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Erdbebenrisiko in Italien: Klassifizierung und technische Maßnahmen

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Italien ist aufgrund seiner Lage an der Grenze zwischen der eurasischen und der afrikanischen Platte eines der seismisch aktivsten Länder in Europa. Es gibt mehrere seismische Zonen, die ein erhöhtes Erdbebenrisiko aufweisen. Die wichtigsten seismischen Zonen in Italien sind:

Apenninische Gebirgskette: Die Apenninen verlaufen entlang der gesamten Länge Italiens und sind eine der seismisch aktivsten Regionen. Besonders betroffene Gebiete sind die Region Umbrien, die Abruzzen und die Region Marken. Die Apenninen sind das Ergebnis der Kollision zwischen der adriatischen Mikroplatte (einem Teil der größeren afrikanischen Platte) und der eurasischen Platte. Diese Plattenbewegung erzeugt Druck und Spannungen in der Erdkruste, die entlang der Apenninen gebirgsbildende Prozesse und seismische Aktivität fördern. Durch die anhaltende Plattenbewegung kommt es zu Kompression und Faltung der Erdkruste, was die Bildung von Verwerfungen verursacht. Diese Verwerfungen sind häufige Quellen von Erdbeben. Entlang der Apenninen gibt es zahlreiche aktive Verwerfungen, die sich durch die Spannungen in der Erdkruste entwickeln. Wenn die Spannung entlang einer dieser Verwerfungen zu groß wird, bricht das Gestein plötzlich, was zu einem Erdbeben führt.

Poebene (Pianura Padana): Diese Region im Norden Italiens, insbesondere in der Emilia-Romagna, ist ebenfalls von seismischer Aktivität betroffen. Das Erdbeben von 2012 in der Emilia-Romagna hat dies deutlich gezeigt.

Sizilien und Kalabrien: Diese Regionen im Süden Italiens sind stark von seismischer Aktivität betroffen, insbesondere aufgrund der Nähe zur Subduktionszone zwischen der afrikanischen und der eurasischen Platte. Der Ätna auf Sizilien ist ein aktiver Vulkan und sorgt zusätzlich für vulkanische und seismische Aktivität.

Friaul-Julisch Venetien: Diese Region im Nordosten Italiens hat in der Vergangenheit ebenfalls schwere Erdbeben erlebt, wie das Friaul-Erdbeben von 1976. Das Friaul bildet eine Kollisionszone der Adriatischen Platte und der Eurasischen Platte und wird durch den Übergang vom Dinarischen Gebirge zu den Alpen und entsprechender geologischer Verwerfungen gekennzeichnet.

Kampanien: Neapel und die umliegende Region sind ebenfalls anfällig für Erdbeben, teils auch durch die Nähe zum Vesuv, einem weiteren aktiven Vulkan. Im südlichen Teil der Apenninen, insbesondere in Kalabrien, gibt es Subduktionsprozesse, bei denen Teile der ozeanischen Kruste unter die kontinentale Kruste geschoben werden. Diese Prozesse sind ebenfalls mit hoher seismischer Aktivität verbunden.

Tyrrhenische Küste: Auch entlang der tyrrhenischen Küste, die westlich der Apenninen liegt, gibt es seismisch aktive Gebiete.

Diese Zonen sind durch die geologische Dynamik und die komplexen Plattenbewegungen geprägt, die immer wieder zu Erdbeben führen. Italien hat daher ein umfangreiches Überwachungssystem und strenge Bauvorschriften, um die Auswirkungen von Erdbeben zu minimieren.

Italien hat ein umfangreiches System zur Klassifizierung seismischer Zonen, das auf der Erdbebenaktivität basiert. Diese Klassifikation wird verwendet, um Bauvorschriften und Sicherheitsmaßnahmen festzulegen. Die seismischen Zonen in Italien sind in vier Hauptkategorien eingeteilt, basierend auf dem Erdbebenrisiko.

Klassifikation der Seismischen Zonen in Italien

Zone 1: Höchstes Erdbebenrisiko

Diese Zone umfasst Gebiete, in denen häufig starke Erdbeben auftreten. Beispiele sind Teile von Kalabrien, Sizilien, Umbrien, den Abruzzen und der Friaul-Julisch Venetien.

Zone 2: Hohes Erdbebenrisiko

Gebiete in dieser Zone haben ebenfalls eine hohe Wahrscheinlichkeit, von starken Erdbeben betroffen zu sein, allerdings etwas geringer als in Zone 1. Regionen wie die nördlichen Apenninen, Teile der Toskana und der Emilia-Romagna gehören dazu.

Zone 3: Mittleres Erdbebenrisiko

Hier sind die Erdbeben weniger häufig und in der Regel weniger intensiv. Diese Zone umfasst Teile von Norditalien wie die Po-Ebene, aber auch Teile von Süditalien.

Zone 4: Niedrigstes Erdbebenrisiko

In dieser Zone sind starke Erdbeben selten. Sie umfasst Regionen wie Teile der Lombardei, Sardinien und andere Gebiete, die als relativ sicher gelten.

Hintergründe der Klassifikation

Die Klassifikation basiert auf einer Kombination von Faktoren, darunter:

Historische Erdbebendaten: Die Klassifikation berücksichtigt historische Erdbebenereignisse, die Intensität und Häufigkeit der Erdbeben in der Vergangenheit.

Geologische Strukturen: Italien liegt an der Grenze der eurasischen und der afrikanischen Platte, was zu einer komplexen geologischen Struktur führt, die für seismische Aktivität verantwortlich ist. Die Apenninen und die Subduktionszonen in Süditalien sind Beispiele für solche Strukturen.

Seismische Gefährdungskarten: Wissenschaftliche Modelle und Karten, die die Wahrscheinlichkeit und das potenzielle Ausmaß von Erdbeben in verschiedenen Regionen vorhersagen, spielen eine entscheidende Rolle bei der Bestimmung der Zonen.

Vulkanische Aktivität: In Gebieten mit aktiven Vulkanen wie dem Ätna oder dem Vesuv gibt es zusätzliche seismische Risiken, die in die Klassifikation einfließen.

Bedeutung der Klassifikation

Die Klassifikation ist entscheidend für die Bauvorschriften in Italien. In den Zonen mit höherem Risiko gelten strengere Bauvorschriften, um die Gebäude erdbebensicher zu machen. Die Zonen beeinflussen auch Notfallpläne und die Zuweisung von Ressourcen für Katastrophenhilfe.

Die Klassifikation der seismischen Zonen in Italien wird regelmäßig aktualisiert, um neue wissenschaftliche Erkenntnisse und technologische Entwicklungen zu berücksichtigen.

Literatur:

[1] Dipartimento della Protezione Civile (Link)

[2] Istituto nazionale di geofisica e vulcanologia (Link)

4 Antworten zu „Erdbebenrisiko in Italien: Klassifizierung und technische Maßnahmen“

  1. Avatar von Aufstockungen und Gebäudeabstände laut Raumordnung in Südtirol – Demanega

    […] jedoch ohne sein Bauwerk auf dem bereits bestehenden abzustützen.“ Eine Ausnahme bilden Erdbebengebiete, in denen ein Anbau nicht zulässig […]

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  2. Avatar von Erdbebenskalen und Bemessung von Erdbeben nach Eurocode 8 und NTC 2018 – Demanega

    […] gesamte italienische Staatsgebiet ist klassifiziert. In der Zone 4 obliegt es den Regionen mit entsprechender Befugnis, die Verpflichtung zur […]

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  3. Avatar von Sismabonus: Steuerliche Förderung für erdbebensicheres Bauen – Demanega

    […] Sismabonus gilt für Immobilien, die sich in den seismischen Zonen 1, 2 und 3 befinden – das sind Regionen mit hohem bis mittlerem Erdbebenrisiko. Die Immobilie […]

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  4. Avatar von System EDIL CAM: Mauerwerksverstärkung durch Vernadelung – Demanega

    […] die aufgrund von Verschiebungen leicht einstürzen können. Hinzu kommt nämlich die hohe Erdbebengefährdung in zahlreichen Regionen Italiens, die technische Eingriffe notwendig […]

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