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Über Sonnwendbräuche und böse Geister in Tirol

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Der Kapuziner „Heribert von Salurn“, mit bürgerlichem Namen eigentlich Anton Mayr, der 1637 in Salurn geboren und 1700 in Meran verstorben ist, war der Sohn des Salurner Wirtes Hans Mayr und gilt als der volkstümlichste Prediger des 17. Jahrhunderts. Als Kaupuziner war er in St. Ulrich und Augsburg tätig.

Als Kapuzinerpater knüpfte Heribert von Salurn an den so genannten „Aberglauben“ im Volk an. In seinen Predigten kommen Teufel, Hexen, Unholde und Zauberer vor. In diesem Sinne bemerkt Heribert etwa, dass es viele Heilkräuter gebe, denen Gott „verwunderliche himmlische Kraft mitgetheilt, dass sie Menschen und Vich wider die bösen Geister und zauberische Menschen; Hochgewitter und anderen Zufällen sehr gut und dienstlich seyn“.

Heribert von Salurn betonte aber auch die Gesellschaftsverpflichtungen: „Es ist ein alter Brauch bey uns Teutschen, dass gute Freund, Bekannte und Verwandte einander pflegen auff die Kirchtäg einzuladen“.

Insgesamt liefern die Aufzeichnungen des Heribert von Salurn, die zwischen 1693 und 1698 in drei Bänden erschienen sind, eine Sammlung von Sprichwörtern und Redensarten, von Tagesereignissen und Volksbräuchen und sind eine verlässliche kulturgeschichtliche Quelle im Alpenraum.

Heribert schreibt zum Sonnwendfeuer: „Nit allein in Städten und Dörffern / sondern auch auff den Bergen / wo Häuser seyn / da jubiliret man / da tanzt man da / hupffet man / und springet man / da singet man / und juchzet man / und erzeigt bey dem Sonnewendfeuer allerley Freudenzeichen / welches sonst an keinem Tag das gantze Jahr geschicht“.

Zur Fasnacht bemerkt Heribert von Salurn: „In der Fasnacht vermainen die Weltvögl; das Bier sey offen, es sei alles erlaubt, was einem zuthun gelustet. Wann in der Fassnacht mancher Weltvogl nit stäts voll und doll ist, wann er nicht Tag und Nacht spilt und luedert, so vermaint er, er thue die fröhliche Fassnachtzeit nicht nach gebühr ehren“.

Die Ausarbeitungen Heriberts von Salurn gelten später auch als wichtiges Zeugnis in der deutschen Sprachenforschung:

Lebensbild des Heribert von Salurn in den „Neuen Tiroler Stimmen“ am 30. Oktober 1896:

Aus den Aufzeichnungen Heriberts geht hervor, dass zu seiner Zeit, also im 17. Jahrhundert, die Sonnwendfeuer in ganz Tirol allgemein üblich waren. Spätere Erforschungen gehen davon aus, dass Ende des 19. Jahrhunderts, zwischen 1876 und 1896, die Herz-Jesu-Feuer allmählich die Sonnwendfeuer zu verdrängen begannen. Aus Forschungen aus den 1940er-Jahren wird klar, dass sich die Bauern noch daran erinnerten, dass das Herz-Jesu-Feuer eingeführt wurde.

Befassen wir uns mit den Sonnwendfeiern, dann wird deutlich, dass sich diese in Feuerbräuche einordnen lassen, die das ganze Jahr im Blick haben:

  • Die Hochwinterfeuer (Weihnachten, Wintersonnenwende, Neujahr, Dreikönig)
  • Die Spätwinterfeuer (Fasnachts- und Fastenfeuer)
  • Die Frühlingsfeuer (Osterfeuer, Georgsfeuer, Maifeuer, Pfingstfeuer)
  • Die Sommerfeuer (Veit, Johannes, Sommersonnenwende, Peter und Paul, Ulrich)
  • Die Herbstfeuer (Michaeli, Allerheiligen, Martin)

Die Wintersonnenwende ist, gerade in den nordischen Kulturen als „Jul“, zentral, was natürlich an der Wendezeit liegt: Die Tage werden länger, der Winter geht so langsam vorüber. „Jul“ soll „Zeit der Schneestürme“ oder „Fest“ bedeuten. Fasnacht ist dann der endgültige Sieg über den Winter.

Die Wintersonnenwende bedeutet, auch heute, für uns alle, wieder neue Zuversicht: Das Licht naht.

Literatur:

[1] Anton Dörrer: „Tiroler Fasnacht innerhalb der alpenländischen Winter- und Vorfrühlingsbräuche“, Österreichischer Bundesverlag für Unterricht, Wissenschaft und Kunst, Wien 1949

[2] Friedrich Haider: „Tiroler Volksbrauch im Jahreslauf“, Tyrolia Verlag, Innsbruck 1968

[2] Richard Wolfram: „Die Jahresfeuer“, Veröffentlichungen der Kommission für den Volkskundeatlas in Österreich, Wien 1972

Eine Antwort zu „Über Sonnwendbräuche und böse Geister in Tirol“

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