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Wer war Eduard Erler?

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Eduard Erler war Rechtsanwalt, Vizebürgermeister in Innsbruck, darüber hinaus aber auch wesentlich an der ideologischen Festigung der Deutschfreiheitlichen beteiligt, unter anderem als Vorsitzender der Jungdeutschen Vereinigung.

Eduard Erler (der Vater) war Gastwirt „zum grauen Bären“ in Innsbruck. Die beiden Turner Franz Thurner und Eduard Erler organisierten anlässlich des Tiroler Grenzkrieges 1866 freiwillige Scharfschützenkompanien:

Franz Thurner war nicht nur Turnvater Tirols, sondern freiwilliger Landesverteidiger in allen drei Tiroler Grenzkriegen 1848, 1859 und 1866.

Im Jahr 1876 beendete der langjährige Gemeinderat Eduard Erler der Ältere nach einer Krankheit sein Leben freiwillig.

Neuigkeit-Weltblatt, 1876
Meraner Zeitung, 1876

Eduard Erler, der Sohn, wurde am 25. September 1861 in Innsbruck geboren.

Nach dem Studium der Rechtswissenschaften promovierte er zum Doktor der Rechte und arbeitete anschließend als Advokat in Innsbruck.

Parallel zu seiner beruflichen Laufbahn engagierte er sich politisch. Von 1898 bis 1919 war Eduard Erler Vizebürgermeister in Innsbruck. Von 1896 bis 1923 war Wilhelm Greil freiheitlicher Bürgermeister in Innsbruck, Eduard Erler war sein Stellvertreter.

Eduard Erler war vom 17. Juni 1907 bis 8. Mai 1908 sowie vom 17. Juli 1911 bis 25. Juli 1914 Mitglied des Abgeordnetenhauses des Reichsrates in Wiem. Nach der kriegsbedingten Unterbrechung gehörte er dem Parlament erneut vom 30. Mai 1917 bis 12. November 1918 an.

Politisch arbeiteten Eduard Erler und Wilhelm Greil ab 1895 daran, die Deutschfortschrittlichen und die Deutschnationalen zu vereinigten, was auf einem Parteitag im Oktober 1897 geschah, indem der „Deutschfreiheitliche Landeswahlausschuss“ für Tirol entstand.

Im Jänner 1898 erfolgte die Gründung des „Deutschen Volksvereines für Südtirol“. Gemäß Julius Perathoners Rede sollte der Volksverein Bestandteil der deutschen Volkswehr „vom Riesengebirge bis zur Etsch“ sein und die Freiheit des Geistes verteidigen.

Annähernd zur selben Zeit wie in Bozen wurde am 9. März 1898 auch in Innsbruck ein „Deutscher Volksverein“ für Nordtirol gebildet, der unter der Führung von Eduard Erler der deutschen Volkspartei beitrat.

Eduard Erler setzte sich maßgeblich für das staatlich organisierte Schulwesen ein. Die Klerikalen wollten hingegen den Einfluss des Klerus auf die Kinder sichern. Die klerikale Presse bezichtigte Erler infolge des Schulstreites als „anti-katholisch“ und dass die „teutschen“ Kulturkämpfer, den Protestantismus sowie den jüdischen Glauben nach Tirol einschleusen wollen würden. Eduard Erler war Mitglied im Deutschen Schulverein, was für die Klerikalen Grund genug war, um Gift und Galle zu spucken.

Die „Deutsche Volkspartei für Tirol“ war der konkrete Versuch einer Öffnung für die gesamten nationale Gemeinschaft, ohne allzu markante ideologische Grenzen. In weiten Teilen war dies mehr Anspruch als Wirklichkeit.

Der Deutsche Nationalverband war ein 1911 gegründeter loser Zusammenschluss mehrerer deutschnationaler und deutschfreiheitlicher Parteien im österreichischen Reichsrat. Zu ihm gehörten unter anderem die Deutsche Volkspartei, die Deutsche Fortschrittspartei, die Deutschradikale Partei und weitere Gruppierungen. Ziel des Verbandes war es, nach der katastrophalen Wahl von 1907 die politischen Kräfte dieser Parteien zu bündeln und ihr Fortbestehen zu sichern. Die Deutschradikalen organisierten sich außerhalb des Nationalverbandes.

Anlässlich der Reichsratswahl 1911 erreichte der Nationalverband 32 Prozent, damit mehr als die Sozialdemokratie. Der Nationalverband bestand nur als lockere Kooperation und zerfiel schließlich 1917 in einzelne Gruppen.

Aus jenen Mitgliedern des Deutschen Nationalverbandes, die keinem parteilichen Verband angehörten, folglich nicht organisiert waren, wurde 1911 die Jungdeutsche Vereinigung gegründet, deren Vorsitz Erler übernahm:

Jungdeutsche Vereinigung, Obmann Eduard Erler

Zu den Jungdeutschen gehörte Emil Kraft, der 1911 den Wahlkreis Bozen anstelle von Julius Perathoner übernahm.

Die jungdeutsche Achse erweiterte sich neben Tirolern und Wienern um Steirer und Oberösterreicher. Die Vereinigung nannte sich später „Deutschvölkische“, bestand im Wesentlichen aus Beamten, Industriellen, Wiener Liberalen und alpenländischen Radikalnationalen, so Lothar Höbelt.

Die Brüder Dr. Eduard Erler, Reichsratsabgeordneter a.D., und Hofrat Josef Erler, Leiter der Staatspolizei in Trient, ließen sich ab 1907 am Hungerberg in Innsbruck jeweils ein Landhaus entwerfen. Sie beauftragten dafür den Architekten Adalbert Erlebach, der damals mehrere Villen in der Gegend plante. Für Josef Erler entstand die Villa „Erlerheim“, während südwestlich davon das Landhaus von Eduard Erler errichtet wurde.

Reichsratswahl 1911

Nach dem Ende der Monarchie war Erler am Aufbau der neuen staatlichen Ordnung beteiligt. Er war vom 21. Oktober 1918 bis 16. Februar 1919 Mitglied der Provisorischen Nationalversammlung.

Paul von Vittorelli wurde 1918 Präsident des Verfassungsgerichtshofs. Paul von Vittorellis Vater war der Schwiegersohn von Johann Putzer zu Reibegg. Mitglieder des Verfassungsgerichtshofes wurden Julius Sylvester sowie Hans Kelsen. Eduard Erler wurde Ersatzmitglied.

Zudem wirkte Eduard Erler als Rechtsanwalt Josef Riehls, des Eisenbahnpionier Tirols, war folglich am Infrastrukturbau in Tirol beteiligt.

Eduard Erler verstarb am 1. November 1949 in Innsbruck.

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