Demanega

#ingenieurbaukultur

Feuchtesanierung im Keller: Hochwertige Bestandsimmobilien schaffen

Published by

on

Altbausanierungen sind vielfach gar nicht einmal eine Frage der Tragwerksplanung. Wenn sich nämlich im sanierten Altbau die Mängel an den Oberflächen zeigen, weil die Wärmedämmung unzureichend ausgeführt ist oder Feuchteschäden eintreten, dann ist der Wertverlust der Immobilie ein plötzlicher. Was man auf den ersten Blick bautechnisch vernachlässigen möchte, ist im Nachhinein ein größeres und teures Problem.

Insbesondere auf zahlreiche Wiener Gründerzeithäuser trifft die Problematik der feuchten Keller häufig zu. Wer einmal in einem Gründerzeithaus in Wien gewohnt hat, kennt die Sachlage: Die feuchte, modrige Luft zieht vom feuchten Keller über das zentrale und durchaus repräsentative Stiegenhaus durch die Kaminwirkung bis in die obersten Geschosse und verbreitet sich im ganzen Haus und in den Wohnungen und Zimmern.

Dass insbesondere Gründerzeithäuser davon betroffen sind, mag oftmals an der Baugeschichte liegen. Die Gebäude wurden im historischen Kontext häufig schnell hoch gezogen und sollten schleunigst Mieteinnahmen bringen. Folglich lag der Schwerpunkt nicht unbedingt auf der Ausführungsqualität, wenngleich diese in vielen Bereichen trotzdem höher ist als bei Bauwerken der Moderne.

„Bei höherwertigen Gebäuden, wie z. B. Villen oder Wohnhäusern der Baumeister, wurden die Ziegelwände bei Unterkellerungen auch mit verschiedenen Varianten von Isoliergräben bzw. Kanälen zur „Hinterlüftung“ des Mauerwerks, mit dichtenden Anstrichen aus Teeranstrichen oder Teerpappen versehen, oder aus dichten Klinkermaterial hergestellt. Auch in kunstvoll ausgestatteten Treppenhauseingängen, die oftmals mit hochwertigen Holztäfelungen verkleidet wurden, sind Teerfilzpappen zur Abdichtung gegen Mauerwerksfeuchtigkeit verwendet worden. Aus Kostengründen kamen diese Maßnahmen aber im einfachen Wohnungsbau bis ca. Ende des 19. Jh. nur sehr selten vor“ schreibt die Baugeschichte [3].

Die Problematik ist insbesondere auch jene, dass die Sommermonate häufig dazu genutzt werden, um die Kellerräume umfangreich zu lüften. Warme Luft ist allerdings feucht. Die Feuchtigkeit sammelt sich im Bauwerk an. Im Winter, wenn die deutlich kältere Luft weitaus weniger Luftfeuchtigkeit aufnehmen kann, sammelt sich das Kondenswasser an den Oberflächen, verursacht feuchte Stellen und Schimmelpilze.

„Die feuchte Luft kondensiert dann an den kühlen Wandoberflächen aus und bietet so einen idealen Nährboden für Schimmel. Solche Feuchteschäden werden dann als drückende oder aufsteigende Feuchte interpretiert. Optimal wird der Keller im Winter gelüftet und im Sommer nur an kühlen Nächten oder in den frühen Morgenstunden. Statt einer Lüftungsanlage oder Fensterlüftung empfiehlt sich zur Entfeuchtung von Kellerräumen Kondensattrockner“ [4].

Das Hauptproblem besteht darin, dass die Abdichtung der Außenwände und Kellerböden im historischen Altbau alles andere als eine einfache und kostengünstige Angelegenheit ist.

Eingebaute Baustoffe stehen in einem Feuchteverhältnis zur Umgebung. Die hygroskopische Feuchte oder Ausgleichsfeuchte ist jene Feuchte, die sich im Baustoff abhängig zur relativen Umgebungsfeuchte einstellt. Sinkt die relative Feuchte, gibt der Baustoff Feuchtigkeit ab und umgekehrt. Wesentlich ist, dass sich die Feuchte in einem Bauteil unterhalb der Schädlichkeitsgrenze befindet [3].

Die Strategien, um feuchten Kellern zu begegnen, liegen auf der Hand.

Einerseits die Bauteiltrocknung durch:

  • Natürliche oder mechanische Lüftung
  • Luftentfeuchtung
  • Aufheizung der Bauteile.

Daneben kommen mechanische Verfahren zur Anwendung. Diese umfassen mechanische Horizontalsperren oberhalb des Geländeniveaus durch Schneide- und Sägeverfahren, Blecheinschlagverfahren, Maueraustauschverfahren, Kernbohrverfahren und Injektionsverfahren. Diese Sperrschichten verhindern ein Aufsteigen des Kapillarwassers.

In vielen Altbausanierungen ist eine Horizontalabdichtung vollkommen ausreichend, weil eine bestimmte Feuchtigkeit akzeptiert wird. Werden die Räume in den unterirdischen Geschossen allerdings hochwertiger genutzt, sind weiter reichende Maßnahmen unumgänglich. Diese umfassen Vertikalabdichtungen sowie eine Horizontalabdichtung im Wandfußbereich. Letztere umfasst die Ausführung einer wasserdichten Bodenplatte. Auf jeden Fall sind die Verfahren aufwändig und es sind mehrjährige Untersuchungen des Wasserstandes notwendig.

Daneben sind immer auch flankierende Maßnahmen anzudenken, die natürlich nicht immer möglich sind. Solche Maßnahmen betreffen die Dränage. Ebenso ist ein Feuchteputz als flankierende Maßnahme einzustufen, der eine wasserabweisende Oberfläche schafft.

Insbesondere darum, weil Feuchteprobleme den Wert einer Immobilie deutlich senken können und Maßnahmen sehr teuer ausfallen können, sind die Maßnahmen gut zu prüfen. Die Qualitätskontrolle umfasst die Feuchtemessung vor den baulichen Maßnahmen, während der Maßnahmen und nach den Maßnahmen.

Literatur:

[1] Josef Maier: „Handbuch historisches Mauerwerk: Untersuchungsmethoden und Instandsetzungsverfahren“, Springer Vieweg, Wiesbaden 2012

[2] Andreas Rohatsch: „Sanierung von Bauwerken aus Naturstein“, Technische Universität Wien, Wien 2015

[3] Jürgen Weber & Volker Hafkesbrink (Hrsg.) „Bauwerksabdichtung in der Altbausanierung – Verfahren und juristische Betrachtungsweise“, Springer Vieweg, Wiesbaden 2016

[4] Matthias Post , Peter Schmidt: „Lohmeyer: Praktische Bauphysik: Eine Einführung mit Berechnungsbeispielen“, Springer Vieweg, Wiesbaden 2019

2 Antworten zu „Feuchtesanierung im Keller: Hochwertige Bestandsimmobilien schaffen“

  1. Avatar von Der „richtige“ Verputz in der Bausanierung – Demanega

    […] der Feuchtigkeitstransport. Ist die Außenfassade zu wenig diffusionsoffen gestaltet, treten bei Wasserdampfdiffusion naturgemäß Mängel und Schäden am Verputz […]

    Like

  2. Avatar von Was tun bei Schimmelschäden in der Wohnung? – Demanega

    […] sind Kellerräume. Das Lüften im Sommer bewirkt, dass wärmere, feuchtehaltige Luftmassen in die Keller strömen. […]

    Like

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..