Die Frage ist in zahlreichen Lebensbereichen, wie unabhängig wir wirklich sein wollen. Klar ist, dass Unabhängigkeit ihren Preis hat. Der Wind wird rauer, die Risiken sind größer, die Verantwortung muss erst einmal getragen werden.
Für viele Zeitgenossen ist die betreute Abhängigkeit die bessere Option: Die Verantwortung wird präventiv abgegeben, nur nicht zu sehr in die Materie einarbeiten, Kompetenz ist anstrengend, irgendjemand wird schon die dazu notwendige Arbeit leisten, ja kein Stress. Im Zweifel umstrittene Haltungs-Medien. Gearbeitet wird höchstens bis zum eng gezogenen Tellerrand, Dienst nach Vorschrift. Für alles andere ist man „nicht zuständig“.
In unserer arbeitsteiligen Welt können wir selbstverständlich nicht alles selbst abdecken. Wir sind immer von Fachplanern, Ausführenden, Experten, Zulieferern und von den größeren Prozessketten abhängig. Wir können aber nach mehr Unabhängigkeit streben oder eben nicht. Im letzteren Fall sind wir nur ein ausführendes Rädchen in der Kette. Im ersteren Fall gewinnen wir viel.
Und selbst dort, wo oftmals die „Unabhängigkeit“ beansprucht wird, ist es nur eine halbe Unabhängigkeit, wenn diese dann vollkommen losgelöst von der persönlichen Verantwortung beansprucht wird, indem irgendjemand „anderes“ den Kopf hinhalten soll.
Es sind die Extra-Kilometer, die Extra-Stunden, die vielen Vertiefungen, Überlegungen und unstillbaren Recherchen, die uns reich machen an Erfahrungen, an Überblick und an Verständnis. Wir erobern uns die Welt um uns herum, Stück für Stück, Kilometer um Kilometer. Geschenkt wird den meisten von uns ohnehin gar nichts, also erkämpfen wir uns die Welt eben durch viel geistige, aber auch physische Arbeit.
Das wird vielleicht belächelt, in der Überheblichkeit geringgeschätzt und vielfach auf der anderen Seite auch als „selbstverständlich“ erachtet, das alles ist es aber letzten Endes nicht. Das zeigt sich spätestens dann, wenn die dadurch erarbeitete Information letztlich nicht mehr zugänglich ist und irgendwer „endlich“ einmal selbst nachdenken muss.
Leben wollen, wie jemand, der unabhängig und wirklich „frei“ ist, ist nicht jedermanns Sache. Die Verantwortung ist groß und die Risiken sind viele. Es ist aber die einzige Art und Weise, wie wir leben wollen und wie es sich auch unserem Verständnis nach für ein aktives Leben gehört.
In der Art und Weise, wie wir arbeiten, wird dann sichtbar, ob wir für den Projekterfolg mehr Extrarunden bereit sind, zu gehen, ob uns an Problemlösung und Projektbewältigung oder nur an Wegschieben der Verantwortung gelegen ist.
Fakt ist, dass hervorragende Projekte eine exzellente Haltung voraussetzen. Vielfach stehen die Beteiligten in führender Verantwortung, sind selbständig und haben dadurch die Freiheit, zu gestalten und sich und ihre Projekte zu verwirklichen.


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