Der Landtagsabgeordnete Andreas Leiter-Reber, ex-Freiheitliche, jetzt irgendetwas Liberales, erklärt in der Tiroler Schützenzeitung, das historische Tirol sei „durch italienischen und deutschen Nationalismus zerstört worden“, eine Meinung, die im Wesentlichen linke Historiker oder klerikale Motive bedient.
Diese Meinung ist mehr als diskutabel:
Erstens, die politische Hegemonie war in Tirol stets eine klerikal-konservative. Die Klerikal-Konservativen verfügten über breite Mehrheiten und seit 1880 über Rückhalt durch das Kaiserhaus.
Zweitens, Tirol wurde durch die italienische Kriegserklärung 1915 – und deren Folgen – geteilt.
Drittens, Österreichs Außenpolitik war – gelinde gesagt – ungeschickt. Die 1908 erfolgte Annexion von Bosnien und Herzegovina heizte die politischen Konflikte an.
Viertens, die Klerikal-Konservativen bekämpften – im Namen der „Glaubenseinheit“ und „Landeseinheit“ – jedes autonomiepolitische Zugeständnis an die Welschtiroler.
Fünftens, der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand arbeitete an politischen Lösungen („Großösterreich“), die keine Autonomie für Welschtirol vorsahen. Indessen planten österreichische Militärs eine Rückeroberung Venetiens.
Dass diejenigen, die Autonomie und Selbstbestimmung autoritär unterdrückten, als „Freunde Tirols“ durchgehen, ist eine Geschichtsverdrehung sondergleichen und bezeugt fragwürdige politische Ideale.
Es waren die Nationalfreiheitlichen, die die Selbstbestimmung und Selbstverwaltung vorantrieben.


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