Die Erschließung der Tauferer Berge hängt wesentlich mit einem Namen zusammen: Josef Daimer. Sängerschafter, Corpsstudent, Alpenvereins-Aktivist, Arzt und Ministerialrat.
Josef Daimer wurde am 30. Juli 1845 in Sand in Taufers geboren und entstammt einer Ärztefamilie: Sein Vater Josef Alexander Daimer stammte aus der Steiermark und war als Gerichtsarzt während der Choleraepidemie 1839 nach Taufers gekommen und wirkte dort als Gemeindearzt.
Josef Daimer folgte dieser medizinischen Laufbahn, studierte in Graz und Wien Medizin. Nachdem er in Wien zum Doktor der Medizin promovierte, war er drei Jahre lang in Innsbruck an der inzwischen errichteten Lehrkanzel für pathologische Anatomie tätig. In Innsbruck wurde er Mitglied des Akademischen Gesangsvereins (inzwischen Universitätssängerschaft Skalden). Zudem wurde er 1872 im Corps Rhaetia Innsbruck recipiert. Im Jahr 1872 wechselte er nach Taufers, um seinen Vater zu entlasten.
Zuvor diente er 1866 im Tiroler Grenzkampf und wurde mit der Landesverteidigermedaille geehrt.
Hier entwickelte er eine große Leidenschaft für das Bergsteigen und die alpine Erschließung seiner Heimatregion.
Bereits in jungen Jahren engagierte sich Daimer im Alpinismus am Tauferer Ahrntal. 1873 gründete er als 28-Jähriger die Sektion Taufers des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, die fünfte Sektion in Tirol überhaupt, mit dem Ziel, Wanderwege auszubauen, Schutzhütten zu errichten und die naturräumlichen Besonderheiten der Region bekannt zu machen.
Am 4. September 1874 gelang ihm gemeinsam mit seinem Bruder Karl (oder Carl), der Ingenieur war, und unter Führung des Bergführers Stefan Kirchler die Erstbesteigung der 3253 Meter hohen III. Hornspitze im Hauptkamm der Zillertaler Alpen. Unter der Führung von Josef Daimer wurden innerhalb von 8 Jahren 4 Schutzhütten gebaut: 1876 wurde die Sonklarhütte am Speikboden eröffnet, 1877 die Rieserfernerhütte (heutige Kassler/Hoch- gallhütte), 1880 die Nevesjochhütte und 1884 die nach ihrem Sektionsvorsteher benannte Daimerhütte im Rotbachthal. Die Errichtung weiterer Hütten, etwa der Chemnitzer Hütte, ist ebenfalls seiner Initiative zu verdanken.
Josef Daimer war ein Pionier der Erschließung des Pustestertales für den Fremdenverkehr.

Josef Daimer war jemand, der nicht zögerte, sich auch mit der Kirche anzulegen. Die Kirche war es, die gesellschaftlichen Fortschritt verhindern wollte, indem die Tätigkeit des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins verhindert und bekämpft wurde.
Durch den Alpenverein ging, wie auch durch die anderen deutschbewussten Vereine, ein Geist der jugendlichen Erneuerung, der mitriss. Aber auch Gegner weckte.
Parallel zu seinem alpinistischen Wirken begann Daimer eine Karriere im staatlichen Sanitätsdienst Tirol, in den er 1880 eintrat. Sein organisatorisches und fachliches Talent führte 1887 zur Berufung als Ministerialkonzipist ins Ministerium für Inneres in Wien, wo er 1889 zum Ministerialsekretär und 1894 zum Sektionsrat ernannt wurde.

1902 wurde er zum Ministerialrat befördert. In dieser Funktion prägte er das öffentliche Gesundheitswesen des Habsburgerreichs nachhaltig: Er regte die Herausgabe der Wochenschrift „Das Österreichische Sanitätswesen“ an, initiierte das Handbuch der Österreichischen Sanitätsgesetze und Verordnungen und entwarf wichtige Gesetzesvorlagen zur Bekämpfung übertragbarer Krankheiten, zur Regelung des Apothekenwesens, zur Organisation des öffentlichen Sanitätswesens, zur Ärzteordnung und zur Impfregelung.
In dieser Funktion nahm er als Vertreter Österreichs an internationalen Kongressen teil, etwa 1903 an der Internationalen Sanitätskonferenz in Paris.

Neben seinen beruflichen Aufgaben blieb Daimer seiner alpinen Heimat verbunden und widmete sich dem Ausbau des Tourismus und der Sicherung alpiner Routen. In dieser Funktion war er am Verschönerungsverein beteiligt und ließ Hütten und Wanderwege bauen.
Sein Einsatz wurde über seinen Tod hinaus gewürdigt: Er war Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Gesundheitspflege und wurde für seine Verdienste mit dem Titel Hofrat ausgezeichnet.
In seiner Heimatgemeinde trägt eine Hauptstraße seinen Namen, und zu seinem 100. Todestag wurde 2009 eine Gedenktafel am Naturparkhaus in Sand in Taufers enthüllt.
Josef Daimer starb am 29. Januar 1909 im Wiener Bezirk Währing im Alter von 63 Jahren als k.k. Ministerialrat im Ministerium des Inneren. Er wurde am 31. Januar 1909 auf dem Döblinger Friedhof in Wien beigesetzt.
Emil von Ottenthal, sein Jugendfreund und inzwischen ein bedeutender Historiker, schrieb im Jahresbericht des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins einen Nachruf.


Literatur:
[1] Ivo Ingram Beikircher: „Josef Beikircher (1850–1925). Ein Mann der Gründerjahre in Tirol“, Studienverlag, Innsbruck / Wien / Bozen 2008


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