Am 25. Januar 2026 kam es in der sizilianischen Stadt Niscemi (Provinz Caltanissetta) zu einem gravierenden Hangbewegungsereignis, das mehr als 1.500 Menschen zur Evakuation ihrer Häuser zwang und große Teile des Orts am Rand eines sich ausdehnenden Abbruchs zurückließ.
Technisch lässt sich entspricht das Ereignis einem komplexen Rutschungs- und Gleitsystem, das durch die spezifischen geologischen und klimatischen Bedingungen Siziliens sowie lokale Faktoren stark begünstigt wurde.
Der Begriff „Erdrutsch“ ist in Nascemi wohl nicht ganz zutreffend, der Begriff „Mure“ noch viel weniger. Ersten Informationen zufolge handelt es sich eher um eine Rotationsrutschung:


Ein Schlüsselelement für die Instabilität rund um Niscemi sind die tonigen und schluffigen Bodenschichten, die das Gelände dominieren. Diese Böden:
- haben geringe Durchlässigkeit
- lassen Wasser nur langsam abfließen,
- können Wasser speichern
- reagieren auf Feuchtigkeit mit Plastizität und Deformation.
Das meteorologische Umfeld führte zu hohen Porenwasserdruckwerten im Boden, wodurch die effektive Scherfestigkeit des Hangmaterials sinkt. Dieser Effekt ist ein zentraler Auslöser vieler Hangbewegungen: Wasser dringt in Bodenporen ein und kann nicht schnell genug entwichen; dadurch steigt Porendruck, was die „Zusammenhaltkraft“ des Bodens senkt; Material, das zuvor stabil war, beginnt sich zu verformen und zu rutschen.
Die vorhandenen Beobachtungen (breite Risse, abgesenkte Bereiche, seitliche Verschiebungen) passen zu einem rotations- und translationsbegleiteten Bodengleiten.
Neben der natürlichen Geologie tragen auch anthropogene Einflüsse zur Instabilität bei, etwa Bebauung auf instabilem Terrain, mangelnde Entwässerung oder eine Infrastruktur, die das natürliche Versickern und Abfließen stört.
Technische Beobachtungen vor Ort bestätigen, dass die Bewegung nicht abgeklungen ist: Der gesamte Hangrücken zeigt fortlaufende Aktivität, was darauf hindeutet, dass sich noch nicht das Gleichgewicht wieder eingestellt hat.
Im Bereich der Prävention muss Oberflächenwasser konsequent gefasst und kontrolliert abgeleitet werden, während gleichzeitig tiefenwirksame Drainagen den Porenwasserdruck entlang der Gleitflächen absenken, um den Scherwiderstand des Bodens wieder zu erhöhen. Klassische Stützbauten sind nur lokal sinnvoll. Da solche Hänge oft dauerhaft aktiv bleiben, ist kontinuierliches Monitoring mittels Inklinometern und Piezometern unerlässlich, um Bewegungsbeschleunigungen frühzeitig zu erkennen.
Literatur:
[1] Wolfgang Dachroth: „Handbuch der Baugeologie und Geotechnik“, Springer Verlag, Berlin 2017


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