„Identitätspolitik führt zu einer besseren Verwirklichung der demokratischen Versprechen von Freiheit und Gleichheit für alle. Es geht um die Kritik von vorhandenen Diskriminierungsstrukturen, die Menschen benachteiligen und ausschließen“ behauptet der Karsten Schubert, Theoretiker für politische Philosophie im „Standard“.
Und fügt hinzu: „Das, was bei der Kritik an Cancel-Culture und Political Correctness verteidigt wird, ist Freiheit als das Recht der Stärkeren.“ Wer sich an der Cancel-Culture oder der Wokeness stoße, stoße sich an dem Umstand, dass „Herrenmoral“ und privilegierte Rechte abgebaut werden. Eine effektive Diskriminierung sei aber nicht gegeben.
Wer – wie Karsten Schubert – die Welt ohnehin nur als Kampf um Vorrechte und Privilegien deutet und auf der anderen Seite von der befreienden Wirkung (neo-)marxistischer Ideologie ausgeht, muss zu dieser Einsicht kommen.
Identitätspolitik sei folglich darauf aus, Ungleichheit und Machtgefälle abzubauen. Freilich – und das ist die andere Seite der Medaille -, indem sie neue Standards und neue Normen und in der Folge neue Machtstrukturen aufbaut. Um einen wie auch immer gearteten „herrschaftsfreien Diskurs“ geht es ja bekanntlich nicht, wird dieser nämlich als Diskurs der „Privilegierten“ aufgefasst und umgedeutet.
Eine rechte Identitätspolitik gebe es nicht, weil auf rechter Seite keine objektive Diskriminierung, gegen die aufbegehrt, nachweisbar sei. Im Gegenteil, rechte Weltanschauung würde gegen die universalistische Idee von Gleichheit aufbegehren.
Der politische Erfolg der Rechten beruhe auf der ökonomischen Benachteiligung bestimmter Bevölkerungsschichten. Folglich stelle die „Revitalisierung von Klassenpolitik“, die wohl niedliche Form von Klassenkampf, ein probates Mittel gegen den Rechtsruck dar. Weitere rechte Erfolgsmodelle seien „Rassismus“ und „Sexismus“, womit wir schon wieder bei den Gemeinplätzen wären.
Literatur:
„Philosoph über Identitätspolitik: Gehört zur liberalen Demokratie dazu“, Der Standard, 13.12.2024 (Link)


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