Pionier der österreichischen Zementindustrie, Schützenkommandant in den Tiroler Grenzkriegen, Verfasser der Landesverteidigungsordnung sowie freiheitlicher Bürgermeister in Kufstein: Der Wirkungsgrad Anton Kinks geht weit über Kufstein hinaus.
Franz Kink, kam am 4. Oktober 1790 in Bozen zur Welt kam und gilt mit seinem Sohn Anton Kink als Pionier der Zementproduktion in Österreich. Der Vater Martin Kink zog 1793 als Landesbrückenbaumeister von Bozen nach Innsbruck.
Franz Kink war nach Abschluss der Studien in Innsbruck als Straßenmeister tätig und befasste sich insbesondere mit Wasserbauten. Eigentlich war er Bauingenieur, allerdings wurde der Beruf zu jener Zeit als „Straßenmeister“ bezeichnet. Bei der Durchführung der Wasserbauten erkannte er die Mängel des verwendeten Seifenkalkes. Im Zuge der Erforschung neuer Materialien wurde er auf wissenschaftliche Arbeiten der seit 1796 in England erfolgten Zementproduktion aufmerksam und suchte nach heimischen Möglichkeiten, Zement herzustellen.
Im Glemmtal bei Kufstein entdeckte er ein geeignetes Kalkmergellager, baute in der Nähe ein Zementwerk und befasste sich 1842 in Österreich als erster mit der frabiksmäßigen Herstellung von Zement. Das Prädikat „Kufsteiner Zement“ war auch im Ausland für Romanzement bekannt. Franz Kink war von 1835 bis 1840 und von 1849 bis 1853 Bürgermeister von Kufstein. Als Unterschützenmeister und Schützenmajor war Frank Kink am Schützenwesen beteiligt, 1838 kommandierte er sämtliche Unterinntaler Schützenkompanien. 1862 verstarb Franz Kink in Kufstein.
„Romanzement“ ist ein hydraulisches, also im Wasser härtendes, Bindemittel mit sehr kurzer Abbindezeit, sodass er insbesondere im Wasserbau Anwendung findet und kein Zement im heutigen Sinn, sondern mit hochhydraulischen Kalken vergleichbar.
Der Sohn, Anton Kink, begann 1837 seine schulische Ausbildung mit philosophischen Kursen in Innsbruck. 1838 setzte er seine Studien am Lyzeum in Trient und an der Universität Padua fort. Ab 1839 studierte er am Polytechnischen Institut in Wien. Nach Abschluss der praktischen Bauprüfung trat er 1842 in den Staatsdienst, zunächst im Baudienst in Innsbruck und Südtirol, ein. Er war unter anderem als Baudirektionspraktikant in Innsbruck und ab 1844 im Straßenkommissariat Schwaz tätig, wo er ab 1845 seinem Vater zugeteilt war, bevor er 1847 den Staatsdienst aufgab, um sich dem Zementwerk zu widmen.
Im Jahr 1848 rückte Anton Kink als Hauptmann der Kufsteiner Schützenkompanie als erste Kompanie Nordtirols an die bedrohte Südgrenze. 1849 war er Hauptmann der Nationalgarde. Im Nachruf werden sein Großmut und seine Uneigennützigkeit hervorgehoben, weil er die „größten Opfer aus Eigenem“ erbrachte und mit seinen „mannhaften Anpsrachen“ auch die Zögernden und Widerstrebenden „zu den Waffen“ ermutigte.
In den 1850er-Jahren gelang es Anton Kink, große Lieferaufträge für die Bahnbauten in Österreich und Bayern zu erlangen. Dadurch, dass er doppelt gebrannten Zement produzierte, der dem 1844 in Großbritannien hergestellten Portland-Zement in nichts nachstand, gelang ihm der industriellen Durchbruch. Der Portlandzement verdrängte durch seine erreichbare Festigkeit den Romanzement.
Die Zementproduktion von Anton Kink lieferte die Zementplätten über den Inn und die Donau bis nach Wien, Budapest und Belgrad, bis der Zementtransport durch die Bahn erfolgte. Kufsteiner Zement ist in den Palästen am Ring in Wien und im Wiener Rathaus verbaut.
Daneben war Anton Kink wesentlich am Schützenwesen und an der Landesverteidigung beteiligt. In den Jahren zwischen 1849 und 1860 war Anton Kink Oberschützenmeister. Im Jahr 1857 organisierte er eine uniformierte Standschützenkompanie unter seinem Kommando. Mittellosen Schützen stellte Anton Kink die Uniform zur Verfügung. Dafür wurde er durch Erzherzog Carl Ludwig geehrt. Mit seiner uniformierten Kompanie paradierte er 1858 anlässlich der Eröffnung der Eisenbahnlinie Innsbruck bis Kufstein.
Zudem arbeitete er einen Entwurf für eine Schützenordnung aus. Im Jahr des Tiroler Grenzkampfes 1859 war Anton Kink wesentlich an der Durchführung des Landesverteidigungsstatuts als Defensionskimmissär (Verteidigungskommissär) beteiligt. Dieses Amt behielt er bis 1868 bei, war folglich auch im Rahmen des Grenzkampfes 1866 beim Ausrücken der Tiroler Schützen führend beteiligt. Im gleichen Jahr erhielt er vom Kaiser den Titel des Hauptmannes der Armee.
„Es war das Jahr 1866. Von zwei mächtigen Nachbarn wurde Österreich der Becher der Unbild und Vergewaltigung gereicht; zudem lässt sich nicht leugnen, dass ein unverkennbarer Zug, dem Nationalitätsprinzip faktisch zu huldigen, auch durch das kaisertreue Tirol strich, mitunter auch pfiff, wie in Südtirol; da waren Patrioten von Kinks Schlag nicht genug zu schätzen“ schreibt Martin Schlechter [3].
Darüber hinaus war Anton Kink von 1861 bis 1864 Bürgermeister von Kuftsein, der sich mit der „Neugestaltung“ Kufsteins befasste. Der Bau des Krankenhauses wurde nicht nur beschlossen, Kink trug zudem auch erhebliche private Mittel bei. Zudem investierte er stark in Schulen und initiierte die Verschönerung und Vergrößerung der Stadt. Wie war es um Anton Kinks Parteizugehörigkeit bestellt? „Die Verfassungskämpfe in Österreich nahmen in sehr in Anspruch. Seine politische Gesinnung war entschieden liberal im besten Sinne des Wortes“ [2].
Tobias Wildauer hebt hervor, dass anlässlich der 500-Jahr-Feier Tirol bei Österreich im Jahr 1863 in Innsbruck unter den Veteranen der Kriege 1848 und 1859 auch Anton Kink am Landesfestumzug teilnahm.
Das Tiroler Schützenwesen wurde bis in die 1870er-Jahre hinein wesentlich durch freiheitliche Kräfte getragen. Anton Kink steht in diesem Zusammenhang für die Landesverteidigung als bürgerliche Pflicht des Einzelnen, getragen durch einen Staatsbegriff, der durch 1848 getragen wurde und eine „Volksbewaffnung“ vorsah [3]. Erst ab der 1870er-Jahre wurden die Tiroler Schützen klerikal und loyalistisch vereinnahmt.
Bürgermeister Anton Kink ließ am 1. Mai 1863 die Turnerfeuerwehr zur Spritzenprobe anrücken. Die Turnerschar war allerdings auf Maiausflug und trat nicht an. Kink wies den Turnvorstand Anton Karg mit den Worten an: „Hier ist Euer Platz!“. Karg gründete 1868 die Freiwillige Feuerwehr in Kufstein und war von 1878 bis 1882 Bürgermeister Kufsteins.
An die Grenze schaffte er es 1866 nicht mehr: „Die Landesverteidigung war ihm so sehr ans Herz gewachsen, dass er in seinem sehr leidenden Zustande noch mit dem Gedanken umging, im heurigen Sommer die Grenzübergänge zu bereisen und Terrainstudien zu machen. Der Tod hat seinen Plänen ein Ende gesetzt“ [2]. Anton Kink verstarb am 18. April 1868.
Charakterlich wird Anton Kink wie folgt beschrieben: „Wahr und ehrlich in seinem ganzen Wesen, wenn auch oft derb und übellaunig“.
Im Jahre 1879 wurde das Anton-Kink-Denkmal in Kufstein eingeweiht:

Der Schriftsteller und Notar Josef Pollhammer steuerte ein Gedicht für den „edlen deutschen Mann“ Kink bei:

Das Zementwerk Kink ging 1869 an den Onkel Martin von Kink über, der ebenso wie sein Bruder Frank Kink Straßenbaumeister, und zwar im Pustertal, war. Martin Kink war als Wasserbauingenieur in Vorarlberg, als Landesbaudirektor in Innsbruck und als in Graz tätig, ehe er das Zementwerk erbte. In der Folge führte er große Lieferungen an Zement für das Wiener Rathaus, die Wiener Hochquellenwasserleitung und die Nordbahn durch. Der Kinkplatz in Wien – Penzing ist nach dem Wasser- und Städtebaufachmann Martin Ritter von Kink benannt.
Dessen Sohn Julius Kink (1848 – 1909) war Fabrikant, Handels- und Gewerbekammerpräsident. 1892 war Julius Kink Gründungsmitglied und Vizepräsident und von 1900 bis 1904 Präsident des Zentralverbands der Industriellen Österreichs, zudem von 1905 bis 1909 Präsident der Handels- und Gewerbekammer Wien, von 1898 bis 1905 Vizepräsident des Donau-Vereins zur Hebung der Fluss- und Kanalschifffahrt und von 1904 bis 1909 „Direktor des Vereins der Ersten österreichischen Spar-Casse“ in Wien.
1897 bis 1907 war er Mitglied des Abgeordnetenhauses: Vorerst in der Freien deutschen Vereinigung und ab 1901 in der „Deutschen Fortschrittspartei“. Ab 1907 war er Mitglied des Herrenhauses und gehörte der freiheitlichen „Verfassungspartei“ an.
Literatur:
[1] Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (Band 3), Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1965
[2] Max Schlechter: „Anton Kink“, 1868
[3] Max Schlechter: „Anton und Franz Kink“, Selbstverlag des Kink-Komitees, Kufstein 1879


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