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Anwendung von Wärmedämmputzen bei historischer Baukultur

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Wärmedämmputz, der auch als Dämmputz bezeichnet wird, ist ein Putzmörtel mit Zusätzen von leicht dämmenden Materialien wie Polystyrolkügelchen, Perlit, Aerogel oder natürlichen Zuschlagstoffen, der direkt auf Fassaden oder im Innenbereich aufgebracht wird, um Wärmeverluste zu reduzieren. Dieser eignet sich insbesondere dann, wenn klassische Außendämmmaßnahmen wie etwa ein vollständiges Wärmedämmverbundsystem (WDVS) aus baulichen oder gestalterischen Gründen nicht infrage kommen, etwa bei denkmalgeschützten Fassaden oder wenn die äußere Erscheinung erhalten bleiben soll oder muss.

Bei historischer Bausubstanz würde eine außen angebrachte Wärmedämmung nicht nur die Oberflächenenhaptik verändern, sondern auch die Proportionen.

In solchen Fällen kann Wärmedämmputz eine Alternative darstellen. Der Vorteil liegt darin, dass die Fassadenoptik erhalten bleibt. Es wird eine ausreichend dicke Putzschicht mit dämmender Wirkung auf die bereits vorhandene Wandstruktur aufgebracht. Laut Fachinformationen liegt die Wärmeleitfähigkeit λ solcher Dämmputze typischerweise im Bereich zwischen etwa 0,055 W/m·K und 0,028 W/m·K.

Ein rechnerischer Vergleich zeigt die Wirkungsweise: Wird bei einer 40 cm starken Bruchsteinwand von einem U-Wert von 2 W/m²K ausgegangen, so sinkt der U-Wert mit einem Dämmputz von 10 cm Dicke auf rund 0,4 W/m²K. Dabei kann es sich um einen annehmbaren Wert handeln. Gegenüber einer Wärmedämmung ist die erreichbare Dämmwirkung naturgemäß geringer. Geht es allerdings um historische Baukultur, müssen gar keine Neubau-Werte erreicht werden, sondern es genügen spürbare Verbesserungen gegenüber dem Bestand.

Die Mindestauftragstärken von Wärmedämmputz liegen bei 30 bis 50 mm und können Stärken von bis zu 150 mm erreichen. Realistisch sind Stärken von 50 bis 100 mm.

Der Dämmputz verwirklicht letztlich zwei Ziele in einem: Fehlstellen an der Oberfläche können durch den Verputz ausgeglichen werden und zudem erfüllt der Dämmputz Wärmedämmeigenschaften. Erhältlich sind Kalk-Dämmputz, Lehm-Dämmputz oder Kalk-Zement-Dämmputz. Der Dämmputz wirkt als flächige Minimaldämmung. Wird eine ökologische Putzvariante gewählt, bewirken etwa bei Lehm-Dämmputz für den Innenbereich die Zuschlagstoffe Bims, Stroh und Zellulose die gewünschte Wärmedämmwirkung.

Literatur:

[1] Michael Stahr: “Bausanierung Erkennen und Beheben von Bauschäden“, Springer Vieweg, Wiesbaden 2015

[2] Ulf Hestermann , Ludwig Rongen: „Frick/Knöll Baukonstruktionslehre 1“, Springer Vieweg, Wiesbaden 2015

[3] Ulf Hestermann , Ludwig Rongen: „Frick/Knöll Baukonstruktionslehre 2“, Springer Vieweg, Wiesbaden 2013

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