Freiheitliche Bewegungen waren im österreichischen Parlamentarismus seit 1861 die erste politische Kraft, die als „Verfassungspartei“ und später als Deutschfreiheitliche wesentlich die Entwicklung Österreichs bestimmten. Im Mittelpunkt standen die Deutschen Österreichs in einem modernen Staatswesen. In diesem Sinne standen die Freiheitlichen der feudalen Ordnung, an deren Spitze Thron und Altar standen, diametral entgegen.
Nach dem Ende der Napoleonischen Kriege 1815 strebte Fürst Klemens von Metternich, als führender Staatsmann Österreichs, eine politische Ordnung an, die die revolutionären Ideen der Aufklärung und der Französischen Revolution sowie der beginnenden, deutschen Nationswerdung zurückdrängen sollte. Die innenpolitische Linie Metternichs war durch konservative Restauration, autoritäre Kontrolle und Repression geprägt.
Mit den Karlsbader Beschlüssen wurde ein repressives System etabliert: Pressezensur im gesamten Deutschen Bund, Überwachung der Universitäten und Entlassung „aufwieglerischer“ Professoren, Einrichtung von Untersuchungskommissionen gegen „revolutionäre Umtriebe“, Verbot von Burschenschaften und ähnlicher studentischer Vereinigungen. Diese Maßnahmen dienten der umfassenden Kontrolle über Bildung und Meinung und sollten das Aufkommen oppositioneller Strömungen verhindern.
Um potenzielle Gegner zu identifizieren und zu unterdrücken, baute Metternich ein weitreichendes Netz aus Polizeiapparat und Spitzeln auf. Die Überwachung politischer Aktivisten, Intellektueller und oppositioneller Gruppierungen war allgegenwärtig. Österreich entwickelte sich unter seiner Führung zu einem autoritären Überwachungsstaat. Die tiefe Unzufriedenheit entlud sich 1848.
Die Revolution von 1848 bewirkte in Österreich die Wahl des Reichsrates sowie die Konstituierung einer Verfassung. Kaiser Franz Josef I. löste den Reichsrat auf, die Verfassung trat nie in Kraft. Die Monarchie Österreich reagierte auf die Revolution mit einem neoabsolutistischen Regime. Trotz wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Veränderungen, etwa durch die beginnende Industrialisierung, hielt Metternich an seiner reformfeindlichen Haltung fest.
Gekennzeichnet war die Phase zwischen 1851 und 1860 durch die Aufhebung der Märzverfassung von 1849, die Alleinregierung des Kaisers, eine zentralisierte Verwaltung sowie die polizeistaatliche Überwachung. Zentrale Merkmale dieser Phase waren: Die politische Überwachung durch ein dichtes Netz von Spitzeln und Polizei, die Zensur der Presse, das Verbot liberaler oder nationalistischer Äußerungen, die Einschränkung der Versammlungsfreiheit, Einschränkungen der Meinungs- und Redefreiheit, Kontrolle von Justiz und Verwaltung durch den Kaiser statt Gewaltenteilung.
Im Jahre 1855 unterzeichnete Franz Josef I. das Konkordat, einen Vertrag zwischen der päpstlichen Kurie und dem Staat Österreich. Dieses sicherte der katholischen Kirche maßgebenden Einfluss auf Unterricht und Eheschließungen zu und wurde durch die Liberalen bekämpft. Während sich die Konservativen nach dem Vatikan orientierten, orientierten sich die Liberalen nach Deutschland, versuchten, innerhalb Österreichs einen deutschen Staat umzusetzen.
Indessen verstärkte sich der innere und äußere Druck auf Österreich: Durch eine ineffiziente Verwaltung und die hohen Militärausgaben war der Staatshaushalt stark belastet. Innerhalb der Monarchie entwickelten sich starke Autonomie- und Unabhängigkeitsbestrebungen, die den praktizierten Zentralismus in Frage stellten. Außenpolitisch offenbarte sich die militärische Schwäche Österreichs, das die Lombardei 1859 an Sardinien-Piemont abgeben musste. Im Volk entstand der starke Drang nach freiheitlichen Rechten.
Erst mit dem Ende des Neoabsolutismus konnten studentische Korporationen entstehen. In Folge der Schillerfeiern 1859 entstanden erste burschenschaftliche Bewegungen in Österreich, die allerdings erst durch das Vereinsgesetz 1868 einen offiziellen Rahmen erhalten sollten.
Bedingt durch die militärische Niederlage und die Finanznot wurde die Krone gezwungen, in Österreich Reformen umzusetzen. Das Oktoberdiplom vom 20. Oktober 1860 sah eine Verfassungsordnung auf Grundlage der ständischen Ländervertretungen vor. Das Oktoberdiplom wurde nicht umgesetzt. Aus Angst vor einer Abtrennung Ostschlesiens entstand die Landsmannschaft Silesia in Wien, die in der Folge in eine Burschenschaft umgewandelt wurde und als Pionier der burschenschaftlichen Bewegung in Österreich gilt.






Das Februarpatent vom 26. Februar 1861 war eine konstitutionelle Verfassung, die den Reichsrat (österreichisches Parlament) einführte. Es entstand nach dem Scheitern des neoabsolutistischen Systems von Kaiser Franz Joseph I. Dieses enthielt die Schaffung eines Zweikammerparlaments, bestehend aus Herrenhaus und Abgeordnetenhaus, gewisse Beteiligung der Länder an der Gesetzgebung, allerdings keine garantierten Grundrechte und keine starke Stellung des Kaisers. Die Ungarn widersetzten sich der Februarverfassung, forderten eine eigene ungarische Verfassung.
Während das Herrenhaus durch den Kaiser besetzt wurde, wurde das Abgeordnetenhaus bis 1873 durch die Landtage bestellt. Die vier Kurien beschickten den Landtag und die Landtage das Abgeordnetenhaus.
In Fragen der Innenpolitik sollte der Reichsrat weitgehend freie Hand haben, der Kaiser hatte ein Vetorecht, von dem er in den 1870er-Jahren selbst in konfessionellen Fragen nicht Gebrauch machte.
Die Anhänger der gegebenen Verfassungslage schlossen sich zu einer losen Gruppe, der „Verfassungspartei“, zusammen, die sich zur linken Seite des Hohen Hauses positionierte und deren Zusammenschluss eher pragmatischer Natur war. Faktisch bestand die Partei aus verschiedenen Klubs:
- den Unionisten, die die Durchführung des Februarpatents verlangten
- den Großösterreichern, die ein Großösterreich auf Grundlage des Februarpatents forderten und Grundrechte gestärkt sehen wollten
- den deutschen Autonomisten, die die Autonomie der Gemeinden und Bezirke einforderten
Zur „Rechten“ positionierten sich die Klerikalen und Föderalisten. Die Föderalisten lehnten das Februarpatent ab und bemühten sich um das Oktoberdiplom. Die Klerikalen sahen die Verteidigung des Konkordats mit dem Papst von 1855 als zentral an.
Im politischen Spektrum der Habsburgermonarchie war „rechts“, in Nachfolge der politischen Spektrenbildung der Französischen Revolution, mit der Bewahrung der traditionellen Ordnung verbunden, also mit dem katholischen Klerus, dem landbesitzenden Adel und der absoluten Monarchie. „Rechts“ war in diesem Kontext ein Synonym für klerikal.
Im Deutschen Krieg 1866 siegte Preußen in der Schlacht bei Königgrätz entscheidend. Österreich war dadurch politisch und militärisch deutlich geschwächt, was innenpolitisch nicht folgenlos blieb.
Die steirischen Autonomisten unter Moriz Blagatinschegg von Kaiserfeld verfassten daraufhin 1866 das „Ausseer Programm“, in dem diese eigene Institutionen für die Deutschen in Cisleithanien forderten. Die deutschböhmischen Unionisten rund um Eduard Herbst wollten hingegen das Kaisertum Österreich als zentralistischen Einheitsstaat umbilden, ohne Ausgleich mit Ungarn und ohne Föderalismus. Diese widersprüchliche Lage liegt an den volkstümlichen und politischen Gegebenheiten: Während die Deutschliberalen in der Steiermark und Kärnten sich sowohl der deutschen Mehrheit als auch politischen Lage sicher sein konnten, war das Deutschtum in Böhmen und Mähren auf Sprachinseln versprengt, sodass eine Anbindung an einen (groß-)österreichischen Zentralstaat bedeutend war. Autonomisten und Unionisten bildeten ab 1867 den Herbst-Kaiserfeld’schen Klub.
Der neu gewählte Reichsrat trat am 20. Mai 1867 erstmals zusammen. Die Liberalen sollten einen großen Sieg einfahren. Den Kern der Deutschfreiheitlichen bildeten drei Elemente: Die steirischen und oberösterreichischen „Autonomisten“, der (verfassungstreue) Großgrundbesitz und die Deutschböhmen. Die Deutschliberalen erachteten die Wiederherstellung des ungarischen Staatsrechts als unausweichlich, verfolgten aber im deutschen Teil des Reichs eine zentralistische Politik. Ziel war ein moderner Zentralstaat, dem sich die klerikalen „Gaugrafen“ widersetzten, die um ihre Macht bangten.
Infolge des Ausgleichs 1867 mit Ungarn spaltetet sich die Verfassungspartei aufgrund unterschiedlicher Ansichten auf. Trotz ihrer inneren Schwäche ist die Verfassungsgrundlage, die bis zum Ende des Habsburgerreiches besteht, der Verdienst der deutschliberalen Bewegungen. Es ist aber auch der Höhepunkt des politischen Liberalismus erreicht. Fortan entwickelt sich der Deutschliberalismus in Richtung Deutschnationalismus.
Durch den Ausgleich 1867 mit Ungarn versuchte Österreich, den Widerstand der Ungarn zu brechen. Der Ausgleich von 1867 war ein pragmatischer Kompromiss zwischen Wien und Budapest, um das Habsburgerreich nach außenpolitischen Niederlagen und innerer Zerrissenheit zu stabilisieren. Ungarn erhielt weitgehende Autonomie, eine solche forderten auch die Tschechen. Insgesamt stand die Monarchie vor größeren inneren Reformen, aber auch vor einem Zerriss.
Das Staatsgrundgesetz über die allgemeinen Rechte der Staatsbürger war Teil eines Verfassungswerks von 1867, der sogenannten Dezemberverfassung. Dieses entstand nach dem Österreichisch-Ungarischen Ausgleich. Es erweiterte und sicherte das System von 1861 deutlich, stärkte garantierte bürgerliche Freiheitsrechte, die Stellung des Parlaments und verankerte die Rechtsstaatlichkeit. Artikel 14 der Dezemberverfassung enthält die „Glaubens- und Gewissensfreiheit“. Allen gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften wurde der Status einer „Körperschaft öffentlichen Rechts“ zugestanden.
Die Maigesetze 1868 bilden in Österreich bis heute hin die Basis der Trennung von Kirche und Staat. Diese waren ein Erfolg der Liberalen und wurden von Klerikalen und kirchlichen Kreisen hart bekämpft.
Als „Bürgerministerium“ werden vier Regierungen zwischen 1867 und 1870 bezeichnet, die sich größtenteils aus Angehörigen der Deutschliberalen Partei zusammensetzten und mehrheitlich aus Bürgerlichen statt Adeligen bestanden.
Ab 1870 ergibt sich auf der linken Seite innerhalb der Verfassungspartei eine Polarisierung. Die Vertreter des deutschnationalen Gedankens stehen den Altliberalen gegenüber. Auf der rechten Seite bilden die Klerikalen und die nicht-deutschen Abgeordneten ein Bündnis, das sich kirchenpolitisch orientiert und die nationalitätenpolitische Polarisierung ablehnt.
Mit der Einsetzung von Karl Hohenwart 1871 erfolgte ein Kurswechsel in Richtung Föderalismus, welcher von der Verfassungspartei heftig bekämpft wurde und sich auf klerikale und feudale Gruppen stützte. Der „Fortschrittsklub“ setzte sich innerhalb der Verfassungspartei zum Ziel, die nationalen Interessen der Deutschen sowie liberale Haltungen energischer zu vertreten als die Altliberalen. Das Experiment Hohenwart war bereits im Oktober vorbei. Adolph Auersberg leitetet den zweiten liberalen Frühling ein.
Innerhalb der Verfassungspartei wurde der deutschnationale Flügel stärker. Die Italiener schlossen sich zu einer eigenen Gruppierung zusammen. Die Tschechen blieben dem Nationalrat fern. Infolgedessen stand ein neues Wahlrecht im Zentrum. 1873 wurde die Direktwahl des Abgeordnetenhauses eingeführt. Dafür gibt es vier Kurien:
- Großgrundbesitz
- Städte, Märkte, Industrieorte
- Handels- und Gewerbekammern und
- Landgemeinden (Groß- und Mittelbauern).
Eine fünfte Kurie der allgemeinen Wähler wurde 1896 eingeführt, womit ein allgemeines Wahlrecht angedeutet wurde.
Das Wahlrecht in den Kurien war an das Erreichen eines bestimmten Bildungsgrads oder eine bestimmte direkte Steuerleistung gekoppelt (Zensuswahlrecht).
Nach der Wahl 1873, mit welcher das Abgeordnetenhaus nicht mehr über die Landtage bestellt, sondern direkt gewählt wurde, gehörten 88 Abgeordnete dem Klub der Liberalen und 57 dem Fortschrittsklub an, zu dem auch der spätere Brunecker Bürgermeister Eduard von Grebmer zu Wolfsthurn gehörte, 54 Mandate fielen auf das Linke Zentrum. Die Deutschliberalen galten als Partei der Advokaten, freien Berufe und Unternehmer.
Insgesamt sicherten sich die deutschen Liberalen oder Freiheitlichen 218 von insgesamt 353 Sitzen, während die deutschen Konservativen auf 44 Sitze kamen.
Der Nationalitätenkampf, der Kampf mit dem politischen Katholizismus sowie die Wirtschaftskrise 1873 beförderten die Deutschliberalen in die Opposition und bedingten diverse Spaltungen. Lothar Höbelt unterstreicht, dass die Deutschliberalen insgesamt nach den harten Auseinandersetzung rund um die Verfassung und nach dem Verweis auf die Opposition allmählich begannen, sich auf deutsche Interessen zu konzentrieren. Der Konservative Eduard Taafe übernahm die Regierung von 1897 bis 1895, es folgte Kasimir Felix Badeni, mit dem die Nationalitätenangelegenheit eskalierte.
Zu Beginn des österreichischen Parlamentarismus standen nicht Parteien, sondern Klubs als politische Gesinnungsgemeinschaften. Es handelte sich um lose Zusammenschlüsse. Dadurch, dass das Wahlrecht an die Steuerleistung gekoppelt war, bildeten sich Klubs rund um Persönlichkeiten, die aus wirtschaftlichen Gründen dazu in der Lage waren, nebenberuflich politisch tätig zu sein. Erst mit dem direkten Reichsratswahlrecht war es möglich, um Stimmen zu werben, sodass eine politische Organisation durch Parteien sinnvoll war.
Die Krise innerhalb der Verfassungspartei umfasst die Spaltung in Altliberale, die als Vertreter eines „korrupten Kapitalismus“ gelten, und Jungliberale, die sich konsequent deutschnational positionieren. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den Tschechen mit Alttschechen und Jungtschechen. Die klerikalen Föderalisten werden massiv durch die Kirche unterstützt. Zwischen links und rechts, liberal und konservativ, eröffnen sich politische Auseinandersetzungen, die die Nationalität sowie die Konfession umfassen. Ministerpräsident Adolph Auersperg deklarierte als Ministerpräsident, Österreich werde nie „eine Unterbehörde Roms“ werden und spielte auf die ausgeprägte Papsttreue der Konservativen an.
Zahlreiche Herausforderungen, das Wehrgesetz, ein drohender Krieg am Balkan, ein neuer Ausgleich mit Ungarn zerspiltterten die Verfassungspartei, während die Klerikalen enger aneinander traten. 1878 spaltete sich der Klub der Linken in den Fortschrittsklub und den „Klub des linken Zentrums“ auf. Anlässlich der Neuwahlen fuhr die Verfassungspartei eine Niederlage ein. Die bisherige Fortschrittspartei konstituierte sich unter der Führung von Eduard Sturm im Klub der vereinigten Fortschrittspartei. Die zweite Gruppierung bildete der Klub der Linken, dessen Führung von Eduard Herbst auf Anton Banhans übergegangen war.
Das Ziel beider Gruppierungen war die Erhaltung der verfassungsmäßigen Freiheiten, weshalb sie jede Föderalisierung des Staatswesens ablehnten. Der Klub der vereinigten Fortschrittspartei betonte darüber hinaus die Solidarität der Deutschen. Auf der rechten Seite des Hauses bemühte sich Karl Hohenwart um eine Zusammenfassung der politischen Gruppen und vereinte deutsche Klerikale, Slowenen, Kroaten und Rumänen. Die Polen blieben im Polenklub und die Tschechen im Tschechenklub.
Das Wehrgesetz spaltete die Linke, weil Alpendeutsche und Sudetendeutsche unterschiedliche Interessenslagen hatten, die ersteren waren sich des Deutschtums sicher, die letzteren lebten versprengt. Die Krone setzte das Wehrgesetz mit den Klerikalen durch. Die deutschen Klerikalen hatten sich mit dem Versprechen, in kirchenpolitischen Fragen unterstützt zu werden, dem Hohenwart-Klub angebunden.
Ab 1879 vereinte Ministerpräsident Eduard Taaffe die Konservativen, Klerikalen, polnischen und tschechischen Autonomisten im „Eisernen Ring“, der gegen die Deutschliberalen gebildet wurde, von der Zersplitterung des deutschnationalen Lagers profitierte, aber auch mehr oder weniger alle politischen Kräfte gegen die Deutschnationalen bündelte.
Georg Schönerer versuchte mit Viktor Adler, Otto Steinwender und Engelbert Pernersdorfer eine deutsche Volkspartei auf der äußersten Linken zu gründen, nachdem es nicht gelungen war, die Liberalen auf einen deutsch-nationalen Kurs zu bringen.
Die Klerikalen stützten ihre Macht auf die Zersplitterung des linken Lagers. Die Linke schloss sich noch einmal, als Fortschrittsklub und Klub der Linken – ohne Schönerer – im „Klub der vereinigten Linken“ zusammen. Die steirischen Autonomisten verließen die Vereinigte Linke mit dem Vorwurf, diese bekenne sich nicht zu ihrem deutschen Charakter. Indessen bildeten die Italiener den Coronini-Klub. Im Hohenwart-Klub spaltete sich der Liechtenstein-Klub ab. Die Zersplitterung der Parteien setzte sich fort. Parteien bildeten sich außerhalb des Parlaments in den Ländern.
Die Deutschliberale Partei ging 1881 in der „Vereinigten Linken“ auf, spaltetet sich 1885 in den Deutschösterreichischen Klub und den Deutschen Klub auf. Der Deutschösterreichische Klub bezeichnete die Altliberalen, die sich in die Gesamtstaatsidee der Monarchie integrierten, während der Deutsche Klub rund um Otto Steinwender in Anlehnung an jene nationalen Klubs wie den Polenklub, die längst eine eigene Sache betrieben. In diesem Sinne wollten auch die Deutschen die eigenen Interessen vertreten. Im Kern bildeten steirische Autonomisten sowie böhmische Unionisten den Kern des Deutschen Klubs. Ab 1891 bildet der Deutsche Klub die Deutsche Nationalpartei.
Otto Steinwender war Mitglied der Wiener akademischen Burschenschaft Silesia, Gründer des Deutschen Schulvereins und Mitbegründer des Deutschen Schutzvereins „Südmark“. Als Politiker vertrat Steinwender einen neuen, pragmatischen Typus, der sich nicht in ideologische Kleingefechte verirrte, sondern zielgerichtet Interessen vertrat. Wirtschaftspolitisch nahm Steinwender im Gegensatz zu zahlreichen Altliberalen keine theoretischen Stellungen ein, sondern setzte auf das Genossenschaftswesen, das sich zwischen Manchester-Liberalismus und Sozialstaat einordnete. Steinwender unterschied auch zwischen staatlichen und nationalen, zwischen österreichischen und deutschen Interessen. Insgesamt war Steinwender ein „konsequenter Bismarck-Verehrer“, dem nicht an der romantischen Verklärung Bismarcks, sondern an dessen Realpolitik gelegen war. Zwischen Steinwender und Schönerer tobte ein Konkurrenzkampf.
Lothar Höbelt hält zur prinzipiellen Spaltungstendenz im deutschnationalen Lager fest, dass selbst dieses insgeheim pragmatisch war und nur dort exzessiv als ein Selbstzweck betrieben wurde, wo es keinen wirklichen Gegner gab: „Nur dort, wo kein lokaler Gegner, seien es nun Tschechen oder Klerikale, den Zwang zur Einigkeit um jeden Preis deutlich machte, war die Spaltung der Partei um der Reinheit der Lehre willen ein für die Anhängerschaft akzeptables Manöver“.


Das Linzer Programm war ein 1882 in Linz erarbeitetes Grundsatzpapier des österreichischen Deutschnationalismus. Initiatoren und Leiter waren die Politiker Victor Adler und Georg von Schönerer, der Politiker und Journalist Engelbert Pernerstorfer sowie der Historiker und Publizist Heinrich Friedjung. Der so genannte „Arierparagraph“ wurde erst 1885 hinzugefügt.
Georg von Schönerer, der 1873 für die Fortschrittspartei in das Abgeordnetenhaus gewählt wurde, gründete 1891 – unter dem Eindruck der vielfältigen Spaltungen im deutschnationalen Lager – die Alldeutsche Bewegung. Steinwender und Schönerer unterschieden sich methodisch: Steinwender plädierte für eine politische Teilnahme am Staat, Schönerer für eine strikte Ablehnung.
Die Alldeutsche Bewegung hatte einen relativ großen Einfluss auf die akademische Jugend, bekämpfte das kapitalistische Establishment, forderte das konfessionelle „Los von Rom“, deutsch als Amtssprache sowie ein Bündnis mit dem Deutschen Reich. 1901 spalteten sich die Frei-Alldeutschen, später Deutschradikale Partei, unter Hermann Wolf, ab. Lothar Höbelt urteilt in Bezug auf Schönerer, dass sich dieser vom „Volkstribun“ zum „Guru“ entwickelte, dass allerdings eine ganze Reihe junger Poitiker wie August Kaiser, Julius Sylvester und Carl Beurle ihre Lehrzeit bei Schönerer absolvierten, die es später in höchste politische Ämter schafften.
Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei wurde zum Jahreswechsel 1888/89 gegründet. Viktor Adler stieß 1886 zur Sozialdemokratie, nachdem er vorher vielfältige politische Beziehungen hatte. Es kam zu einem „Wiener Kompromiss“, der die Ausgangslage für die Einigung zwischen den „Radikalen“ und „Gemäßigten“ innerhalb der Sozialdemokraten wurde.
Die Christlichsoziale Partei wurde zwischen 1891 und 1891 gegründet. Der Tiroler Anton Psenner gründete 1887 einen Christlichsozialen Verein in Wien, dem sich Sozialreformer, aber nicht die Klerikalen des Hohenwart-Klubs anschlossen. Karl Vogelsang wirkte als Vordenker der katholischen Sozialreform. Karl Lueger trat im Gründungsjahr dem Verein bei. Aemilian Schöpfer gelang es später auch Tirol für die Christlichsozialen zu gewinnen. Für die christlichsoziale Bewegung entwickelte sich der Antisemitismus als Katalysator.
1895 ging als Abspaltung aus dem Hohenwart-Klub die Katholische Volkspartei hervor. Zu den Exponenten gehörten Alfred Ebenhoch, von 1895 bis 1907 Landeshauptmann in Oberösterreich, sowie Josef Di Pauli. Die Familie Di Pauli von Treuheim entstammte aus dem Fleimstal. Josef Di Paulis Cousin, Anton Di Pauli, war Gutsbesitzer und Bürgermeister in Kaltern. Josef Di Pauli war ab 1873 Abgeordneter in Wien, gehörte ab 1891 dem Hohenwart-Klub an und gründete 1895 die Katholische Volkspartei. Ausschlaggebend war, dass die Christlichsozialen die Badeni-Sprachverordnung ablehnte und Di Pauli diese befürwortete. 1898 wurde Di Pauli österreichischer Handelsminister. Ab 1898 war der in Saurn geborene Theodor Kathrein Klubobmann der Katholischen Volkspartei, der von 1904 bis 1916 Landeshauptmann in Tirol wurde. Die Katholische Volkspartei schloss sich 1907 an die Christlichsozialen an.
Auf der deutschfreiheitlichen Seite wurde mehrfach ein Zusammenschluß der Gleichgesinnten versucht. Die Interessen der Deutschen der Alpenländer und die der Deutschböhmen waren allerdings zu verschieden. Ein Versuch, diese Uneinigkeit zu überwinden, wurde 1910 mit der Bildung des „Deutschen Nationalverbandes“ versucht, in welchem die Deutschfortschrittlichen und die Deutsche Volkspartei aufgingen. Es spricht für sich – und gegen die freiheitlichen Bewegungen -, dass ein indem sich die Christlichsozialen zur „Reichspartei“ formierten, ein solcher Zusammenschluss auf freiheitlicher Seite aber nicht möglich war.
In Tirol, wo der Druck von außen, groß war, wurde Einigkeit zunehmend bedeutend. Bereits ab 1900 hatte sich in Innsbruck die „Deutsche Volkspartei“ gebildet. 1907 ging man mit der Gründung der „Deutschnationalen Partei“ in Tirol einen Schritt weiter. 1907 wurde erstmals das allgemeine Wahlrecht angewandt, was die politischen Gegebenheiten grundsätzlich veränderte und damit auch die Rolle von Parteien.
Bei 516 Abgeordneten holten die Christlichsozialen und Konservativen 1907 mit 96 Abgeordneten und die Sozialdemokraten mit 87 Abgeordneten die meisten Sitze bei insgesamt fast 20 Fraktionen, die Freiheitlichen erlitten schmerzhafte Verluste.
1908 folgte der „Deutsche Volksbund in Oberösterreich“ und der „Deutschfreiheitliche Volksbund“ in Salzburg. In Niederösterreich erfolgte 1911 die Gründung einer deutschnationalen Parteileitung in Krems. ien kultivierte nach Lothar Höbelt den Individualismus, im freiheitlichen Kärnten schien ein Zusammenschluss ebenso nicht notwendig. Flächendeckend entstehen in den westlichen Kronländern freiheitliche Einheitsparteien, in welche sich selbst die Deutschradikalen integrieren.
1911 wurde der „Deutsche Nationalverband“ als loser Zusammenschluss deutschnationaler und deutschfreiheitlicher Bewegungen gegründet und zwar aus deutscher Volkspartei, Deutscher Fortschrittspartei, der Deutschen Agrarpartei und der Deutschen Arbeiterpartei. Innerhalb des Nationalverbandes bestanden allerdings weitere Zusammenschlüsse, wie die Agrarier, die Deutschradikalen, das deutsche Zentrum oder die deutsche Arbeitsgemeinschaft, nicht aber die Alldeutschen.
Während sich die Deutschradikale Partei auf Böhmen konzentrierte, formierte sich ab 1911 als Pendent im Alpenraum die „Jungdeutsche Vereinigung“. Ausgangspunkt waren Tirol und Wien. Die Haltung war betont antiklerikal und national. Die Bewegung erweiterte sich um die Steirer und Oberösterreicher. Die Bewegung setzte sich aus Beamten, Handel und Fremdenverkehr zusammen. 1914 trat unter anderem der Linzer Bürgermeister Franz Dinghofer bei, der zu einer Gruppe von Pragmatikern gehörte. Ab 1914 nannte sich die Gruppierung „Deutschvölkische Vereinigung“, umfasste provinzielle Zünftler, freihändlerische Industrielle und alpenländische Radikalnationale.
Literatur:
[1] Herbert Schambeck (Hrsgb.): „Österreichs Parlamentarismus: Werden und System“, Duncker & Humblot, Berlin 1986
[2] Wilhelm Brauneder: „Österreichische Verfassungsgeschichte“, Manz Verlag, Wien 2009
[3] Lothar Höbelt: „Kornblume und Kaiseradler. Die deutschfreiheitlichen Parteien Altösterreichs 1882–1918“, Böhlau Verlag, Wien 1993


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