Die Vegetation kann Anhaltspunkte zur Bestimmung eines Bodens geben. Diese Anhaltspunkte erweisen sich als wertvoll, um bei Feldbegehungen über ein Kriterium zu verrfügen, welches auf die Bodenverhältnisse hindeutet. Die Ingenieurbiologie bildet den Übergang von der Geologie zur Biologie und befasst sich mit Standorten für Pflanzen, aber auch mit der bodenmechanischen Auswirkung von Vegetation im Sinne eines biologischen .
Geologische Zeigerpflanzen sind Pflanzen, die spezifische Bodenverhältnisse anzeigen. Diese Pflanzen können Hinweise auf verschiedene Bodenarten wie feinkörnige, grobkörnige, kalkhaltige, vulkanische, trockene, feuchte, nährstoffarme und nährstoffreiche Böden geben:
Feinkörnige Böden
Feinkörnige Böden bestehen hauptsächlich aus Schluff und Ton und haben eine hohe Wasserhaltekapazität. Sie sind oft schwer, schlecht durchlässig und neigen zu Verdichtung.
- Leberblümchen (Hepatica nobilis): Bevorzugt lehmige, feuchte und nährstoffreiche Böden. Zeigt oft feinkörnige, kalkhaltige Lehmböden an. Allerdings in den Südalpen auch sauer.
- Wald-Sauerklee (Oxalis acetosella): Wächst in feuchten, humusreichen, und feinkörnigen Böden, die oft in schattigen Wäldern vorkommen.
- Bärlauch (Allium ursinum): Bevorzugt feuchte, nährstoffreiche Lehmböden.
- Waldmeister (Galium odoratum): Wächst gut in feuchten, humusreichen Lehmböden.
Grobkörnige Böden
Grobkörnige Böden bestehen aus Sand, Kies und größeren Partikeln. Sie sind gut durchlässig, trocknen schnell aus und haben eine geringere Wasserhaltekapazität.
- Sand-Thymian (Thymus serpyllum): Wächst gut in trockenen, sandigen und gut durchlässigen Böden. Zeigt trockene, grobkörnige Böden an.
- Silbergras (Corynephorus canescens): Ein Indikator für trockene, sandige und grobkörnige Böden, häufig auf Dünen und Heideflächen zu finden.
- Besenheide (Calluna vulgaris): Bevorzugt saure, sandige und gut durchlässige, trockene Böden.
Kalkhaltige Böden
Kalkhaltige Böden enthalten hohe Mengen an Calciumcarbonat (CaCO₃), haben einen höheren pH-Wert (basisch) und sind oft gut strukturiert und durchlässig.
- Kalk-Blaugras (Sesleria caerulea): Zeigt kalkhaltige Böden an und kommt häufig auf Kalkstein- und Dolomitböden vor.
- Gewöhnlicher Enzian (Gentiana verna): Wächst auf kalkhaltigen, gut durchlässigen Böden, oft in alpinen und subalpinen Regionen.
- Heidekraut oder Erika (Calluna vulgaris): Wächst auf nährstoffarmen, basischen Böden, oft in Heide- und Moorlandschaften, passt sich gut an Trockenheit an.
Trockene Böden
Trockene Böden sind gut durchlässig und haben eine geringe Wasserhaltekapazität. Sie können sandig, steinig oder felsig sein.
- Hufeisenklee (Hippocrepis comosa): Dieser extrem trockenheitstolerante Lichtzeiger kommt in allen Höhenstufen vor. Der Hufeisenklee gedeiht auf trockenen, nährstoffarmen Böden und ist häufig auf Magerwiesen und in lichten Wäldern zu finden.#
- Niedrige Segge (Carex humilis): Die Niedrige Segge ist ein weiterer bedeutender Trockenheitszeiger, der von collinen bis hochmontanen Lagen vorkommt, einschließlich sehr trockener Buchenwälder. Diese Segge ist charakteristisch für trockene, kalkhaltige Böden und ist ein Indikator für extrem trockene Verhältnisse.
- Skabiosen-Flockenblume (Centaurea scabiosa sl.): Die Skabiosen-Flockenblume ist ebenfalls ein extremer Trockenheitszeiger, der in allen Höhenstufen vorkommt. Sie bevorzugt sonnige, trockene und kalkhaltige Böden. Diese Pflanze ist typisch für Trockenrasen und warme, trockene Standorte und zeigt an, dass der Boden nicht nur trocken, sondern auch gut durchlässig ist
Feuchte Böden
Feuchte Böden haben eine hohe Wasserhaltekapazität und sind oft wasserstauend oder befinden sich in der Nähe von Gewässern.
- Schilfrohr (Phragmites australis): Zeigt sehr feuchte, oft wasserüberstaute Böden an, typisch für Sümpfe und Uferbereiche.
- Kohldistel (Cirsium oleraceum): ist häufig in feuchten Wiesen und an Gewässerufern zu finden. Sie zeigt feuchte Bodenverhältnisse an
- Sumpfdotterblume (Caltha palustris): Wächst auf sehr feuchten bis nassen Böden, oft in Überschwemmungsgebieten.
- Spierstaude (Filipendula ulmaria): Auch bekannt als Moorgeißbart, wächst diese Pflanze in feuchten Wiesen und an Uferzonen. Sie ist ein deutlicher Indikator für feuchte Standorte
Nährstoffarme Böden
Nährstoffarme Böden sind oft sandig oder steinig und haben wenig organische Substanz. Sie sind oft trocken und gut durchlässig.
- Heidekraut oder Erika (Calluna vulgaris): Wächst auf nährstoffarmen, basischen Böden, oft in Heide- und Moorlandschaften, passt sich gut an Trockenheit an.
- Schafgarbe (Achillea millefolium): Wächst auf nährstoffarmen, trockenen Böden und zeigt magere Standorte an.
- Sand-Thymian (Thymus serpyllum): Der Sand-Thymian wächst auf trockenen, sandigen und nährstoffarmen Böden. Er ist ein guter Indikator für magere Standorte.
- Arnika (Arnica montana): Die Arnika wächst in nährstoffarmen, sauren Böden und ist in Bergwiesen und lichten Wäldern verbreitet
Nährstoffreiche Böden
Nährstoffreiche Böden sind reich an organischer Substanz und Mineralien, oft gut gedüngt oder von Natur aus fruchtbar.
- Brennnessel (Urtica dioica): Wächst auf stickstoffreichen Böden, oft in der Nähe menschlicher Siedlungen, auf Schuttplätzen oder an Flussufern.
- Giersch (Aegopodium podagraria): Ein Indikator für nährstoffreiche, humose Böden, oft in Wäldern und feuchten Gebüschen.
- Schwarzer Holunder (Sambucus nigra): Wächst gut in nährstoffreichen Böden.
- Glänzender Kerbel (Anthriscus nitida): Eine krautige Pflanze, bevorzugt nährstoffreiche Standorte.
Literatur:
[1]Eva Hacker und Rolf Johannsen: „Ingenieurbiologie“, Ulmer Verlag, Stuttgart 2011
[2] Wolfgang Pietzsch: „Ingenieurbiologie“, Wilhelm Ernst & Sohn Verlag, Berlin – München – Düseldorf 1970
[3] Edwin Fecker: „Baugeologie“, Springer Spektrum, Berlin 2019
[4] Arthur von Kruedener: „Ingenieurbiologie“,


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