf die politischen Nachrufe, könnte man Alexander Langer für einen linken „Heiligen“ halten. Zuletzt huldigten die grüne Ex-Ministerin Claudia Roth, die 1990 an „Nie wieder Deutschland“-Demonstrationen teilgenommen hatte, und der umstrittene grüne Europaparlamentarier Daniel Cohn-Bendit, Langers Wirken.

Alexander Langers politische Wurzeln liegen im linksextremen Milieu. In den 1970er Jahren war Langer Teil der linksextremen Gruppierung „Lotta Continua“ („Permanenter Kampf“), die offen antikapitalistisch und trotzkistisch, also subversiv, orientiert waren. Leo Trotzki definierte den Begriff der „permanenten Revolution“. „Entrismus“ bezeichnet hingegen die politische Strategie der Trotzkisten, gezielt in andere Organisation einzureten, um diese von innen heraus zu zu übernehmen, was zweifelsfall im Bereich der ehemals konservativen bundesdeutschen Grünen gelungen ist.

1978 wurde Langer nach seiner Rückkehr nach Südtirol für die „Neue Linke / Nuova Sinistra“ in den Südtiroler Landtag gewählt, 1983 für die „Alternative Liste für das andere Südtirol“ und 1988 für die „Grün-Alternative Liste“. Mitte der 1980er war Langer an der Gründung der italienischen Grünen beteiligt, wurde 1989 und 1994 ins Europaparlament gewählt.

Bereits 1981 hatte Langer aus Protest gegen die verpflichtende Angabe der Sprachgruppe bewusst eine falsche Angabe gemacht und sich als Ladiner eingetragen. Nach seinem Einzug in den Landtag 1983 als einer von zwei ladinischen Vertretern führte dies unbeabsichtigt zur Schaffung eines Regierungspostens für die ladinische Sprachgruppe, der jedoch mit dem ladinischen SVP-Abgeordneten Hugo Valentin besetzt wurde.

1995 beabsichtigte Alexander Langer, als Spitzenkandidat einer „interethnischen“ Bürgerliste für das Amt des Bürgermeisters von Bozen zu kandidieren, scheiterte jedoch im Vorfeld an einer juristischen Hürde: Er hatte sich bei der Volkszählung 1991 geweigert, seine Zugehörigkeit zu einer der drei Südtiroler Sprachgruppen anzugeben, was Voraussetzung für eine Kandidatur war. Eine nachträgliche sogenannte Ad-hoc-Erklärung zur Sprachgruppenzugehörigkeit wurde von der Wahlbehörde abgelehnt.

Die Sprachgruppenerklärung ist in Südtirol ein zentrales Instrument des Schutzes der drei anerkannten Volksgruppen, der deutschen, italienischen und ladinischen Bevölkerung, und bildet die Grundlage für eine verhältnismäßige Vertretung in öffentlichen Ämtern, bei der Vergabe von Stellen im öffentlichen Dienst sowie bei der Zusammensetzung politischer Gremien. Dagegen anzukämpfen, indem eine „interethnische“ Identität konstruiert wird, entspricht vielleicht neomarxistischer Romantik, beinhaltetet aber ethnischen Sprengstoff, weil immer dann, wenn sich eine Volksgruppe ihres Fortbestandes nicht mehr sicher sein kann, unweigerlich eine Eskalation gegeben ist.

Alexander Langer bezeichnete Sprachgruppenerklärung und Proporz als „neuerliche Option“ (in Anspielung an die beabsichtigte Umsiedlung der Südtiroler 1939 bis 1943) und als „ethnischen Käfig“. Einen Schutzmechanismus für 300.000 deutsche und ladinische Südtiroler als „Käfig“ aufzufassen und zu unterschlagen, dass die Volksgruppen andernfalls unweigerlich einem Staatsvolk von 60 Millionen ausgesetzt wären, ist entweder Leichtsinn, Realitätsverweigerung oder – schlimmer – kalkulierte Absicht.

Im Jahr 1982 nahm Alexander Langer an einer grünen Delegation teil, die den libyschen Obristen Muammar al Gaddafi in Tripolis besuchte, imponiert von dessen Kampf gegen Imperialismus, Zionismus, Kolonialismus, Faschismus und Reaktion. Alexander Langer wollte Gaddafi für politische Zwecke in Italien einspannen, glaubte, „Gaddafi könne auf politischer Ebene in Italien Einfluss nehmen, über die Sozialisten sogar auf die Außenpolitik“ und konnte „sich auch vorstellen, dass Libyen sich an italienischen Staatsunternehmen beteiligt.“

„Wir haben eine gemeinsame Ideologie, das sind die Ideen des Grünen Buches“, deklarierte Gaddafi damals, und weiter: „Es scheint, wir haben eine gemeinsame Bewegung gegründet.“ Faktisch handelte es sich bei Gaddafis Libyen um ein repressives, autoritäres Regime. Gaddafi nahm im grünen Kontext mit seinem „Grünen Buch“ jene Rolle ein, die Mao Tse-tung im sozialistischen Kontext mit seinem „Roten Buch“ einnahm, wenngleich bei Weitem nicht dermaßen dogmatisch.

In der Nachbetrachtung wird Alexander Langer heute durch sein ideologisches Umfeld als „Brückenbauer“, als „Integrationsfigur“ und als „Friedensaktivist“ bezeichnet, indem dessen linksextreme Orientierung sowie das Agitieren gegen zentrale Elemente des Minderheitenschutz in Südtirol, bewusst ausgeblendet werden.

Alexander Langer eignet sich infolgedessen zwar als grüne oder linke Gallionsfigur, kaum aber als politisches Symbol für ein eigenständiges Südtirol, das sich seiner kulturellen Identität bewusst sein will und darin seine Stärke sieht.

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