Demanega

#ingenieurbaukultur

Michael Demanega: „Das Südtiroler Unterland“

Published by

on

Es gibt Herzensangelegenheiten. Dazu gehört das Südtiroler Unterland. Es handelt sich um meine Heimat im engeren und eigentlichen Sinne.

Begonnen hatte ich mit dem „Südtiroler Unterland“ vor meiner Matura, also noch vor dem Jahr 2005. Angefangen hatte alles an der Bibliothek in der Oberschule für Geometer, wo unter anderem das Werk „Die Ausbreitung des Deutschtums in Südtirol“ von Otto Stolz auflag, in einer Phase des politischen Erwachens, das die Ideologie der linken Lehrerschaft kontrastierte.

Später, als ich 2013 das Büchlein „Südtirol“ verfasste, wollte ich das „Südtiroler Unterland“ aufgreifen, ich fand aber nicht den passenden Rahmen.

2018, als ich längst in Wien war, hätte ich eine „Eckartschrift“ über Südtirol verfassen sollen, zur 100-jährigen Angliederung Südtirols an Italien, ich hatte aber die persönliche Ruhe nicht.

In der Wiener Zeit reifte die emotionale Sehnsucht nach dem Südtiroler Unterland heran, einem Grenzland, für mich die unmittelbare Heimat. So oft dachte ich an den elterlichen „Labdrischhof“ zwischen Salurn und Buchholz, von dem man eindrucksvoll auf die Etschtalsohle, auf die fast vertikalen weißen Felswände – und auf die Salurner Klause – blicken kann.

Wie oft habe ich, bevor ich nach Wien ging, einfach nur da gesessen, die Landschaft und die Berge betrachtet, Dinge in dieses Tal hineininterpretiert, eine größere Bedeutung gesucht, die ich aber nicht in Worte und Bilder zu projizieren vermochte.

Heute bin ich bemüht, allen, die von fern ins Unterland kommen, die Spannungen und die Dynamiken in diesem Grenzland zu erläutern.

Ich wollte etwas Kompaktes, Handliches, Handfestes und Bleibendes schaffen, das ich in die Hände drücken kann und das den Zugang zu „meinem“ Unterland bildet.

Dieses Land zwischen von Bozen und der Salurner Klause ist historisch und politisch weitaus bedeutender, als landläufig geglaubt wird. Dem Unterland und den Unterlandlern diese bedeutende Rolle zurückzu geben, ist das eigentliche Ziel.

Erscheinen wird das „Südtiroler Unterland“ als traditionsreiche Eckartschrift 263, die ab Dezember 2025 erhältlich ist.

Die Österreichische Landsmannschaft, die die Nachfolgeorganisation des „Deutschen Schulvereins“ ist, ist historisch eng mit dem Südtiroler Unterland verbunden, hat unzählige kulturelle Aktivitäten vor Ort unterstützt. Doch dazu mehr, in der Eckartschrift selbst.

Wer eine Eckartschrift verfasst, steht in einer guten Tradition: 1977 hatte selbst Silvius Magnago eine solche herausgegeben.

Vorgestellt wird die Eckartschrift am 5. März 2026 in Wien. Eine Vorstellung in Innsbruck, wie auch weitere Vorstellungen, sind geplant.

Das Südtiroler Unterland – Auszug

Das Südtiroler Unterland ist ein historisch umkämpftes Land. Am Beginn waren es Räter und Römer, die um die Vorherrschaft kämpften, ehe die Römer im Unterland Festungen gegen die einfallenden Germanen bauten. Für die Langobarden war das Unterland die nördlichste Grenzlinie, die sie gegen die Bajuwaren zu verteidigen versuchten. Unter den vielen Grafengeschlechtern, die im Unterland um die weltliche Vorherrschaft wetteiferten, waren die Tiroler die erfolgreichsten. Für die Tiroler Grafen war Salurn lange Zeit der südlichste Machtbereich, weshalb ihnen eine deutsche Besiedelung wesentlich war. Das Deutschtum reichte im Mittelalter zwar fast bis nach Trient, wurde jedoch durch Gegenreformation und wirtschaftliche Krisen wieder nach Salurn zurückgedrängt.

Es wäre durchaus denkbar gewesen, dass sich die Sprachengrenze noch weiter nach Norden verlagert hätte. Für den italienischen Nationalismus war die Grenze bei Salurn nämlich das erste Hindernis beim Versuch, den Brenner zu erobern. Daß es anders kam, liegt an der Zähigkeit, die die Unterlandler an den Tag legten. Für die vielen Durchreisenden, die nach Süden unterwegs sind, mag das Unterland, eingebettet in schroffe Felswände, Obstgärten und Weinberge, eine „hübsche Kulisse“ sein. Ob sie die Veränderungen wahrnehmen, die sich im Unterland abzeichnen, sei dahingestellt. Daß südlich von Salurn die Einzelhöfe seltener, die Dörfer dichter, die Bauweisen anders und die Häuser bunter werden, bemerken wohl nur die Aufmerksamsten. Deutsch wird südlich von Salurn – abgesehen vom Tourismus – weder gesprochen, noch verstanden und schon gar nicht gefühlt. Die Mentalität schlägt um.

Und doch, das Unterland ist deutsches Siedlungsgebiet und will es bleiben. Davon will die neueste Eckartschrift Zeugnis ablegen. Sie zeigt die vielen Schwierigkeiten in der Erhaltung der Tiroler Identitäten über die Jahrhunderte hinweg, die Erfolge, Gegenspieler und Förderer und auch die Herausforderungen der Jetztzeit.

Eine Antwort zu „Michael Demanega: „Das Südtiroler Unterland““

  1. Avatar von Silvius Magnago: „Die ideologische Unterwanderung der Südtiroler“ (Eckartschrift 62a) – Demanega

    […] Michael Demanega: „Das Südtiroler Unterland“ […]

    Like

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..