Es gibt heute einen Silvius-Magnago-Platz, eine Silvius-Magnago-Stiftung, eine Silvius-Magnago-Akademie, einen Silvius-Magnago-Preis, eine Silvius-Magnago-Büste, einen Silvius-Magnago-Mandelbaum und eine Sophie-Magnago-Rose. Ob in all jenen, die sich auf Silvius Magnago berufen, dessen Geist wirklich weiter lebt, sei dahingestellt.
Landeshauptmann Silvius Magnago hielt 1977 in Wien anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Österreichischen Landsmannschaft eine beachtenswerte Rede. Die Landsmannschaft leistete als Nachfolgeorganisation des „Deutschen Schulvereins“ Herausragendes für Südtirol und für die Südtiroler Schule und Kultur.
Magnagos bemerkenswerte Wiener Rede erschien in der Folge – gestrafft -, mit Zustimmung Magnagos als Eckartschrift 62a. Die Eckartschriften sind eine seit 1958 vierteljährlich erscheinende Taschenbuchreihe der Österreichischen Landsmannschaft zu Themen aus den Bereichen Geschichte, Kultur und Politik. Ein besonderer Fokus liegt auf den deutschen Minderheiten im Ausland.

In der Rede respektive Eckartschrift kritisierte Magnago „die Mode gewordene Demontage jedes Heimatgefühls und jedes Nationalgefühls“, was ein interessanter Aspekt ist, zumal uns die Kleinkarierten heute weismachen wollen, ein „Nationalgefühl“ sei grundsätzlich falsch und schädlich.
Magnago spricht selbstverständlich von „Deutschen“, „Ladinern“ und „Italienern“ in Südtirol. Auch darin unterscheidet er sich wesentlich von denjenigen, die uns heute anderweitige Identitäten weismachen und aufdrängen wollen.
Magnago kommt dann zu einem bemerkenswerten Punkt, nämlich der „ideologischen Unterwanderung“ oder „geistigen Unterwanderung“ der Südtiroler. Die beiden Begriffe verwendet er synonym und grenzt sie explizit von der „kulturellen Unterwanderung“ ab, mit welcher er die kulturelle Überfremdung der Südtiroler meint.
Mit der „ideologischen“ oder „geistigen“ Unterwanderung bezeichnet Silvius Magnago, das, was man heute als „Kulturmarxismus“ bezeichnen würde (im Amerikanischen „cultural marxism“). Magnago erläutert, dass er befürchte, dass die Südtiroler eines Tages „nicht mehr deutsch“ denken, sondern „eine italienische Mentalität“ annehmen würden.
In diesem Sinne sei die ideologische Unterwanderung die Vorstufe zur kulturellen Überfremdung. Mit dem Unterschied, dass sich bei offensichtlicher kultureller Überfremdung Widerstände regen, bei ideologischer Unterwanderung aber nicht.
Speziell auf marxistische Ideologien bezogen führt Magnago aus: „Zuerst sind wir Arbeiter, dann sind wir lange nichts mehr und dann ist der eine Südtiroler und der andere ein Italiener“, was eine Gefahr für die Identität der Südtiroler darstelle.
Magnogos angebliche Anhänger vollenden hingegen heute das, vor dem Magnago eindringlich warnte.

Zum Schluss bemerkt der einstige Landeshauptmann, dass „das beste Autonomiestatut“ nichts nutze, wenn nicht „der Wille zum Leben, der Wille zur Selbstbehauptung, der Wille, in den Konkurrenzkampf einzutreten, das Vertrauen in das eigene Recht und auch auf die eigene Stärke“ bestehen würden.
Magnago legt insgesamt deutlich mehr weltanschauliche Bestimmtheit an den Tag als viele heutige Zeitgenossen, die sich zwar „Autonomismus“ und „Patriotismus“ einbilden, aber an den faktischen Herausforderungen scheitern und in keinster Weise in der Lage sind, Südtirol durch die ideologischen Wirren der Gegenwart zu manövrieren.



„Die Eckartschrift stellt die Rede des Landeshauptmannes von Südtirol zum Silberjubiläum der Österreichischen Landsmannschaft in leicht geraffter Gestalt vor. Das gewählte Thema ließ nicht nur die Festgäste aufhorchen und nicht müde werden, den Ausführungen Dr. Magnagos zu folgen; auch alle anderen Anteilnehmenden am Geschick der Volksgruppe jenseits des Brenners haben ein Recht darauf, diesen Bericht über die Lage im Südtirol der 1970er Jahre kennenzulernen, der leidenschaftlich und dennoch höchst sachlich ist. Er wertete das Geleistete und Erreichte nicht durch Radikalismen ab, zu denen man sich zuweilen hingerissen fühlen könnte. Dr. Magnago arbeitete auf dem harten Boden der Gegebenheiten mit der Hartnäckigkeit eines Tirolers. Es ist erfreulich, dass der erste Mann Südtirols nicht nur Kritik zu üben brauchte, sondern auch Zuversicht auszustrahlen vermochte“ hält die Beschreibung fest.
Hier die Eckartschrift 62 a bestellen: Link.


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