Der Salurner Jurist Dr. Heinrich von Mörl zählte im 19. Jahrhundert zu den energischsten politischen Vertretern des Südtiroler Unterlandes. Die Belange der Landwirtschaft im Süden Deutschtirols waren für den freiheitlichen Großgrundbesitzer zentral. Der Beitritt Tirols zur deutschen Zollunion ebenso.
Heinrich von Mörl zu Pfalzen, Mühlen und Sichelburg wurde am 29. Dezember 1828 in Eppan geboren und verstarb am 12. Dezember 1909 in Karneid bei Salurn.

Er studierte Rechtswissenschaften, promovierte zum Doktor der Rechte und war von Beruf Notar:

Mörl wurde als Gutsbesitzer in Karneid bei Salurn 1861 für die freiheitliche Partei in den Tiroler Landtag gewählt:

Der Önologe und Gründungsdirektor an der landwirtschaftlichen Landeslehranstalt St. Michael an der Etsch, Edmund Mach, verfasste 1894 „Der Weinbau und die Weine Deutschtirols“, in dem er Mörl als größeren Weinproduzenten in Salurn auflistete:

Im Tiroler Kulturkampf stimmte von Mörl gegen die klerikalen Anträge, wie die „Tiroler Stimmen“ am 19. April 1861 festhalten. Er war also ein energischer Kämpfer für freiheitliche Belange in Tirol:

Heinrich von Mörl wies 1863 im Tiroler Landtag auf die üble wirtschaftliche Lage des Weinbaues in Südtirol hin, die, hervorgerufen durch Krankheiten an den Weinreben in früheren Jahren, nur durch eine Erweiterung des Absatzes behoben werden könne. Infolge der Verarmung unter den deutschen Weinbauern des Etschlandes werde ein bäuerliches Proletariat und überdies das romanische Element auf den deutschen Grund und Boden herbeigezogen.
In Salurn hätten „in den letzten zwei Jahren“ die Grundbesitzer über hundert Käufe und Pachtungen an Leute italienischer Zunge getätigt, weil die Bewirtschaftung ihrer Güter unrentabel sei. Diese Erscheinung könne aber der Staatsregierung aus politischen Gründen, aus Gründen der Erhaltung des Grenzgebietes bei Tirol und Österreich nicht gleichgültig sein, vielmehr müsse man ihr durch wirtschaftliche Maßnahmen entgegenarbeiten:


Von Mörl sprach sich folglich energisch für den Beitritt Tirols zur deutschen Zollunion aus.
Dass am Gemeinde-Schießstand von Salurn 1863 ein Freischießen für von Mörl veranstaltet wurde, dürfte mit dessen Einsatz für die deutsche Zollunion und den deutschen Bauernstamd im Unterland zusammenhängen:

Es waren die Abgeordneten Zallinger und Mörl, die die Etschregulierung im Unterland vorantrieben und dadurch die Lage der Landwirtschaft effektiv verbesserten:

Dazwischen wurde der Sturm-Oberleitnant Dr. Heinrich von Mörl 1866 als Landesverteidiger Tirols ausgezeichnet, diente also als Landesschütze an der Südfront:

Im November 1868 war Mörl einer von zwei Tiroler Vertretern am „Ersten österreichischen Agrar-Congress zu Wien“:

Im Rahmen der Etschregulierung war von Mörl 1868 im Komitee tätig, führte eine Delegation an, die dem Kaiser 1869 das Anliegen der Etschregulierung zwischen Bozen und Deutschmetz vorbrachte:

Die Wahlergebnisse des adeligen Großgrundbesitzes, die 1870 zugunsten des verfassungstreuen, freiheitlichen Lagers ausgingen, verdeutlichen, wer in Tirol dem freiheitlichen Großgrundbesitz angehörte:

Aus den Aufzeichnungen geht hervor, dass Mörl eine Rebschule in Karneid bei Salurn betrieb.
Im Juni 1882 wurde von Mörl Obmann der landwirtschaftlichen Bezirksgenossenschaft von Neumarkt:

Die Tochter, Maria von Mörl heiratete Egbert von Widmann-Staffelfeld zu Ulmberg, womit Ansitz Karneid an die Familie Widmann fällt:

Dessen Vater, Alfons von Widmann-Staffelfeld zu Ulmberg, kam 1850 in Innsbruck zur Welt, war Großgrundbesitzer in Margreid, wurde 1872 Doktor der Rechtswissenschaften in Wien.
Nach einer kurzen Zeit als Konzipient in der Statthalterei in Wien und im Außenministerium zog er 1880 nach Bozen und verwaltete von dort aus seine Besitzungen im Etsch- und Nonstal. 1885 bis 1900 leitete er den Verband der landwirtschaftlichen Genossenschaften von Deutsch-Südtirol und wurde zum 1. Präsident der II. Sektion der Etschregulierung ernannt.
Zudem war er von 1900 bis 1908 Präsident der deutschen Sektion des Landeskulturrates, Mitglied des Museumsvereins Bozen, freiheitlicher Landtagsabgeordneter von 1895 bis 1912 und von 1914 bis 1918 und saß 1905 bis 1918 für die Verfassungspartei (Freiheitliche) im Herrenhaus in Wien. „Durch seinen Einsatz für Gesetze zum Schutz, zur Pflege und zur Förderung der Landeskultur erwarb sich Widmann große Verdienste um die Landwirtschaft Südtirols“ hält das Österreichische Biographische Lexikon fest. 1921 verstarb er in Bad Nauheim.


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