Am 14. und 15. September 1889 wurde das Walther-Denkmal in Bozen feierlich eingeweiht, das an den mittelalterlichen Minnesänger Walther von der Vogelweide erinnert.
1896 antwortete Trient mit einem Dante-Denkmal. Während der Walther nach Süden blickt, blickt der Dante nach Norden, alles andere als Zufall.

Das Walther-Denkmal wurde durch den Vinschger Künstler Heinrich Natter in Laaser Marmor angefertigt. Noch vor der Fertigstellung begutachtete der Kaiser die Arbeiten und bemerkte, die Stadt Bozen bekomme mit dem Denkmal „eine bedeutende Kunstzierde“. Obmann des „Walther-Comité“ war André Kirchebner. Erzherzog Rainer übernahm das Protektorat für das Waltherdenkmal.
Bereits 1874 wurde in Lajen am Vogelweider Hof, von dem angenommen wurde, dass es das Geburtshaus von Walther von der Vogelweide sei, eine Gedenktafel angebracht. Für linke Historiker wie Hans Heiss stellte das Walther-Denkmal ein „Symbol des deutschfreiheitlichen Bozner Bürgertums“ dar, das maßgeblich die Umsetzung vorantrieb.
Die Festrede anlässlich der Waltherfeier zur Einweihung des Walther-Denkmals hielt der Germanist Karl Weinhold (Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks ).
Karl Gotthelf Jakob Weinhold (*26. Oktober 1823 in Reichenbach, Provinz Schlesien; † 15. August 1901 in Berlin) war ein bedeutender deutscher Philologe, Germanist und Mediävist, der sich mit großer wissenschaftlicher Sorgfalt der Geschichte und Struktur der deutschen Sprache widmete. Sein besonderes Interesse galt der mittelhochdeutschen Grammatik sowie der Verbindung von Sprache, Kultur und Volkskunde. Als Hochschullehrer wirkte er an mehreren Universitäten, darunter Graz, Kiel, Breslau und Berlin, und prägte Generationen von Studierenden.
Darüber hinaus war er ein wichtiger Vertreter der romantischen Anthropologie und trug als Herausgeber der Zeitschrift des Vereins für Volkskunde wesentlich zur Etablierung der Volkskunde als wissenschaftliche Disziplin bei.

In seiner Rede hob Weinhold hervor: „Wir begehen heute ein wunderbar glänzendes Fest für den Dichter deutscher Lieder. Kein anderer Dichter des Mittelalters wurde so geehrt! Ganz Tirol, Österreich, Deutschland, selbst die Schweiz ist hier vertreten, Walther zu huldigen, ihm zuzurufen: Du bist unser! Bei Walther finden wir das ewig Menschliche und das eigentümlich Deutsche verkörpert. Wir begegnen der Poesie der Zeit der mächtigen Staufen, als des Heldenstammes, der von Dänemark bis Neapel und von Ungarland bis zur Seine gebot. Von diesem Glanz umleuchtet ist auch Walther, der tapfer für die Krone stritt, dafür Freud‘ und Leid ertrug. Walther war aber auch ein frommer Mann, der seinen Morgensegen nie vergaß und einen Kranz duftiger Blüten zu den Füßen der Gottesmutter niederlegte. Sein höchstes religiöses Ziel war die Kreuzfahrt ins heilige Land mitzumachen. Walther war vor allem ein deutscher Mann. Er pries die deutschen Männer als die besten, die deutschen Frauen als die sittsamsten und schönsten; seine Lieder sind süß und milde, aber auch streng und strafend; sie brachten helles Licht in die politischen Wirren jener Zeit„.
Und weiter: „Herr Walther von der Vogelweide barg sich nicht in den Winkel, wenn der Ruf erscholl: „Hie Welf, hie Waiblingen“ – Fürsten und Königen gegenüber war Walther ein strenger Sittenrichter. Heimatlos durchzog der Sänger die Lande, er blieb ein Gast und wär gern Wirth gewesen, bis er endlich gealtert in Würzburg eine Ruhestätte fand. Aber Walthers Geist lebt fort im Volke, das er liebte; nach Jahrhunderten hat der edle Sänger eine Heimat hier im schönen Bozen gefunden. Sein Heimatschein ist dies Marmorbild! Hier, wo deutsches und welsches Wesen aneinander grenzen, möge er ein Markwart sein deutscher Sprache, Ehr und Sitte. Wir begehren nichts Fremdes, aber den eigenen Herd, auf dem die Flammen des deutschen Geistes lodern, diesen wollen wir immer behalten, was unser ist von den Vätern her bis zum letzten Blutstropfen. Ihr Männer von Tirol! Gelobet, dass diese Berge und Thäler deutsch bleiben, und ihr Frauen stimmet ein! So empfange, Walther, dies Gelöbnis! Die heutige Weihe sei ein Wahrzeichen dieser Stadt! Reichster Segen, Zucht und Glaube herrsche alle Zeit hier, das walte Gott!„
Ambros Mayr, Germanist, Philologe und kobservativer Politiker, zelebrierte das Weihelied:

Ehe der deutschfreiheitliche Bürgermeister Josef von Braitenberg verkündete: „Das Denkmal eines der edelsten Söhne unseres Landes nehme ich im Namen der Stadt mit Dank an Comité entgegen und betrachte es als eine der schönsten Zierden unserer Stadt; ich verspreche auch namens der Stadt, dies Denkmal deutscher Gesinnung und Treue unter dem mächtigen Schutze des Doppeladlers ewig zu wahren!“
Akademischer Kommers
Am Montag, 16. September 1889 wurde in Bozen im großen Bürgersaal hingegen ein akademischer Kommers abgehalten. Den Vorsitz führte Heinz Wachtler, Student in Graz, Obmann des Vereins deutscher Tiroler Hochschüler in Graz sowie Obmann des Kommers-Ausschusses. Der Student der Rechtswissenschaften Josef Lob stellte in der Festrede Walther als „Liederdichter und deutschen Mann“ dar.
Der deutschfreiheitliche Abgeordnete, Professor Otto Steinwender (Wiener akademische Burschenschaft Silesia), hielt eine Rede.
In Bozen anwesend waren laut „Bozner Zeitung“ Vertreter der Burschenschaft der Pappenheimer Innsbruck, des akademischen Gesangsvereins Innsbruck, der akademischen Gesellschaft „Brixia“ Innsbruck, der Vertreter des Verbandes der Wiener akademischen Vereine. Adolf Pichler übersandte ein Grußtelegramm.
Am 10. August hielt die Bozner Zeitung fest, dass sich die Burschenschaft Suevia Innsbruck bei der Enthüllung des Waltherdenkmals zahlreich beteiligen und einen eigenen Kommers abhalten werde. In diesem Sinne rief die Suevia zur zahlreichen Teilnahme auf, während die Innsbrucker Corps distanziert reagierten:

Faschismus und Wiedergutmachung
Nach der Annexion Südtirols forderte Ettore Tolomei die Entfernung des Denkmals und dessen Ersatz durch eine Statue des Drusus. Dieses Vorhaben wurde jedoch nicht umgesetzt, da die sogenannte „Waltherfrage“ zu diplomatischen Spannungen zwischen Benito Mussolini, Gustav Stresemann und Heinrich Held führte.
Im Jahr 1935 ordneten die faschistischen Behörden schließlich die Versetzung des Denkmals in den weniger zentralen Roseggerpark an. Der Vorgang fand überregional Beachtung, unter anderem in einer Karikatur in der Satirezeitschrift Simplicissimus.
Erst im November 1981 kehrte das Denkmal an seinen ursprünglichen Standort zurück, nachdem sich seit 1976 ein Bürgerkomitee für die Rückführung auf den Waltherplatz eingesetzt hatte.
Während der Laurinbrunnen immer wieder Stein des Anstoßes ist, ist das Waltherdenkmal untrennbar mit der Identität des historischen Bozens verbunden.


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