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Warum die Umbenennung der Südtiroler Schutzhütten falsch ist

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Der Vorstoß des Alpenverein Südtirols (AVS), Schutzhütten in Südtirol, die nach Sektionen des Deutschen Alpenvereins benannt sind, umzubenennen, ist grundsätzlich falsch.

Der Österreichische Alpenverein wurde 1862 in Wien gegründet. 1869 wurde der Deutsche Alpenverein in München gegründet, insbesondere durch unzufriedene Mitglieder des Österreichischen Alpenvereins, die die Alpen nicht nur erforschen, sondern den Alpinismus durch Hütten und Wege fördern wollten. Als Begründer des Deutschen Alpenvereins gilt der Ötztaler Franz Senn. Der Deutsche Alpenverein wurde als „bildungsbürgerlicher Bergsteigerverein“ gegründet und reihte sich in eine ganze Reihe deutschfreiheitlicher Vereine ein. 1873 wurden der Deutsche Alpenverein und der Österreichische Alpenverein zum „Deutschen und österreichischen Alpenverein“ zusammengefasst, die gemeinsamen Statuten wurden 1876 in Bozen beschlossen.

Der Bau von Schutzhütten war eine zentrale Aufgabe des Deutschen Alpenvereins (DAV) und erfolgte durch die Sektionen, indem diese finanzielle Mittel sowie Arbeitskräfte bereitstellten. Bau und Unterhalt waren extrem aufwändig. Man kann sich ausdenken, welche extremen logistischen und bautechnischen Schwierigkeiten das Bauen im Hochgebirge, insbesondere zu jener Zeit, mit sich brachte. Die Hütten dienten nicht nur als Unterkunft für Bergsteiger und Wanderer, sondern auch als wichtige Infrastruktur für den sicheren Zugang zum Hochgebirge. Sie sind Zeugen der Pionierleistungen im Alpinismus sowie des aufkommenden Fremdenverkehrs in Tirol.

Zahlreiche Schutzhütten im Alpenraum sind bis heute hin nach deutschen Sektionen des Alpenvereins benannt: Die Regensburgerhütte, die Stettiner Hütte, die Bonner Hütte, die Coburger Hütte, die Chemnitzer Hütte, die Kölner Hütte, die Zwickauer Hütte, die Marburger Hütte, die Magdeburger Hütte, die Düsseldorfer Hütte, die Kasseler Hütte sollen – geht es nach dem Alpenverein Südtirol – der Vergangenheit angehören. Das alles sind nicht überholte Bezeichnungen, sondern Zeichen der Wertschätzung für die Sektion, die zu jener Zeit, an jenem Ort, eine Hütte erbauten, die bis heute hin Bestand hat. Wer hätte diese Hütten sonst erbaut?

Die Schutzhütten wurden im italienischen Faschismus enteignet und dem Club Alpino Italiano (CAI) überlassen, gingen 1999 allerdings in das Eigentum des Landes Südtirol über. Der Südtiroler Alpenverein erklärt im Juni 2025, dass der deutsche und der österreichische Alpenverein 1999 kein Interesse an einer Übernahme zeigte, weshalb davon auszugehen sei, dass einer Namensänderung von deutscher Seite nichts entgegengesetzt werde. Faktisch ist es so, dass es in den Sektionen des Deutschen Alpenvereins bis heute hin einen regen Austausch mit den Hüttenpächtern gibt.

Der CAI erklärte in einer ersten Stellungnahme, die Umbenennung zu befürworten. Es bleibt offen, ob sich der CAI in der Folge daran macht, die eigenen Hütten umzubenennen, oder ob ausschließlich die Umbenennung der deutschen Schutzhütten befürwortet wird. Über die rechtmäßige Benennung von Hütten wäre durchaus eine Diskussion zu führen, die nicht darauf hinauslaufen kann, einzig und allein die deutschen Namen zu ändern. Vor allem nicht dann, wenn es einen historisch guten Grund hat, wieso es eine Marburger Hütte, eine Coburger Hütte und eine Zwickauer Hütte gibt.

2 Antworten zu „Warum die Umbenennung der Südtiroler Schutzhütten falsch ist“

  1. Avatar von „Gewisse, fragwürdige“ Hüttennamen – Demanega

    […] Warum die Umbenennung der Südtiroler Schutzhütten falsch ist […]

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  2. Avatar von Michael Demanega

    Der Alpenverein Südtirol (AVS) macht die Angelegenheit der Umbenennung der Südtiroler Schutzhütten mit jeder Wortmeldung schlimmer. In einer klärenden Aussendung wird darauf hingewiesen, dass „bundesdeutsche, polnische und tschechische Erbauer-Sektionen“ keinen Bezug zu den Südtiroler Hütten mehr hätten.

    Konkret bezieht sich der AVS auf die Stettiner Hütte in den Ötztaler Alpen zwischen dem Pfelderer Tal und dem Pfossental sowie auf die Teplitzer Hütte in Ridnaun in den Stubaier Alpen. Das pommersche Stettin kam 1945 zu Polen, war bis dahin fast vollständig deutsch, was sich erst mit der nachfolgenden Zwangsaussiedlung der Deutschen änderte. Das nordböhmische Teplitz kam hingegen 1918 zur Tschechoslowakei, war um 1930 zu 75 Prozent deutsch.

    Orte, die bis 1918 oder 1945 immer deutsch waren, sowie die entsprechenden Sektionen des Deutschen Alpenvereins, als „tschechische“ und „polnische“ Sektionen zu bezeichnen, ist äußerst fragwürdig. Wenn bundesdeutsche Medien den Alpenverein Südtirols als „italienischen Alpenverein“ bezeichnen, dann ist das die selbe – fragwürdige – Logik.

    Gerade wir Südtiroler hätten die historische Verpflichtung gegenüber jenen deutschen Volksgruppen, die weitaus weniger Glück hatten als wir, und die aus ihrer Heimat vertrieben und zwangsausgesiedelt wurden. Leider mangelt es derzeit offensichtlich an einem Bewusstsein, das über den Südtiroler Tellerrand hinausreichen würde.

    Letztlich wird es, wenn denn der AVS-Vorschlag Erfolg hätte, wohl aufs Übliche hinauslaufen: Deutsche Hüttennamen weichen, während es kaum anzunehmen ist, dass der CAI die faschistisch konnotierten Hüttennamen streicht, wozu es nämlich seit 1945 genügend Gelegenheiten gegeben hätte.

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