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Europäischer Binnenmarkt und technische Normen: Zertifiziert und sicher

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Im Rahmen des freien Warenverkehrs setzt die europäische Union Einschränkungen, aber auch Garantien, um den inneren Warenverkehr zu forcieren und das gegenseitige Vertrauen vorauszusetzen, indem ein gemeinsamer Markt geschaffen, entsprechende Normen verabschiedet und Kontrollen verpflichtet werden. In diesem Sinne wirkt die 89/106/CEE für Bauprodukte (Construction Product Directive).

Insbesondere bei Bauprodukten, die vielfach Einzelbestandteile für ein Bauwerk darstellen, vollzieht sich der Einsatz deutlich anders als bei anderen technischen Produkten, die in einer Serienanfertigung produziert werden. Bauprojekte sind immer Einzelanfertigungen, weshalb es notwendig ist, dass die eingesetzten Baumaterialien

Die Richtlinie CPR 305/2011/CEE legt die Bedingungen für die Marktteilnahme von Bauprodukten fest, legt die Eigenschaften, welche das Bauprodukt kennzeichnen, und definiert die Verwendung des CE-Kennzeichens. Das CE-Kennzeichen ist kein Qualitätsmerkmal, sondern die Deklaration, dass der Hersteller oder Vertreiber die Produktanforderungen kennt und garantiert.

Als Bauprodukt gelten Produkte, die dauerhaft in Bauvorhaben oder in Teilen davon verbaut werden und deren Eigenschaften die funktionellen Anforderungen des Bauwerks bestimmen.

Eine harmonisierte Norm besteht in den technischen Standards, welche festlegen, wie die Anforderungen verifiziert werden, welche die Richtlinien in Bezug auf Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz festsetzen.

Eine DoP (Declaration of Performance) beschreibt in Bezug auf die harmonisierten technischen Bestimmungen die essenziellen Eigenschaften von Bauprodukten. Folglich kann es in diesem Kontext eine DoP nur dann geben, wenn eine CE-Kennzeichnung vorliegt. Mit dem CE-Kennzeichen übernimmt der Hersteller die Verantwortung für die Produktkonformität. Die DoP ist sodann

Befreiungen von der DoP betreffen: Nicht industrielle Verfahren, Produkte, die keiner harmonisierten Norm entsprechen, Einzelexemplare, auf der Baustelle hergestellte Fabrikate oder sanierende und denkmalschützende Maßnahmen.

Der Bauleiter (direttore dei lavori) hat die Aufgabe, die verwendeten Baumaterialien auf der Baustelle entsprechend der harmonisierten Normen anzunehmen.

Eine DoP reicht folglich nicht aus, um die spezifischen technischen Eigenschaften des verwendeten Baumaterials mit den entsprechenden qualitativen Variartionen festzustelle, sodass Proben notwendig bleiben.

Im Sinne der Richtlinie 305/2011 sind fünf Stufen der Produktbewertung vorgesehen (von unten nach oben): Verifizierung der grundlegenden Voraussetzungen (Mechanische Eigenschaften, Sicherheit, Umweltschutz), Verifizierung der essenziellen Eigenschaften des Produkts in Bezug auf das Bauwerk, Verifizierung der Anfangseigenschaften (und CE-Zertifizierung) und schließlich Verifizierung der Aufrechterhaltung der Eigenschaften (Produktionskontrolle). Während die CE-Kennzeichnung die Anfangseigenschaften eines Produkts festlegt, ist im Konkreten die kontinuierliche Übereinstimmung der Eigenschaften des Produkts mit den Anforderungen zu prüfen.

Eine ETA ist hingegen eine technische Beurteilung der Eignung eines Produktes für die Verwendung eines Bauprodukts für einen spezifischen Zweck. Eine ETA ist folglich in Abwesenheit einer harmonisierten Norm oder in Abweichung davon zweckdienlich.

Die ETA ist eine freiwillige Zertifizierung, während aus den harmonisierten Normen, die eine verpflichtende Zertifizierung vorsehen, entsprechende Testergebnisse notwendig sind. Die CE-Zertifizierung kann folglich aus einem verpflichtenden oder aus einem freiwilligen Kontext entspringen. Daneben gibt es auch noch nationale Zertifikate.

Die italienischen Norme tecniche per le costruzioni (NTC) legen in Kapitel 11 fest, dass in strukturellen Zusammenhängen ausschließlich Baumaterialien verwendet werden können, die zertifiziert sind. In Ermangelung europäischer Normen sind folglich eine nationale Norm oder eine Zulassung anzuwenden.

Strukturelle Produkte dürfen in Italien nicht verwendet werden, wenn diese nicht „qualifiziert“ sind. Um zu einer Zertifizierung zu gelangen gibt es die folgenden Möglichkeiten:

  • Verfolgen einer harmonisierten Norm (verpflichtende CE-Kennzeichnung). Harmonisierte Normen werden genutzt, um den Nachweis zu führen, dass Produkte den Anforderungen der europäischen Richtlinien entsprechen.
  • Freiwillige CE-Kennzeichnung bei Produkten, welche nicht die Charakteristik von Serienprodukten aufweisen.

In Abwesenheit einer harmonisierten Norm gibt es hingegen die folgenden Möglichkeiten:

  • Produkt, das in den NTC behandelt wird: „Attestato di qualificazione“ des Servizio tecnico centrale (STC) beim Consiglio Superiore dei Lavori Pubblici (CSLP). Bauprodukte, für welche eine solche Zulassung beantragt und ausgestellt wird, können folglich am Markt diffundiert werden. Beispiel sind Baustähle. Dabei handelt es sich um ein technisches Dokument mit 5-jähriger Gültigkeit.
  • Produkt, das nicht in den NTC behandelt wird: ETA oder „Certificato di valutazione tecnica“ (CVT) des Servizio tecnico centrale (STC) beim Consiglio Superiore dei Lavori Pubblici (CSLP). Dabei handelt es sich um ein technisches Dokument mit 5-jähriger Gültigkeit, das keiner CE-Zertifizierung entspricht.

Darüber hinaus müssen Bauprodukte vom Bauleiter auf der Baustelle akzeptiert werden. Diese Annahme betrifft die Überprüfung der CE-Kennzeichnung sowie die Annahme der technischen Dokumentation. Ohne CE-Kennzeichnung ist es notwendig, im NTC zu prüfen, inwiefern Festlegungen definiert sind, welche die Annahme festlegen. Außerhalb dessen entsteht ein Interpretationsspielraum sowie die Möglichkeit, individuell in Laboren zu prüfen.

Das legislative Dekret 106 / 2017 definiert die Zertifizierung von Bauprodukten und sieht Sanktionen für Hersteller, Prüfeinrichtungen, Projektanten und Bauleiter vor, die gegen die Verpflichtungen gemäß CPR 305/2011/CEE verstoßen.

Was hat ein Hersteller oder Planer zu tun, um Sanktionen zu vermeiden?

  1. Die Festlegungen gemäß Regolamento 305 und D.Lgs. 106 befolgen, welche die Verwendung von Bauprodukten umfassen;
  2. Produkte verwenden, die klar festgelegte Eigenschaften haben (bei struktureller Verwendung CE-Kennzeichnung oder NTC-Konformität);
  3. Im Rahmen der Planung Materialeigenschaften festsetzen, die in Relation zu einer DoP stehen.

Eine Antwort zu „Europäischer Binnenmarkt und technische Normen: Zertifiziert und sicher“

  1. Avatar von Europäisches und italienisches Vergaberecht – Demanega

    […] Warenverkehr und Dienstleistungsverkehr zu ermöglichen, sind auf der anderen Seite allerdings auch harmonisierte Normen […]

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