In der Nacht zum 1. Januar wurde eine Bar in Crans-Montana (Schweiz) durch ein Feuer zu einer Flammenhölle. Nach ersten Erkenntnissen könnten sogenannte Funkenfontänen auf Flaschen, die zu nah an der Decke platziert waren, den Brand ausgelöst haben.
Die vorläufige Bilanz ist erschütternd: Dutzende Tote und weit über hundert Verletzte.
Die juristische Aufarbeitung wird Ursachen und Verantwortlichkeiten klären. Schnellschüsse sind verfrüht. Einige Probleme stechen jedoch ins Auge.
Holztragwerke sind nicht unbedingt brandgefährlich. Holz verkohlt nämlich kontrolliert und bildet eine schützende Schicht. Trotzdem gilt: Holz brennt und stellt eine Brandlast dar.
Kritisch wird es bei Innenausbauten: Kunststoffe, Folien, Akustikschaumstoffe, verklebte Paneele oder Beschichtungen mit geringem Feuerwiderstand und toxischer Rauchentwicklung und brennendem Abtropfen können die Situation dramatisch verschärfen.
Ein Brand entsteht zwar aus allerlei Einzelkomponenten, die „günstig“ miteinander reagieren. Ein Brand ist allerdings kein Zufall und Brandschutz nicht zu vernachlässigen. Der Ernstfall tritt schneller auf, als erwartet.
Ein Brand beginnt mit einer Zündquelle, die die Materialien zur Pyrolyse bringt. Es entstehen brennbare Gase, die die Flamme nähren. In geschlossenen Räumen sammeln sich heiße Gase unter der Decke, die Wärmestrahlung steigt und erhitzt weitere Oberflächen.
Hier wirkt das Boltzmann-Gesetz, dass nämlich die Wärmestrahlung mit der vierten Potenz der absoluten Temperatur steigt und relativ kleine Temperaturanstiege der Heißgasschicht die Wärmestrahlung extrem erhöhen können.
Durch die Wärmestrahlung pyrolisieren die Oberflächen der brennbaren, aber noch nicht brennenden Gegenstände aus und zünden bei 15 bis 20 kW/m² Wärmestromdichte bzw. einer Rauchgastemperatur von 500 bis 600 °C schlagartig ohne Zündflamme.
Das plötzliche Öffnen von Fenstern oder Türen kann die Situation massiv verschlimmern kann. Frischer Sauerstoff beschleunigt den Übergang zum Flashover und kann bei angesammelten Gasen sogar explosionsartige Effekte auslösen.
Treppenaufgang in einem Untergeschoss entwickeln einen Kamineffekt: Heißer Rauch wird nach oben gezogen und blockierte die Fluchtwege.
Fluchtwege, Notausgänge und die Einhaltung baurechtlicher Vorgaben sind folglich keine Formalien oder bürokratische Beeinträchtigungen.
Tatsächliche Besucherzahlen, voneinander unabhängige Rettungswege sowie Vorrichtungen des aktiven Brandschutzes (Brandmeldeanlagen, Feuerlöscher, Wandhydranten, Sprinkleranlagen, Entrauchungsanlagen) sind essenziell.
Im Ernstfall entscheidet ein funktionierendes Brandschutzkonzept darüber, ob Menschen entkommen oder ob Engstellen zur tödlichen Falle werden. Brandschutz ist nicht optional, sondern Teil einer Planungskultur und Baukultur und besteht in vorausschauendem Entwerfen, konsequenter Überprüfung und einem Bewusstsein für die Risiken.


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