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Wer war Josef von Melchiori?

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Josef Graf Melchiori war Richter und Staatsanwalt, lange Zeit der Anführer der Freiheitlichen im Tiroler Landtag, betitelt wurde er als „deutschnational“. Zudem war er Tiroler Landesschütze 1866 und Weinbaupionier in Margreid.

Josef Graf von Melchiori wurde am 8. Juni 1826 in Lavis im heutigen Trentino geboren und starb am 29. Oktober 1903 in Margreid in Südtirol. Er erwarb 1852 an der Universität Innsbruck den Doktortitel der Rechtswissenschaften und begann danach seine juristische Laufbahn bei der Staatsanwaltschaft in Bozen.

Von 1853 bis 1863 war er als Richter in Siebenbürgen tätig, zuletzt als Ratssekretär am Oberlandesgericht in Hermannstadt in Siebenbürgen. Ab 1864 übernahm er die Funktion des Kreisgerichtsrats in Bozen und von 1869 bis 1871 leitete er die Staatsanwaltschaft in Innsbruck.


Anton Freiherr Di Pauli : ein Lebensbild als Beitrag zur Geschichte Österreichs und Tirols in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.- (Schlern-Schriften ; 19)

Im Tiroler Grenzkampf 1866 diente „Pepi“ Melchiori an der Südfront, sein ideologischer Gegner Di Pauli ordnete ihn der „Bozner Intelligenztruppe“ zu:

„Pepi Melchiori als Gemeiner der Bozner Intelligenztruppe“: Di Pauli über Melchioris Einsatz im Tiroler Grenzkrieg 1866

Dass Josef Graf Melchiori für den Großgrundbesitz in den Landtag gewählt wurde, liegt an den Besitzungen in Margreid. Der Önologe und Gründungsdirektor an der landwirtschaftlichen Landeslehranstalt St. Michael an der Etsch, Edmund Mach, verfasste 1894 „Der Weinbau und die Weine Deutschtirols“ und nannte Melchiori als großen Weinproduzenten:

Eigentümer und Namensgeber des Ansitz „Löwengang“ in Margreid waren ursprünglich die Gaun zum Lebengang. Der Ansitz geriet an die Familie Riccabona und 1850 durch Kauf an Josef Graf Melchiori und von Hoffmann. Das Wappen der Melchiori thront bis heute am Torbogen des Ansitz Löwengang. Alois Lageder scheint hingegen als Weinhändler in Bozen – St. Johann auf. Im März 1934 kaufte Alois Lageder den Ansitz Löwengang.

Das Weingut Lageder schreibt heute: „Die Reben des Weinbergs Löwengang sind rund 145 Jahre alt und zählen zu den ältesten Weinbergen Südtirols. Graf Melchiori, der ehemalige Besitzer, bepflanzte die Parzellen in Margreid um 1875 mit Carménère, Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon.“ Josef Melchiori war folglich wie Ludwig Barth zu Barthenau einer der Weinpioniere im Südtiroler Unterland.

In der Literatur wird beschrieben, dass Melchiori in Margreid ausschließlich deutsche Arbeiter anstellte:

Deutsche und Italiener in Südtirol Von Johann Angerer, 1881

Den Melchioris gehörte zudem das Anwesen „Putzwald“ am Unterfennberg. Karl Anrather nannte Melchiori seinen Förderer.

Bemerkenswert ist die politische Karriere Josef Melchioris. Anfang 1871, als das Ministerium Hohenwart seine Tätigkeit aufnahm, bat Melchiori aus Gewissensgründen um seine sofortige Entlassung von der weisungsgebundenen Tätigkeit als Staatsanwalt.

Mit dem Amtsantritt des Ministeriums unter Karl von Hohenwart im Jahr 1871 änderte sich die politische Ausrichtung der österreichischen Regierung grundlegend. Bis dahin war der Staat stark freiheitlich und zentralistisch geprägt. Die liberale Regierung hatte ein einheitliches Staatswesen angestrebt, mit Deutsch als dominierender Verwaltungssprache und wenig Rücksicht auf die Interessen der einzelnen Kronländer und Nationalitäten.

Hohenwart verfolgte hingegen einen föderalistischen und konservativ-katholischen Kurs. Sein Ziel war es, den Kronländern – insbesondere Böhmen – mehr Autonomie zu gewähren und den verschiedenen Nationalitäten größere Rechte einzuräumen. Damit verbunden war auch eine stärkere Berücksichtigung religiöser Werte im Staatsleben. Diese Politik bedeutete einen deutlichen Bruch mit dem bisherigen freiheitlichen Staatsverständnis.

Melchiori wurde daraufhin als Oberlandesgerichtsrat am Kreisgericht Bozen ernannt und 1873 Präsident dieses Gerichtshofs. In den Jahren 1878 bis 1881 leitete er, da er beide Landessprachen beherrschte, auch das Kreisgericht in Trient.

Melchiori hatte über viele Jahre politische Ämter inne: Von 1873 bis 1876 war er Abgeordneter im Reichsrat, 1881 wurde er zum Hofrat ernannt und war Mitglied des Staatsgerichtshofes. Als objektiver Richter, der sich auch in großen Schwurgerichtsprozessen bewährte, genoss er hohes Ansehen und war über drei Jahrzehnte eine bedeutende Persönlichkeit in der Tiroler Politik.

Bereits 1867 wurde er als freiheitlicher Abgeordneter in den Tiroler Landtag gewählt, 1870 bis 1895 war er Mitglied des Landesausschusses und lange Zeit Vorsitzender des deutschfreiheitlichen Landtagsklubs, wo er als intellektueller Führer der Partei galt.

Die „Tiroler Stimmen“: „Graf Melchiori in Bozen, der gefürchtete Parteichef und Führer der deutschnationalen Großgrundbesitzer“

Graf Melchiori setzte sich zwischen 1881 und 1889 im Sinne des Deutschtums energisch für eine eigene Abteilung des Landeskulturrates für Deutschtirol ein. Die Klerikal-Konservativen waren im Sinne der Glsubenseinheit und Landeseinheit dagegen.

Wahl der Landtagsabgeordneten des Großgrundbesitzes: Die neun erstgewählten waren Freiheitliche

Wegen parteiinterner Meinungsverschiedenheiten legte Graf Melchiori 1896 mit 70 Jahren sein Landtagsmandat zurück, blieb aber bis zu seinem Tod Gemeindevorsteher seines Wohnortes Margreid.

Befasst man sich mit Zeitungsartikeln jener Zeit, so wird der Grund für Melchioris Ausscheiden darin festgemacht, dass dieser durch die freiheitliche Partei im Rahmen der Bestellung des Landesausschusses (Landesregierung) zu wenig berücksichtigt wurde. Er hätte sich ein Amt erwartet. Beinahe wäre er auch Landeshauptmann geworden.

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