Demanega

#ingenieurbaukultur

Litigation-PR: Öffentlichkeit, Medien, Recht

Published by

on

Litigation-PR ist eine spezialisierte Disziplin der „Public Relations“, die darauf abzielt, die öffentliche Wahrnehmung und Kommunikation im Zusammenhang mit juristischen Auseinandersetzungen zu steuern. Dies wird besonders relevant, wenn Unternehmen oder Einzelpersonen in gerichtlichen Verfahren stehen, die eine hohe mediale Aufmerksamkeit erzeugen können.

Litigation-PR bezieht sich auf die Kommunikation mit der Öffentlichkeit

  • vor einer juristischen Auseinandersetzung
  • während einer juristischen Auseinandersetzung
  • nach einer juristischen Auseinandersetzung.

„Vor“ einer juristischen Auseinandersetzung befinden wir uns potenziell immer.

Selbstverständlich ist die kritische Auseinandersetzung mit Medien legitim. Selbstverständlich verfolgen Medien mitunter auch eigene Interessen. Wie glaubwürdig und aufrichtig, aber auch professionell, man mit Medien kommuniziert, hat aber auf jeden Fall eine Auswirkung auf die öffentliche Meinungsbildung.

Wesentlich ist, dass Medien eine bedeutende Rolle im Rahmen der Wahrheitsfindung zukommt.

Litigation-PR gewinnt in Zeiten sozialer Medien zunehmend an Bedeutung. Wenige Stunden entscheiden aufgrund der hohen Schlagzahl an Nachrichten über ganze Existenzen.

Kommunikation ist vor dem Konflikt, während des Konflikts und nach dem Konflikt essentiell, um die die öffentliche Meinungsbildung positiv zu beeinflussen.

Vielfach wird Litigation-PR als Methode definiert, um Gerichtskonflikte zu beeinflussen. Darum geht es auch, aber nicht nur: Eine ausgewogene und sachliche mediale Berichterstattung wirkt im Sinne der Glaubwürdigkeit und Legitimation der gerichtlichen Rechtssprechung und ist für einen Rechtsstaat wesentlich. Infolgedessen ist die ausgewählte und strategische Kommunikation von allgemeinem Interesse.

Der Schutz der Reputation ist ein zentrales Ziel der Litigation-PR. In Rechtsstreitigkeiten kann ein Verlust des öffentlichen Vertrauens massive geschäftliche oder persönliche Schäden verursachen. Litigation-PR hilft, das öffentliche Bild des Mandanten in schwierigen Zeiten zu wahren.

Wichtige Ziele von Litigation-PR sind:

  • Öffentliche Wahrnehmung beeinflussen: Durch gezielte Kommunikation kann das Bild, das die Öffentlichkeit von einem Rechtsfall hat, geformt werden. Dies kann dazu beitragen, Vorverurteilungen zu verhindern und eine sachliche Berichterstattung zu fördern. Gerade in der Medienlandschaft, die von Social Media und Echtzeitberichterstattung dominiert wird, ist dies von hoher Bedeutung.
  • Vorverurteilung durch Medien verhindern: Besonders in Fällen mit hoher öffentlicher Aufmerksamkeit besteht die Gefahr, dass die mediale Berichterstattung zu einer Vorverurteilung des Angeklagten führt. Litigation-PR versucht, dieser Gefahr entgegenzuwirken, indem sie die Faktenlage klarstellt und eine ausgewogene Berichterstattung fördert.
  • Präventive Maßnahmen und Krisenmanagement: Ein effektives Krisenmanagement erfordert eine gute Vorbereitung. Unternehmen sollten für den Fall eines Rechtsstreits oder einer Krise Kommunikationsstrategien und Krisenpläne bereithalten. Dazu gehört auch das sogenannte „Issue-Management“, mit dem potenzielle Krisen frühzeitig erkannt und proaktiv kommuniziert werden. Ein Krisenmanagement betrifft die ersten 24 bis 48 Stunden nach Ausbrechen einer Krise. Die Litigation-PR ist weitaus geduldiger und kommt nachgelagert ins Spiel. Allerdings ergeben sich durch mangelhaftes Litigation-Management potenziell neue Krisen, weshalb die Prozesse wechselseitig gelagert sind.
  • Angriffs- und Verteidigungsmandate: Litigation-PR unterscheidet grundsätzlich zwischen zwei Kommunikationsstrategien: Im Angriffsmandat geht es darum, den Gegner durch gezielte Medienarbeit unter Druck zu setzen, während im Verteidigungsmandat die Reputation des Mandanten geschützt werden soll. Hierbei wird oft versucht, ein „Deutungsgleichgewicht“ in den Medien herzustellen.
  • Krisenkommunikation in der Akutphase: In einer akuten Krise ist die schnelle und präzise Aufbereitung von Informationen entscheidend. Unternehmen müssen darauf vorbereitet sein, Medienanfragen schnell und kompetent zu beantworten und dabei strategisch vorzugehen, um den Schaden zu minimieren. Nichts sagen, durchducksen und aussitzen zeugen von mangelhafter Führungskompetenz.
  • Die Rolle der sozialen Medien: Soziale Netzwerke bieten eine Plattform, um direkt mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren. Diese Kanäle sind wertvoll, um Krisenkommunikation in Echtzeit zu betreiben und Narrative zu steuern, bevor diese von anderen Akteuren oder den klassischen Medien besetzt werden.
  • Ethische Grenzen der Litigation-PR: Litigation-PR darf sich niemals auf Unwahrheiten stützen. Es geht vielmehr darum, den Fokus der Öffentlichkeit auf bestimmte Aspekte zu lenken und der Wahrheitsfindung zu dienen, ohne die Wahrheit zu verzerren. Litigation-PR bewegt sich dabei oft an der Schnittstelle zwischen Moral, öffentlichem Interesse und rechtlichen Überlegungen.

Grundsätzlich besteht ein enger Konnex zwischen Litigation-PR und politischer Kommunikation. Während die Krisenkommunikation recht kurzfristig angelegt ist, ist die Litigation-PR wie die politische Kommunikation darauf aus, nachhaltig Integrität und Reputation zu sichern. Es geht um das Gesamtbild der Außendarstellung. Die politische Kommunikation umfasst letztlich – als Ernstfall – immer auch Konflikte und Krisen, woraus sich der enge Zusammenhang ergibt.

Krisen sind individuell. Das Krisenmanagement hat allerdings immer einen systematischen Charakter, es geht darum, dass im Krisenfall Automatismen abgerufen werden, die in ruhigen Zeiten entwickelt werden. Es kennzeichnet Führungskompetenz, sich in ruhigen Zeiten auf Ernstfälle virzubereiten.

Wesentlich ist für das Krisenmanagement: Strategien entwickeln, Ziele setzen, Situationen antizipieren, auf das eigene Netzwerk zurückgreifen, den Druck aushalten, Hinterhältigkeitek hinnehmen, sich nicht erpressbar machen, die Wahrheit transparent aufarbeiten und die interne Kommunikation im Krisenstab und mit den eigenen Partnern zu pflegen.

Wesentlich ist es, dass dann, wenn sich eine Krise aufkommt, medial die eigenen Standpunkte a priori gesetzt werden. Reaktive Kommunikation hat dann, wenn der öffentliche Druck groß ist und eine Stellungnahme verlangt, immer den Charakter einer Resignation.

Die ersten Stunden sind im Sinne der öffentlichen Meinungsbildung entscheidend. Wer die ersten Stunden versäumt, in denen die Wahrnehmungskurve der Öffentlichkeit nach oben zeigt, bekommt diese Chancen nicht mehr wieder.

Irgendwann ist die öffentliche Meinungsbildung vollzogen. Die Positionen und Bewertungen sind mehr oder weniger eindeutig. Die Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungskurve tendiert gegen null. Meinungen, die danach – und folglich zu spät kommen -, befinden sich in der Defensive und dringen nur noch schwerlich in die öffentliche Meinungsbidung durch.

Andererseits ist nach der Krise und nach dem Konflikt vor der Krise und vor dem Konflikt. Der Ernstfall ist die Regel und nicht die Ausnahme.

Die Frage nach dem Recht ist faktisch komplex: Wahrhafte Tatsachen dürfen grundsätzlich kommuniziert werden, unwahre Tatsachen nicht. Was einfach klingt, ist in der Praxis durchaus schwierig. Woher sollte man nämlich wissen, was wahr ist und was nicht?

Einerseits handelt es sich um eine Frage der Beweislage, zu deren Beurteilung ein Mindestmaß an Intellekt zielführend wäre. Andererseits ist die freie Meinungsäußerung zwar ein Recht, aber die Verantwortung für die eigenen Meinungsäußerungen die damit zusammenhängende Pflicht. Da es grundsätzlich keinen rechtsfreien Raum gibt, ist die Verantwortlichkeit für das Gesagte stets gegeben.

Verdächtigungen sind in diesem Sinne Tatsachen, bei denen noch nicht feststeht, ob es sich um wahre oder unwahre Tatsachen handelt. Eine Verdächtigung ist der Vorgang, bei dem eine Person beschuldigt oder in den Verdacht gebracht wird, etwas Unrechtes oder Illegales getan zu haben, ohne dass es dafür konkrete Beweise geben würde.

Eine Beschuldigung geht einen Schritt weiter als die Verdächtigung. Hier wird eine Person ausdrücklich beschuldigt, eine Straftat oder ein Fehlverhalten begangen zu haben. Oft gibt es bereits stärkere Indizien oder sogar Beweise, die diese Person mit der Tat in Verbindung bringen würden.

Problematisch wird es, wenn die Indizien und die Beweise fehlen. Werden trotzdem tendenziöse Aussagen getätigt, wird es kritisch, weil dann Rufmord und Diffamierung betrieben werden.

Wer andere verdächtigt oder beschuldigt, muss zumindest über ein Mindestmaß an Beweismitteln verfügen, die dermaßen hieb- und stichfest sind, um sich in der Lage zu befinden, einen konkreten Anfangsverdacht zu äußern.

Verdächtigungen und Beschuldigungen ohne Anfangsverdacht sind hingegen regelmäßig zivilrechtlich teuer und strafrechtlich fatal mit weitreichenden Konsequenzen, die stets nach hinten losgehen.

Der Anwalt Christian Schertz legt sich fest: Der Persönlichkeitsschutz schützt jeden Menschen vor Unwahrheiten, vor Verschmähungen, Diffamierungen, Vorführungen, Beleidigungen sowie vor Eingriffen in die Privat- und Intimsphäre. Vorverurteilungen sind in diesem Sinne unzulässig.

Literatur:

[1] Martin Wohlrabe (Hrsgb.): „Litigation PR – Wie Krisenkommunikation im Gerichtssaal der Öffentlichkeit funktioniert“, Springer Verlag, Wiesbaden 2020

[2] Lars Rademacher Alexander Schmitt-Geiger (Hrsg.): „Litigation-PR: Alles was Recht ist Zum systematischen Stand der strategischen Rechtskommunikation“, Springer VS, Wiesbaden 2012

[3] Stephan Holzinger: „Im Namen der Öffentlichkeit: Litigation-PR als strategisches Instrument bei juristischen Auseinandersetzungen“, Gabler Verlag, Wiesbaden 2009

3 Antworten zu „Litigation-PR: Öffentlichkeit, Medien, Recht“

  1. Avatar von Recht und Unrecht: Wie man sich wehrt – Demanega

    […] Litigation-PR: Öffentlichkeit, Medien, Recht […]

    Like

  2. Avatar von Der Zivilprozess in Italien – Demanega

    […] Litigation-PR: Öffentlichkeit, Medien, Recht […]

    Like

  3. Avatar von Juristische und mediale Ernstfälle: Verdacht, Recht und Rufmord – Demanega

    […] Litigation-PR steht vor, während und nach einem juristischen Konflikt. Vielfach stellt sie sogar eine […]

    Like

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..