Man fragt mich häufig, was „Bioengineering“ sein soll. Die kürzeste Definition wird sein: Bauen in der Natur und mit der Natur. Vielleicht ist das nichts Neues. Aber so ist es doch meistens: Wir stoßen selten auf wirklich Neues, sind aber doch perplex, wenn wir mit frischen Ideen konfrontiert sind, wenn die Themen neu verbunden werden, wenn die Schwerpunkte radikal anders gesetzt und die Dinge neu geordnet werden.
Vielfach brauchen wir eine solche radikale Klarheit, eine glasklare Festlegung und eine felsenfeste Überzeugung, um die Dinge anders zu sehen und auch deutlicher zu sehen. Vor allem brauchen wir Anstöße, um Veränderungen herbei zu führen. Veränderungen sind dringend notwendig, Naturgefahren nehmen zu, gleichzeitig auch die Entfremdung unserer Umgebungen von der Natur und die Unfähigkeit, mit dem Bauwerk eins zu werden. Mit den üblichen Phrasen ist es dabei längst nicht mehr getan.
Bauen in der Natur und mit der Natur. Der Bogen spannt sich vom Bauen am Wildbach und am Hang, im Boden und in der – grünen – Natur zum modernen grünen Hochbau aus Holz. Damit schließt sich der Kreis, alles ist vereint und bildet eine runde Sache. Es geht vom Wald zum Holzbau. Und wieder zurück zum Schutzwald. Und dann , wenn alles rund ist, macht es Spaß und erfüllt.
So pathetisch das auch klingen mag, es geht um Bodenständigkeit im Bauwerk. Im englischsprachigen Raum ist heute von „Environmental Design“ die Rede wenn Landschaftsplanung, Raumplanung, Architektur, Tragwerksdesign und Gebäudetechnik integrativ betrachtet werden.
Diese Orientierung ist in meiner DNA verankert. Während sich andere im Bauingenieur-Studium auf die Zahlen konzentriert haben, habe ich mich auf den Blick auf das Ganze konzentriert, auf Wasserbau, Geotechnik, konstruktiven Hochbau, auf Holzbau, Infrastruktur und Verkehr und immer auf die Frage, wie ich dieses Wissen denn in der Praxis anwenden kann. Folglich waren auch beruflich verschiedene Erfahrungen notwendig, um dieses Ganze zu überblicken und zu beherrschen.
Mit Teillösungen ist es nicht getan, indem man sich einzelne Detaillösungen heraussucht. Im zeitgemäßen Bauen geht es um ganzheitliche Lösung vom Wald und Baum zum Bauwerk. Und Hand aufs Herz: Zeitgemäße Lösungen müssen einfach und robust, dauerhaft und reparierbar sein. Der Ansatz „High culture – low tech“ ist richtig und wichtig, gerade in Zeiten, in denen es immer häufiger am Personal fehlt, um hochkomplexe Technik zu warten und zu reparieren. Die Digitalisierung ist natürlich notwendig und wichtig, aber als Methode, um besser zu planen und zu bauen und nicht um die Bodenständigkeit im Sinne einer technizistischen Welt zu verlieren.
Gerade, wenn wir an Naturgefahren und an unsere gefährdeten Umgebungen denken, sind digitale Methoden und künstliche Intelligenz notwendig, um resilienter zu werden. Das Bauen und Planen mit Holz, aber nicht nur, erfordert dreidimensionale digitale Instrumente, um zielgerichteter zu planen, besser zusammen zu arbeiten und besser zu dokumentieren und überwachen zu können.
Aus einer radikalen Klarheit, einer glasklare Festlegung und einer felsenfeste Überzeugung ergibt sich dann so etwas, wie ein „Purpose“, ein Antrieb, eine innere Orientierung, eine Mission, an „besseren“ Lösungen zu arbeiten. In der Natur und mit der Natur.
Die Zukunft beginnt jetzt.


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