Die Tendenz im Bauingenieurwesen, schnell ein paar Pläne für möglichst wenig Geld hinauszuwerfen, entwertet den Beruf massiv. Wertschätzung ist dann zwangsläufig nicht mehr gegeben. Stattdessen findet der Wettlauf statt, wer es denn – im wahrsten Sinne des Wortes – billiger macht.
Das Bauingenieurwesen hat dann einen industriellen Charakter der Fließbandarbeit, ist nicht mehr Können, Kunst, Reflexion, Bewusstsein, Recherche, Berechnung, Wissenschaft, Kreativität, Verantwortung – und auch nicht Ingenium.
„Slow“ soll weniger „langsam“ und vielmehr „bewusst“ bedeuten. Bewusstsein braucht seine Zeit, ist nicht hastig, aber auch nicht verzögernd, ist zeitlich eingetaktet, der Planung entsprechend, die Bauaufgabe erfüllend, nimmt die Herausforderungen an, vollendet diese mit Respekt, gebietet dem Projekt die ihm zustehende Ehre.
Es geht in diesem Sinne um lokale Baumaterialien, um nachhaltigen Einsatz von Ressourcen, um effiziente Tragsysteme, um Leichtbau. Leichtbau strebt danach, mit minimalem Materialeinsatz maximale Stabilität und Funktionalität zu erreichen. Leichtbau ermöglicht elegante, minimalistische Strukturen, die durch ihre Schlichtheit beeindrucken und weniger Ressourcen benötigen. Diese Ästhetik entspricht einer Philosophie, die Qualität und Einfachheit über Größe und Überfluss stellt.
Slow bedeutet, mehr Zeit für die Planungsphase einzusetzen, um eine tiefere Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen des Nutzers und der Umwelt zu ermöglichen. Beabsichtigt wird die Einbeziehung von kulturellen und ästhetischen Aspekten, um Bauwerke zu schaffen, die sich harmonisch in ihre Umgebung einfügen.
Statt schneller Fertigstellung unter Zeitdruck, geht es um Betonung von Präzision und innovativem Design. Bewirkt wird die Minimierung von Fehlplanungen, Mängeln, Schäden und Baufehlern durch sorgfältige und iterative Planungsschritte.
Mit diesem Bewusstsein entsteht ein Mehrwert, der vor allem bei größeren, intensiveren, komplexeren Bauaufgaben zielführend ist. Ein Bauprojekt ist dann nicht mehr ein Zwischenschritt, den man schnell abhakt, um sich mit anderem zu befassen, sondern eine sich selbst erfüllende Angelegenheit.


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