Was im Berufsleben die so genannte „Interdisziplinarität„, ist in der Tragwerksplanung das werkstoffübergreifende Konstruieren, bei dem auf spezifische Anliegen alle möglichen Alternativen anhand ihrer Stärken und Schwächen ergebnisoffen analysiert werden (können).
Aufgrund der vielfältigen Interessenslage ist es auch abseits der Stärken und Schwächen aller Werkstoffe schwierig, „den“ Werkstoff zu finden. Der passende Werkstoff ist eine teilweise emotionale Angelegenheit. Andererseits aber auch eine physikalische. Die Dinge sind nicht so einfach, wie vielfach angenommen. Jeder Werkstoff ist nicht überall geeignet. Werkstoffe verhalten sich grundlegend anders als die halbwirkliche „Wirklichkeit“ in der digitalen Planung.
Dann geht es aber auch um persönliche Festlegungen: Im Rahmen eines persönlichen Ausbildungsweges sowie der gewählten Vertiefungen mag man da und dort seine Interessen finden und diesen auch nachgehen. Es geht dann aber um eine Festlegung: Genügt man sich mit fundiertem Detailwissen in bestimmten Bereichen oder strebt man nach allumfassendem Überblick? Notwendig ist wahrscheinlich beides.
Managementratgeber und Karriereratgeber sprechen von so genannten T-Karrieren: Notwendig ist einerseits ein breites Breitenwissen, es geht um den horizontalen Teil des T, um sich in allen Bereichen, – und im Bauwesen – in allen Werkstoffen und Baumethoden auszukennen und um jedes Mal die beste Wahl zu treffen. Dann ist allerdings die Ausarbeitung individueller Stärken notwendig, um jenen Bereich zu schaffen, in dem man – bestenfalls – 10 mal besser ist als alle anderen. Es geht hier um den vertikalen Teil im T. Und bestenfalls gibt es gleich mehrere solche vertikale Teile im T.
Letztlich ist Breitenwissen aber wichtiger als Detailwissen. Es geht darum, in möglichst vielen Bereichen den Überblick zu behalten. Dann entsteht erst die Möglichkeit, sich gezielt zu vertiefen, aber auch Analogien zu finden und Mehrzweckaufgaben zu lösen. Im Sinne der persönlichen Autarkie ist Breitenwissen unabdingbar. Ansonsten endet die eigene Kompetenz zu schnell.
Ein ergebnisoffener Ansatz analysiert die Dinge jedes Mal grundlegend neu ohne Voreingenommenheit. Natürlich spricht im heutigen Bauen letztlich vieles für Holz. Doch nicht alles. Gerade bei dynamischen Gegebenheiten sind die Diskontinuitäten, die bei Holztragwerken immer gegeben sind, sowie die Schwierigkeit, Flächentragwerke herzustellen, ein Gegenargument. Selbst Massivholz ist letztlich kein Kontinuum, weil die Verbindungen und Anschlüsse in der Regel punktuell hergestellt werden.
Ob Stahlbau, Betonbau, vorgespannter Beton, Hybridbau, Grundbau oder Mauerwerk: Es geht immer darum, die spezifischen Vorteile herauszuarbeiten, auf die Stärken zu setzen und folglich die beste Wahl für das spezifische Projekt zu verfolgen. Dann entstehen bessere Projekte.
Das gute Bauen ist immer ein Dialog zwischen Bauherr und Planer, Ausführendem und Gesellschaft, dem baukulturellen Erbe, der Natur, aber auch dem Werkstoff und seiner physischen Gegebenheiten.


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