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Faschismus, überall

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Der paläokonservative US-amerikanische Historiker Paul Gottfried argumentiert in seinem Essay “The Strange Death of Marxism”, dass der Marxismus als ökonomische und politische Ideologie weitgehend gescheitert sei, insbesondere nach dem weltweiten Scheitern realmarxistischer Systeme. Dennoch sieht er den “Tod” des Marxismus als dessen Transformation. Die Kernthese lautet, dass sich der Marxismus gewandelt habe und in der westlichen Welt durch den so genannten kulturellen Marxismus fortlebe.

Der Paläokonservativismus ist eine politische Ideologie in den Vereinigten Staaten, die sich durch die Betonung traditioneller Werte, kultureller Identität, dezentraler Regierungsführung und Skepsis gegenüber Modernität und Globalisierung auszeichnet. Der Begriff leitet sich von den griechischen Wörtern „palaios“ (alt) und „konservativ“ (bewahrend) ab und steht in Abgrenzung zu modernen oder neokonservativen Strömungen. Die Bewegung erlebte in den 1980er und 1990er Jahren einen Aufschwung, besonders durch die Kritik an neoliberalen Wirtschaftspolitiken und militärischen Interventionen der Neokonservativen, sodass die Paälokonservativen oder Paläolibertären die Ideen der „Old right“ fortführen.

Der Wandel des Marxismus geht wesentlich auf die Theorien der Frankfurter Schule zurück, insbesondere auf Denker wie Herbert Marcuse, Theodor W. Adorno und Max Horkheimer, die den klassischen Marxismus neu interpretierten und mit der Psychoanalyse verbinden. Anstatt des Klassenkampfs steht der Kampf gegen gefühlte oder faktiache Diskriminierung im Vordergrund (Geschlecht, Ethnie, sexuelle Orientierung).

Wesentlich ist das historische Moment. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Kampf gegen den Faschismus, betrieben als ideologischer Antifaschismus, zum moralischen Fundament der Linken. Dies erlaubte es marxistischen Intellektuellen, sich als Verteidiger von Freiheit, Demokratie und Menschenrechten darzustellen, obwohl marxistische Regime diese Werte radikal unterdrückten und für millionenfache Gräueltaten verantwortlich waren.

In der Stunde der politischen Not wurde due Linke nostalgisch und erinnerte sich an den Kampf gegen den Faschismus, gegen das absolut Böse, zurück, den man fortan politisch instrumentalisierte.

Durch das Scheitern der marxistischen Wirtschaftstheorien wurde der Antifaschismus infolgedessen zu einem ideologischen Ersatz. Linke Denker und Bewegungen konnten sich als moralische Instanz etablieren, ohne die eigenen ideologischen Defizite und Vergehen thematisieren zu müssen.

Der Trick bestand darin, dass man dazu den Faschismus ständig neu erfinden und beliebig in die „patriarchale“ Gesellschaftsform hineinprojizieren musste. Umso mehr vermeintliche „Faschisten“, umso „heldenhafter“ der Kampf der wenigen gegen die vermeintlich vielen. „Faschisten“ waren folglich notfalls alle, insbesondere politische Gegner jeglicher Art. Wer „Faschismus“ sagte, wollte sich unter anderem Vorteile verschaffen, auf die Fakten kam es nicht immer an.

Vor allem die Geschichte der bundesdeutschen Grünen, die als konservative Bewegung beginnen, innerhalb derer allerdings fortlaufend maoistisch orientierte Splittergruppen der Deutschen Studentenbewegung (die so genannten K-Gruppen) die Macht übernehmen, indem interne Konkurrenten durch „Faschismus“-Vorwürfe mundtot gemacht werden, ist bezeichnend.

In der „Süddeutschen Zeitung“ deklariert die Südtiroler Journalistin Lara Marmsoler im Dezember 2024 „Polohemden, Sneaker und Dackel“ zur „klassisch-faschistischen Ausstattung“. Ja, man kann es übertreiben und ins Banale ziehen. Die Masche ist: Man nimmt etwas beim politischen Gegner ästhetisch wahr und betitelt es, weil es der eigenen Weltanschauung fremd ist, als „faschistisch“. Den kausalen Zusammenhang gibt es allerdings nicht, ist auch nicht weiter relevant.

In Südtirol würde man unter „Faschismus“ etwas völlig anderes, nämlich eine konkrete historische Erfahrung, feststellen und hätte für derartige intellektuelle Spiele linker Art relativ wenig Verständnis. Wobei man sich in Südtirol nicht aufs linke Glatteis begeben sollte, aber das ist ein anderes Thema.

Wahrgenommen hat Lara Marmsoler bei diesem Vergleich wohl keinen „klassisch-faschistischen“ Stil, sondern die Tatsache, dass sich manche Rechte, wie auch viele andere, stilistisch an den USA orientieren, was wiederum ein schlechtes Indiz für „Faschismus“ ist und eher eines für Amerikanismus. Preppy-Style ist in diesem Sinne ein Modestil, der von der Kleidung und Ästhetik der US-amerikanischen Elite-Privatschulen (Prep Schools) inspiriert ist. Der Begriff „Preppy“ stammt von „Preparatory Schools“, einer Art von Privatschulen, die Schüler auf Universitäten wie Harvard oder Yale vorbereiten. Der Stil ist klassisch, elegant und zurückhaltend, mit einem Hauch von sportlichem Chic. Polohemden und Sneaker, also Turnschuhe, sind zentral. Allenthalben könnte man folglich einen „elitären“ Stil erkennen, wenn man nicht einen „faschistischen“ Staatskomplott aufdecken wollte.

2021 wollte die „Süddeutsche Zeitung“ übrigens noch „mehr Diktatur wagen“. Man könnte sich also auch selbst hinterfragen.

Literatur:

[1] Paul Gottfried: „The Strange Death of Marxism. The European Left in the New Millennium“, University of Missouri Press, Columbia 2005

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