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Das türkische Nationalbewusstsein: Souveränität am Bosporus

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Die Geschichte der türkischen Nationalbewegung ist eng mit dem Zerfall des Osmanischen Reiches verknüpft, unterstreicht allerdings auch das Potenzial, das aus staatlicher Souveränität hervorgeht.

Das Omanische Reich, in deutscher Übersetzung „der erhabene Staat“ bestand vom 13. Jahrhundert bis 1922. Im Jahre 1453 eroberten die Osmanen Konstantinopel und beendeten das Byzantinische Reich, das als Oströmisches Reich aus der Teilung Roms herausging.

Das Osmanische Reich nahm die Stellung einer militärischen, politischen und sunnitischen Großmacht ein. Auseinandersetzungen mit europäischen Großmächten sowie Unabhängigkeitsbewegungen der Araber, Griechen und Armenier schwächten das Osmanische Reich im 19. und 20. Jahrhundert stark. Gerade auf wirtschaftlicher Ebene versuchte sich das Osmanische Reich gegenüber den europäischen Mächten, die im Nahen Osten nach Einfluss strebten, durchzusetzen. Die Infrastrukturpolitik jener Epoche spricht Bände.

Der Verlust großer Gebiete in den Balkankriegen (1912–1913) führte zu einer tiefen innenpolitischen Krise im Osmanischen Reich.

Während des Ersten Weltkriegs (1914–1918) verbündete sich das Osmanische Reich mit den Mittelmächten (Deutschland und Österreich-Ungarn). Nach der Niederlage der Mittelmächte 1918 begann das Reich endgültig zu zerfallen. Infolgedessen erfolgten im Rahmen des Vertrages von Sèvres die alliierte Besatzung sowie Gebietsabtretungen und die Schaffung eines unabhängigen armenischen und kurdischen Staates. Die Kurden sollten mindestens eine Autonomie erhalten, innerhalb eines Jahres beweisen, dass die Mehrheit die staatliche Unabhängigkeit wolle. In jenem Falle sollte der Kurdenstaat jene nördlichen Teile des Iraks umfassen, die heute die Autonome Region Kurdistan bilden.

Der Vertrag von Sèvres wurde nicht ratifiziert.

Mustafa Kemal Atatürk trat im Abwehrkampf gegen die Alliierten hervor und wurde Symbol für die Unabhängigkeit der Türkei. Atatürk begann 1919 eine Widerstandsbewegung zu organisieren. In der Stadt Samsun veröffentlichte er das sogenannte Samsun-Manifest, das den Beginn des bewaffneten Kampfes gegen die Besatzung und die osmanische Regierung in Istanbul ankündigte, die den Vertrag von Sèvres akzeptierte. Atatürk lehnte jede ausländische Einmischung ab und bestand auf nationaler Souveränität.

Der Türkische Unabhängigkeitskrieg zwischen 1920 und 1922 sah folgende Frontstellungen vor:

• Zurückdrängung der Griechen: Die Griechen hatten Izmir und weite Teile Westanatoliens besetzt, was zu einem erbitterten Krieg führte. Die entscheidende Schlacht war die Schlacht von Sakarya 1921, in der die türkischen Truppen die Griechen zurückdrängen konnten.

Türkisch-Armenischer Krieg: Im Osten führte die türkische Nationalbewegung einen Krieg gegen Armenien. Infolgedessen gab Armenien mehr als die Hälfte des Staatsgebietes auf.

• Auseinandersetzungen mit den französischen Besatzungstruppen im Süden und gegen die britischen Interessen.

Der Erfolg der türkischen Nationalbewegung führte zur Anerkennung eines unabhängigen türkischen Staates durch die internationalen Mächte. Der Vertrag von Lausanne 1923 erkannte die Grenzen der modernen Türkei an. Die Besatzungsmächte zogen sich zurück, und die Gründung eines souveränen türkischen Staates war gesichert.

Am 29. Oktober 1923 wurde die Republik Türkei offiziell ausgerufen, und Mustafa Kemal Atatürk wurde ihr erster Präsident. Atatürk leitete eine radikale Modernisierung und Reform des Landes ein und setzte auf

  • Säkularisierung
  • Bildungsreformen
  • Abschaffung des Kalifats
  • Sozialreformen
  • Industrialisierungsprogramme
  • Zivilrecht nach europäischem Vorbild.

Die türkische Nationalbewegung schuf die Grundlage für die moderne Republik Türkei, sondern führte auch zu einer tiefgreifenden Modernisierung der türkischen Gesellschaft. Atatürks Nationalismus fokussierte sich auf die türkische Sprache und Kultur als Gegenentwurf zum multiethnischen Osmanischen Reich. Minderheiten wie Kurden und Armenier gerieten unter Druck.

Die Impulse, die aus der neu geschaffenen Türkei ausgehen, sind bemerkenswert. Karl von Terzaghi wirkte zwar bereits ab 1916 in der Türkei, forschte allerdings in der jungen Republik bis 1925 in Istanbul. Namhafte Architekten wie Clemens Holzmeister und Paul Bonatz wirkten in der aufstrebenden Türkei mit.

Atatürk gilt zwar unbestritten als Vater der Türken“ und der modernen Türkei, es ergibt sich allerdings ein ständiger Kampf zwischen den säkularen Kräften, die Atatürks Erbe bewahren (repräsentiert durch die kemalistische „Republikanische Volkspartei“ CHP), und den religiös-konservativen Kräften, die unter Präsident Recep Tayyip Erdoğan zunehmend Einfluss gewonnen haben.

Literatur:

[1] Klaus Kreiser: „Atatürk – Eine Biographie“, Verlah C.H. Beck, München 2011

Eine Antwort zu „Das türkische Nationalbewusstsein: Souveränität am Bosporus“

  1. Avatar von Die „heilige“ Brennergrenze und ihre machtpolitische Relevanz – Demanega

    […] hatte und der territoriale Zugeständnisse auf Kosten Österreichs sowie auf Kosten des Osmanischen Reiches vorsah. Abgeschlossen wurde der Londoner Geheimvertrag am 26. April 1915. Wilson war der Meinung, […]

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