Demanega

#ingenieurbaukultur

Naturbrandverfahren in der Tragwerksplanung

Published by

on

Die Heißbemessung stellt ein ingenieurmäßiges Nachweisverfahren dar, bei dem das Brandverhalten eines Tragwerks unter realitätsnahen Brandbedingungen untersucht wird. Im Gegensatz zu vereinfachten, normbasierten Ansätzen besteht das Ziel darin, die tatsächlichen, objektspezifischen Randbedingungen möglichst präzise abzubilden und Optimierungen vorzunehmen.

Infolgedessen greifen Brandschutz und Tragwerksplanung ineinander. Im Rahmen der Brandsimulation werden die vorhandenen Brandlasten, die geometrischen Gegebenheiten des Brandraums sowie die Ventilationsbedingungen analysiert. Das Ergebnis sind bauteilspezifische Temperatur-Zeit-Verläufe, die die reale Brandentwicklung widerspiegeln.

Diese Temperaturkurven unterscheiden sich wesentlich von genormten Brandkurven wie der Einheitstemperaturzeitkurve (ETK). Während die ETK einen stetig ansteigenden Temperaturverlauf annimmt, bildet der Naturbrand den effektiven Brandverlauf ab. Diese Vorteile im Bereich der Temperaturentwicklung haben allerdings einen „Preis“: Während die ETK-Brandkurve auf ein einzelnes Bauteil bezogen werden kann, ist die Naturbrandkurve auf das gesamte System oder auf Teile davon zu beziehen.

Der Brandnachweis erfolgt nicht über eine zeitliche Klassifizierung, beispielsweise R30 wie bei der ETK, sondern über das Verhalten des Bauteils über die gesamte Branddauer hinweg. Ja nach brandschutztechnischen Erfordernissen sind auch weiterführende Nachweise zu führen, die das Verformungsverhalten oder den Raumabschluss betreffen-

Dadurch, dass die Brandschutzplanung und die Tragwerksplanung gemeinsam behandelt wird, kann in einem iterativen Prozess abgewogen werden, inwiefern sich weiterreichende Brandschutzvorkehrungen im Bereich der Tragswerksplanung auszahlen oder ob lokale Maßnahmen zielführender sind.

Ziel ist es, wirtschaftliche und maßgeschneiderte Lösungen zu erzielen.

Vielfach ist im Bereich von Brandanalysen nicht der Brandwiderstand das entscheidende Kriterium, sondern die Evakuierung der Gebäudenutzer als untere Schwelle. Ein Gebäudeversagen ist nach der erfolgreichen Evakuierung aus Brandschutzgründen unter Umständen „akzeptabel“, insofern keine Schäden für angrenzende Gebäude entstehen, in denen sich Menschen aufhalten.

Freilich, für das betroffene Unternehmen ist ein Gebäudeversagen im Brandfall unter Umständen wirtschaftlich problematisch. Die Versicherung deckt zwar einen Teil der Kosten ab, eine Betriebsunterbrechung hat allerdings weitreichende Konsequenzen und es vergeht vielfach viel Zeit bis zum Wiederaufbau. Folglich sind die Konsequenzen realistisch abzuschätzen.

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..