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Links und rechts: Eine notwendige politische Unterscheidung

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Es gehört zur Doktrin unserer Zeit, dass eine medial tonangebende Linke die fragwürdige Formel kommuniziert, links sei gut, Mitte bereits problematisch (weil womöglich rechts) und rechts (schlichtweg und stumpf) „extremistisch“. Dabei handelt es sich nicht nur um populistische Verkürzungen, sondern um (a)moralische Eigennützigkeit, die die eigene Position absichern soll. Andererseits: Noch nie waren linkes Denken und Handeln derart stumpf und fernab irgend einer tragfähigen Intellektualität. Diskurs wird ganz einfach aus einer vermeintlichen toxischen Machtposition heraus verhindert. Im Zweifel schreien und blockieren.

Gestützt wird diese umstrittene Haltung einerseits durch mediale Berichterstattung mit so genannter wenig pluralistischer „Haltung“, andererseits durch einen liberalinen Geist, der stets nur den Weg des geringsten Widerstandes geht, weil dort die Geschäfte am besten laufen.

Manchmal sind aber Rückgrat und wirkliche Haltung, Grundsatz und Beharrlichkeit notwendig. Aufgegeben ist schnell, standpunktreu bleiben ein Aufwand.

Links und rechts sind abseits billiger Übervorteilungen der eigenen Position wesentliche politische Standortbestimmungen, die eine Grundauswahl zulassen. Ob Samsung oder Apple: Dahinter stehen Wertkontexte, die nicht jedes Mal neu kommuniziert werden müssen, weil die Marke für eine Grundeinstellung steht. Und sehr wohl gibt es Abstufungen und Schattierungen, regionale Besonderheiten und Ausnahmen, auch Widersprüche.

In diesem Sinne ist es die reale Möglichkeit zur Auswahl, die eine Demokratie ausmacht. Wo diese Auswahl eingeschränkt, kanalisiert und durch öffentliche Einrichtungen ideologisch bekämpft wird, indem höchstens noch die Auswahl zwischen links und noch mehr links zur Verfügung steht, ist ein (ansatzweise) totalitäres System erreicht.

Der Extremismusdiskurs verdient dann auch noch eine Erwähnung. Extremismus kann links, mittig und rechts sein. Zu den Inhalten kommt beim Extremismus nämlich noch die totalitäre Komponente hinzu. Davon auszugehen, dass das politische Spektrum an seinen Enden einen Extremismus als intensivere inhaltliche Ausprägung hätte, ist nach dem liberalen Philosophen Norberto Bobbio vollkommen unzulässig.

Die inhaltliche Unterscheidung in links und rechts verläuft nach der Tendenz Richtung Egalitarismus mit entsprechender weitreichender staatlicher Organisation oder natürlicher Unterscheidung mit dem Prinzip der spontanen kulturellen Ordnung. Dazwischen gibt es unzählige politische Mischformen.

Die „Mitte“ ist vielmehr eine ästhetische Selbstdefinition und Selbstgefälligkeit, tendenziell trifft diese Einschätzung auch auf „links“ zu als dem Versuch, zum so genannten „Juste Milieu“ zu gehören, das heute als „richtige Mitte“ eine linke Mitte meint. Unter der Oberfläche bleibt dann substanziell häufig wenig übrig von der ästhetischen Selbstedinition, weil Gebaren und Essenz häufig divergieren, man weiß sich marketingkompatibel zu verstellen.

Heute sind viele Menschen darüber hinaus perplex von den verständnislosen Entwicklungen, die Politik und Medien einschlagen. Fakt ist, dass derjenige, der den real existierenden Marxismus nicht versteht, naive Perplexität verspürt angesichts des zeitgeistigen Versuches, unsere Lebenswirklichkeiten wie Familie, Heimat, Regionalität, Sprache, Autonomie und Unabhängigkeit oder Subsidiarität in fragwürdiges Fahrwasser zu stellen und substanziell im Sinne allfälliger radikaler Abstraktionen zu relativieren.

Dahinter stehen real existierende Strategien, ein Blick in die modrigen Theorien linker Weltauffassung der letzten Jahrzehnte oder aber auch in die Biographien rüttelt wach. Die Theorien sind wohlgemerkt legitim, nicht aber der Versuch, diese Theorien postdemokratiech durch das Hintertürchen vollendeter Tatsachen ohne demokratische Legitimation einzuführen.

Literatur:

[1] Norberto Bobbio: „Rechts und Links: Gründe und Bedeutungen einer politischen Unterscheidung“, Wagenbach, Berlin 1994

5 Antworten zu „Links und rechts: Eine notwendige politische Unterscheidung“

  1. Avatar von Multipolare Politik und zunehmende Polarisierung – Demanega

    […] man meinen möchte, dass dieser Umstand zu einer Entspannung führen würde, weil die klassische Links-Rechts-Dichotomie aufgehoben wird, ist eher das Gegenteil, nämlich eine multipolare Anspannung, der Fall. Die […]

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  2. Avatar von Rechts sein: Begriff und Philosophie – Demanega

    […] italienische Philosoph Norberto Bobbio legte mit dem Buch „Destra e sinistra: ragioni e significati di una distinzione politica“ […]

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    […] „offene“ Gesellschaft war und ist deren Vorwand. Zweck ist und bleibt es, elementare Entscheidungsfindungen im Sinne des Postpolitischen zu […]

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    […] „Alte Volkstumspolitik“ ist (in Anlehnung an die „Alte Rechte“, der Amerikaner würde „cuckservative“ sagen) strikt rückwärtsgewandt: Die eigene Position […]

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    […] Links und rechts: Eine notwendige politische Unterscheidung […]

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