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Der richtige Verputz: Kalkputz, Kalkzementputz oder Zementputz?

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Die Wahl des richtigen Verputzes hängt von technischen, baulichen und optischen Kriterien ab. Der wichtigste Faktor ist: Der Putz muss zum Untergrund, also zum Mauerwerk, passen. Falscher Putz bedeutet Risse, Hohllagen und Feuchtestau. Die Grundregel, dass der Putz weicher sein muss als der Untergrund, gilt für zahlreiche Anwendungsfälle. Umgekehrte Vorzeichen treten auf, wenn wärmegedämmte Bauteile im Spiel sind, die vom Putz zu entkoppeln sind. Das Prinzip, dass ein Bauteil von innen nach außen diffusionsoffener werden muss, um den Wasserdampf abzuführen, gilt ohnehin für die meisten Konstruktionsarten, zumindest in der mitteleuropäischen Klimazone.

Sind Mauerwerk und Verputz nicht aufeinander abgestimmt, kann es zu einer ganzen Reihe an Problemen kommen:

  • Risse im Putz
  • Abplatzungen und Ablösungen
  • Durchfeuchtung und Salzausblühungen
  • Beeinträchtigte Wärmedämmwirkung
  • Schimmelbildung
  • Geringe Lebensdauer der Fassade.

Salze sind kein reines „Kosmetikproblem“. Sie sind eine der häufigsten Ursachen für strukturelle Putzschäden. Viele Salze wie Nitrate, Chloride, Sulfate wirken hygroskopisch, ziehen folglich Feuchtigkeit aus der Luft in die Wand. Das Mauerwerk bleibt daher dauerhaft feucht. Wenn Salze kristallisieren, etwa beim Austrocknen, erzeugen sie hohen Innendruck in den Poren. Die Mauerwerkssteine können gesprengt werden, Putz blättert ab, platzt ab und wird hohl. Jeder Feucht-Trocken-Zyklus löst neue Kristallisationsprozesse aus und führt zu einer fortschreitenden Zerstörung.

Durchfeuchtung und Salzausblühungen sind nicht nur optische Mängel, sondern greifen die Substanz an. Darüber hinaus sind Wärmedämmung und Raumklima beeinträchtigt.

Kalkputz zeigt durch seine feinen Poren eine außergewöhnlich gute Diffusionsoffenheit und kann Feuchte aus der Raumluft aufnehmen und wieder abgeben. Er härtet durch Carbonatisierung langsam und spannungsarm aus, wodurch er besonders im Innenraum auf durchlässigen Mauerwerken überzeugt. Aufgrund seiner hohen Alkalität wirkt er zusätzlich schimmelhemmend. Außen kann Kalkputz verwendet werden, solange die Witterungsbelastung moderat bleibt, da seine Druckfestigkeit im Vergleich zu zementhaltigen Putzen geringer ist.

Kalkzementputz verbindet die Vorteile beider Bindemittel. Der Kalkanteil sorgt für geschmeidige Verarbeitung und gute Feuchteregulierung, während der Zementanteil Festigkeit, Widerstandsfähigkeit und kürzere Abbindezeiten liefert. Dadurch eignet er sich als universeller Unter- und Oberputz für Innenräume, Feuchtbereiche, Fassaden und Neubauten. Besonders in Bädern oder Kellern bietet er ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Diffusionsoffenheit und Beständigkeit.

Die einfache Handhabe und die universellen Einsatzmöglichkeiten lassen die Wahl häufig auf Kalkzementputz fallen. Wird der Zementanteil höher, ist von Zementkalkputz die Rede.

Zementputz besitzt als die höchste Druckfestigkeit sowie eine geringe Wasseraufnahme. Er ist sehr robust, frostbeständig und optimal für Sockelbereiche, Kelleraußenwände, Garagen oder industrielle Flächen geeignet. Innen wird er vor allem dort eingesetzt, wo Strapazierfähigkeit wichtiger ist als Feuchtetransport. Aufgrund seines schnellen Abbindens und möglichen Schwindverhaltens benötigt er eine sorgfältige Verarbeitung und Nachbehandlung.

Wasseraufnahmekoeffizient von Putzen [3]
Wasserdampf-Diffusionswiderstand von Kalkputz, Kalkzementputz und Zementputz [3]: Der Wert ergibt multipliziert mit der Schichtdicke den sd-Wert
Putzarten und Eigenschaften [4]

Gipsputz ist im Innenausbau wegen seiner feinen, glatten Oberfläche und seiner leichten Verarbeitbarkeit beliebt. Er eignet sich hervorragend für Wohn-, Büro- und Trockenräume und schafft sehr ebene, dekorationsfertige Flächen. Technisch punktet er mit guter Formstabilität und angenehmem Raumklima, ist aber empfindlich gegenüber Feuchtigkeit und daher für Nassräume oder Außenbereiche ungeeignet.

Lehmputz bietet durch seinen hohen Lehmbinderanteil eine besonders natürliche Feuchteregulierung und trägt erheblich zu einem gesunden Innenraumklima bei. Sein diffusionsoffenes Verhalten und seine Fähigkeit, Schadstoffe zu binden, machen ihn ideal für Wohnräume, Schlafbereiche und den ökologischen Innenausbau. Allerdings ist er mechanisch weniger belastbar und nicht wasserbeständig, weshalb er ausschließlich im trockenen Innenraum eingesetzt wird.

Siliconharzputz kombiniert mineralische Füllstoffe mit modernen Bindemitteln und ist stark hydrophob eingestellt. Wasser perlt an der Oberfläche ab, wodurch sich Algen und Pilze weniger leicht ansiedeln. Gleichzeitig bleibt der Putz diffusionsoffen und flexibel, weshalb er im Fassadenbereich, vor allem bei Wärmedämmverbundsystemen, eine der leistungsstärksten Lösungen darstellt. Er eignet sich besonders für Gebäude in feuchten oder stark witterungsbelasteten Regionen.

Kunstharz- bzw. Dispersionsputz zeigt hohe Elastizität und hervorragende Haftung, auch auf schwierigen Untergründen. Er ist widerstandsfähig gegen Schlagregen und mechanische Belastung, jedoch weniger diffusionsoffen als mineralische Putze. Deshalb kommt er bevorzugt an stark beanspruchten Außenflächen, auf Bestandsfassaden oder auf WDVS zum Einsatz, sollte aber auf feuchteempfindlichen Untergründen mit Vorsicht verwendet werden.

Silikatputz nutzt Wasserglas als Bindemittel und reagiert chemisch mit dem mineralischen Untergrund, wodurch eine sehr feste Verbindung entsteht. Er ist hoch diffusionsoffen, alkalisch und daher ebenfalls gut gegen Algen- und Pilzwachstum gewappnet. Diese Eigenschaften machen ihn für Fassaden von Massivbauten, Altbausanierungen und bauphysikalisch anspruchsvolle Konstruktionen ideal, vorausgesetzt der Untergrund ist silikatisch geeignet.

In der Gesamtschau zeigt sich, dass jede Putzart klar definierte Stärken hat: Kalk und Lehm regulieren das Klima, Kalkzement bietet universelle Einsatzmöglichkeiten, Zement sorgt für maximale Belastbarkeit, Gips liefert perfekte Oberflächen im Innenraum, Silikonharz und Silikat schützen die Fassade langfristig, während Kunstharz durch Flexibilität überzeugt. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Untergrund, Feuchtigkeitsbelastung, gewünschter Optik und bauphysikalischen Anforderungen.

Literatur:

[1] Ulf Hestermann , Ludwig Rongen: „Frick/Knöll Baukonstruktionslehre 1“, Springer Vieweg, Wiesbaden 2015

[2] Ulf Hestermann , Ludwig Rongen: „Frick/Knöll Baukonstruktionslehre 2“, Springer Vieweg, Wiesbaden 2013

[3] Wolfgang M. Willems: „Lehrbuch der Bauphysik“, Springer Vieweg, Wiesbaden 2017

[4] Alexander Reichel, Anette Hochberg und Christine Köpke: „Putze, Farben, Beschichtungen: Details, Produkte, Beispiele“, Detail, München 2004

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