Ludwig Barth zu Barthenau kam 1839 in Rovereto (Rofreit) als Sohn eines Kreisamtssekretärs zur Welt. Infolgedessen wuchs er in Rovereto und ab dem 10. Lebensjahr in Schwaz, Imst, Bregenz und Innsbruck auf, wo er 1856 seine Matura absolvierte. Anschließend studierte er Chemie an der Universität Innsbruck, belegte aber auch philosophische Vorlesungen.
Das Studium in Innsbruck unterbrach Barth für den Tiroler Grenzkampf 1859, wie in seinem Nachruf eindrucksvoll dargelegt wird: „Er ist Turner, Schwimmer, Reiter, Tänzer, Fechter, sein Hauptvergnügen aber, dem er treu bleibt, bis sein Auge sich treibt, ist die Jagd. Im unglücklichen Jahre 1859 hatte auch er, und zwar als einer der ersten, sich zur freiwilligen akademischen Schützenkompagnie gemeldet. Vaterlandsliebe und Thatendrang hatten ihn in die Reihe der Vaterlandsvertheidiger gestellt. Sein Verlangen , mit den Waffen in den Kampf eingreifen zu können, wurde nicht erfüllt, und der unglückliche Ausgang des Feldzuges ließ ihm die Heimkehr erwünscht erscheinen“ [1].
Während eines kurzen Aufenthalts an der Ludwig-Maximilians-Universität München unter der Ägide der Chemiker Justus von Liebig und Max von Pettenkofer (Ehrenmitglied der Landsmannschaft Teutonia München) wurde er 1860 Mitglied des Corps Franconia München. Justus von Liebig war Burschenschafter in Bonn und Erlangen sowie Mitglied des Corps Rhenania Bonn. Aufgrund seiner Teilnahme an freiheitlichen Kundgebungen wurde Liebig bereits als Student von den Behörden verfolgt.
Im Jahr 1860 sollte Ludwig Barth zu Barthenau ein Weingut in Mazon bei Neumarkt erwerben und dort den Anbau von Blauburgunder versuchen. Es ist wohl anzunehmen, dass er auf dem Rückzug vom Kriegseinsatz 1859 auf das Südtiroler Unterland aufmerksam wurde.
Bathenau war es, der um 1870 den Blauburgunder aus Frankreich nach Südtirol holte. Ansitz Bathenau ließ er als Eigentümer mit Fresken des Margreider Künstlers Karl Anrather ausschmücken, der in München Malerei studierte und als Portraitmaler geschätzt wurde.
Barth wurde 1862 an der Universität Innsbruck Assistent des Chemieprofesors Heinrich Hlasiwetz, beide entdeckten das Resorcin, und 1867 dessen Nachfolger, zumal Hlasiwetz nach Wien wechselte. Zwischendurch zog Barth auch 1866 aus Verantwortung gegenüber seinem Vaterlande an die Tiroler Südfront.
In der Biographie Julius von Fickers, Mitglied der Burschenschaft Frankonia in Bonn, wird dargelegt, wie die Studentenkompanie 1866 konstituiert wurde, die im Wesentlichen durch die wehrhaften Korporationen Innsbrucks gebildet wurde:
„Im Jahre 1866, als Bismarck den Krieg entzündete, trat die Tiroler Landesverteidigung gegen die Italiener unter die Waffen. Da seit den Tagen von Spinges immer auch die Innsbrucker Studenten ihre Kompanie gestellt hatten, blieb man auch diesmal nicht zurück. Im Mai war alles bereit, der Gymnasialprofessor Daum, der schon 1848 und 1859 ausgerückt war, wurde zum Hauptmann gewählt, die Privatdozenten Leopold Pfaundler (der Physiker) zum Oberleutnant, Ludwig von Barth (der Chemiker) zum Leutnant, desgleichen der wehrhafte Doktorand der Rechte Eduard von Anderlan. Als Ficker einige Tage später erklärte, er wolle mitziehen, akklamierte man auch ihn als Leutnant. Rasch vollendete sich die Ausrüstung der Kompanie, da die Korpsverbände der „Athesia“ und der „Rätia“ gute Cadres abgaben, Pfaundler als „alter Herr“ der „Rätia“, der riesenstarke Barth allgemeines Vertrauen genossen: beide einrollierte Schützen des Landeshauptschießstandes, Bartha auch ein großer Jäger vor dem Herrn, waren Persönlichkeiten, die mit den Studenten umzugehen verstanden. Das gleiche galt von Ficker, während der Hauptmann Daum vom Gymnasium her als Turner und Schwimmer einen Ruf hatte, Ficker erhielt die Führung eines Zuges, in dem die Mitglieder der katholischen Studentenverbindung „Austria“ überwogen; auch einige Gymnasiasten aus Vorarlberg hatten sich angeschlossen.“
Hlasiwetz verstarb 1875. Ludwig Barth übernahm jedoch nicht dessen Lehrstuhl an der Technischen Universität Wien, sondern jenen von Franz von Schneider an der Universität Wien, der 1848 an der Revolution beteiligt war. Ludwig Barths Frau verstarb noch vor der Übersiedlung nach Wien, das Paar blieb kinderlos.
Der Leitsatz des Chemikers Ludwig Barth war: „Jedes exakte wissenschaftliche Experiment hat seinen bleibenden Werth, der früher oder später zur Geltung kommt, auch wenn ein Zusammenhang mit der höchsten Aufgabe oder eine Möglichkeit der sofortigen Verwertung in der Praxis nicht gleich erkannt wird“.

Adolph Lieben, ebenso Professor für Chemie, lehrte in Wien, Palermo, Turin, ordnete Barth in seinem Nachruf 1891 politisch ein: „In politischer Beziehung gehörte Barth mit großer Entschiedenheit der liberalen Partei an und war ein strammer Widersacher der Ultramontanen, die in seinen heimatlichen Bergen einen so dominierenden Einfluss besitzen“ [3]. Ludwig Barth war folglich ein Deutschfreiheitlicher, wie konnte es – mit Blick auf die Biographie – auch anders sein.
Ludwig Barth zu Barthenau wurde einer der bekanntesten Unterstützer des Deutschen Schulvereins in Wien.
Deutlich wird die politische Gesinnung, wenn man sich die Kandidatur Barths vergegenwärtigt: „Als im Jahre 1885 der Reichsrath neu gewablt wurde, machte die deutsch-liberale Partei des Tiroler Grossgrundbesitzes Barth zu ihrem Candidaten. Obwohl widerstrebend, folgte er, als strammer Parteimann dem Rufe seiner politischen Freunde, unterlag aber bei der Wahl, wie alle seine Genossen, dem klerikalen Gegner“ [1].
Mit Leopold Pfaundler, Mitglied des Corps Rhaetia Innsbruck, bestieg Barth Bergspitzen und betrieb die Gamsjagd. In den Ferien waren seine Reisen stats nach Tirol ausgerichtet. War die Tiroler Heimat nicht zugänglich, hielt er sich in Wien im Wienerwald oder am Kahlenberg auf: „Was er aber als Kind und Knabe in sich aufgenommen, davon konnte er nicht lassen; mit jeder Faser hing er an Tirol; hier wollte er einst seine letzten Tage in Ruhe geniessen, aber das Schicksal hat es anders bestimmt“ [1].
Zudem war Ludwig Barth ein herausragender Schütze: „Noch haufiger finden wir ihn bei den deutschen und österreichischen Bundesschiessen“ [1].
Ludwig Barth zu Barthenau verstarb 1890 in Wien: „Dort im Etschtal halbwegs zwischen Bozen und Trient hatte er sich in Mazzon an der östlichen Berglehne ein kleines Anwesen gekauft, das von Neumarkt aus mit einer halben Stunde Steigens zu erreichen ist. Gegenüber erhebt sich der den Besuchern des Mendelpasses wohl bekannte Monte Roen und über das in südlicher Vegetation prangende Thal streifend kann der Blick die hohen Stubaier Spitzen erreichen, die Barth so wohl bekannt waren und wie Genossen seiner Jugendzeit ihn traulich zu grüßen schienen. Dort am Bergesabhang pflanzte er edle Reben an und hoffte nach einigen Jahren sich an selbstgezogenem Wein zu erfreuen. Dort in Mazzon wollte er dereinst „procul negotiis“ [fern von Geschäften] seine Tage beschließen. Der schöne Traum ging leider nicht in Erfüllung. Er erntete nicht mehr den Wein, den er so sorgsam herangepflegt, und nicht mehr die Liebe und Verehrung, die er durch ein arbeitsreiches, stets edlen Zielen zugewandtes Leben sich erworben hatte“ [1].

Im Arkadenhof der Universität Wien steht eine Büste: „Ludiwg Barth, Ritter von Barthenau, Professor der Chemie 1876 – 1890“. Ludwig Barth ist folglich eine von 154 verdienten Persönlichkeiten, denen im Arkadenhof der Universität Wien eine Büste gewidmet ist:

Heute steht der Ansitz Barthenau in Mazon bei Neumarkt im Eigentum des Betriebes „Josef Hofstätter“, der als Weinhändler begonnen und das Weingut in Mazon 1942 vom Enkel Ludwig Barths erworben hatte.

Literatur:
[1] C. Senhofer und G. Goldschmiedt:“ Ludwig Barth von Barthenau“, in: Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft. 24. Jahrgang, 1891
[2] Julius Jung: „Julius Ficker (1826 – 1902): Ein Beitrag zur deutschen Gelehrtengeschichte“, Wagner’sche Universitätsbuchhandlung, Innsbruck 1907
[3] Adolph Lieben: „Rede zum Gedächtniss an Ludwig Barth von Barthenau; gehalten im Namen der philosophischen Facultät am 25. April 1891 in der K. K. Universität Wien“, Wien 1891


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