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Wer war Anton von Longo-Liebenstein?

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Anton von Longo-Liebenstein war Burschenschafter in Wien, Arzt, Mitglied und Vorstandsmitglied im Deutschen Schulverein im Gründungsjahr 1880, Gemeinderat in Neumarkt an der Etsch, freiheitlicher Landtagsabgeordneter in Tirol, Präsident des Forstvereins und Winzer des familieneigenen Weingutes. Von den italienischen Faschisten wurde er ausgewiesen.

Das Viller Schlössl in Vill bei Neumarkt befindet sich seit ungefähr 1770 in Familienbesitz der Familie Longo. Es handelt sich um eines der Wahrzeichen des Unterlandes. Die Familie Longo erwarb um 1770 auch den Palais Longo und gliederte dieses mit dem Viller Schlössl in das Weingut der Familie Longo ein.

Viller Schlössl, Landesdenkmalamt Südtirol
Palais Longo, Landesdenkmalamt Südtirol

Der Appellationsrat Felix Anton Reichsritter von Longo, der Präsident des Stadt- und Landrechtes in Görz war, wurde 1803 das Prädikat „auf Wellenburg und Langenstein“ und der Freiherrenstand verliehen. Der Sohn, Felix Anton Freiherr von Longo-Liebenstein wurde 1803 in Klagenfurt geboren, studierte in Graz und Wien, war als Richter in Klagenfurt und Graz tätig. 1848 gehörte er dem Provisorischen Kärntner Landtag an (erstes Landesparlament im Kärnten, durch die Oktroyierte Verfassung 1849 aufgehoben) und war Landtagspräsident, zudem Hauptmann der Nationalgarde in Klagenfurt.

Im Jahr 1853 kommt dessen Sohn, Anton von Longo-Liebenstein in Klagenfurt zur Welt, er studierte Medizin in Wien und Straßburg. In Wien wurde Anton von Longo-Liebenstein 1871 Mitglied der Wiener akademischen Burschenschaft Silesia. Die Burschenschaft Silesia ist nicht irgendeine Burschenschaft, sondern nahm eine herausragende Pionier-Rolle im burschenschaftlichen Lager ein. 1871 wurde die Silesia wegen politischer Aktivitäten aufgelöst, kurz daraufhin wieder aktiviert. Die Wiener akademische Burschenschaft Teutonia entstand 1868 im unmittelbaren geistigen Umfeld der Silesia.

Genau zu jener Zeit wurde Anton Longo-Liebenstein Silese.

Der Medizinstudent Anon Longo-Liebenstein als Chargierter der Silesia, Österreichischer Studentenkalender 1875

1876 promovierte Anton von Longo-Liebenstein, arbeitete fortan als Arzt in Klagenfurt.

Der „Deutsche Schulverein“ wurde 1880 in Wien gegründet. Federführend daran beteiligt war der Wiener Silese Otto Steinwender. Dass dessen Bundesbruder Anton von Longo im Gründungsjahr in den Ausschuss gewählt wurde, überrascht daher nicht:

Anton von Longo-Liebenstein übersiedelte Anfang der 1890er-Jahre nach Neumarkt, um die familieneigenen Weingüter zu bewirtschaften. Die Weingüter der Familie Longo befinden sich unweit jener Güter in Mazon, die Ludwig Barth zu Barthenau erwarb.

Daneben studierte Longo eine Zeit lang Rechtswissenschaften, wurde zu jener Zeit aber politisch tätig, vorerst im Gemeinderat, von 1892 bis 1914 als freiheitlicher Abgeordneter des verfassungstreuen Tiroler Großgrundbesitzes im Tiroler Landtag.

Anton von Longo-Liebenstein schreibt am 3. November 1898 einen Brief an seine Bundesbrüder, aus dem hervorgeht, dass die Silesen die Erinnerung an das Revolutionsjahr 1848 ablehnen würden, da die Revolution einen „deutschgegnerischen Charakter“ angenommen hätte, seitdem die Sozialdemokraten diese vereinnahmt hätten [2].

Anton von Longo-Liebenstein war 1893 bis 1919 Präsident des Forstvereins für Tirol und Vorarlberg.

Einleitung zur Sammlung politischer Reden Karl von Grabmayrs, herausgegeben vom verfassungstreuen Tiroler Großgrundbesitz, Wien 1912

Der Önologe und Gründungsdirektor an der landwirtschaftlichen Landeslehranstalt St. Michael an der Etsch, Edmund Mach, verfasste 1894 „Der Weinbau und die Weine Deutschtirols“ und nannte Longo:

Nach der Annexion Südtirols war Longo eine „persona non grata“. Der italienischen Zivilregierung waren seine politischen Ideale bewusst geworden, insbesondere seine Aktivitäten im „Tiroler Volksbund“. Ettore Tolomeis Italianisierungsprogramm sah vor allen anderen Punkten die Entfernung der deutschbewussten Intelligenz vor – ein Fakt, der bis heute unterschlagen wird. Benito Mussolini verfügte schließlich am 10. Juli 1923 in der Funktion als Innenminister über die Ausweisung. Anton Longo verstarb 1925 in Krumpendorf.

Literatur:

[1] Lothar Höbelt: „Kornblume und Kaiseradler. Die deutschfreiheitlichen Parteien Altösterreichs 1882–1918“, Böhlau Verlag, Wien 1993

[2] Paul Molisch: „Politische Geschichte der deutschen Hochschulen in Österreich von 1848 bis 1918“, W. Braunmüller Verlag, Wien 1939

Bild-Quelle: Wikipedia

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