Die Wochenzeitung Die Zeit titelte im September 2020: „Wie „böse“ ist die amerikanische Datenfirma Palantir?“ Eine Frage, die seitdem nicht an Brisanz verloren hat. Alexander Karp, Mitgründer und CEO von Palantir, antwortet auf solche Zuschreibungen mit einem Appell an das Gute, Wahre und Schöne.
Für Alexander Karp liegt die Gefahr nicht in Technologie selbst, sondern darin, dass Führungskräfte in Wirtschaft und Gesellschaft zunehmend davor zurückschrecken, klare Haltung und Überzeugungen zu zeigen, keine Verantwortung für ihre Nation übernehmen.
Karp wendet sich damit gegen die Vorstellung, Unternehmen seien dann am erfolgreichsten, wenn sie von reinen „Professionalisten“ geführt werden, also von Menschen, die neutral und sachlich agieren, ohne eigene Vision oder Werte, Haltung oder politische Ansichten zu vertreten. Wirkliche Innovation entsteht nicht aus reiner Professionalität, sondern aus Ideen, Überzeugungen, Herzblut und einer tiefen inneren Motivation.
Genau hier stellt sich die zentrale Frage: Was treibt ein Unternehmen, Profitstreben oder eine Idee, die über den ökonomischen Nutzen hinauswächst?
Karp unterstreicht, dass eigentümergeführte Unternehmen, also Unternehmen, die eine klare eigene Vision verfolgen, am erfolgreichsten sind. Letztlich hat, wer wirklich authentisch sein will, nicht mehrere Leben gleichzeitig zu führen, sondern alle Ziele in einem einzigen Lebensentwurf zu vereinen. Daraus ergibt sich Konsequenz.
Der Palantir-CEO wendet sich aber auch explizit gegen den individualistischen Kapitalismus, der kaum übergeordnete Ideen mehr vertritt, sondern ausschließlich am individuellen Glücksbefinden, am atomisierten Einzelnen und seinem Konsum, ausrichtet und größere Werte, aber auch due eigene Natione und das Staatswesen ausblendet.
Entscheidend sind Gemeinschaftserzählungen, ein geteiltes „Warum“ und ein Gründungsmythos, der Identität stiftet. Herkunft und Geschichte geben Orientierung, sie schaffen ein Wir-Gefühl, das über die Summe einzelner Interessen hinausgeht und lauter Einzelne auf eine gemeinsame Richtung einschwört.
In diesem Zusammenhang spielt Ästhetik eine unerwartet große Rolle. Sie ist mehr als nur Oberfläche, sondern Ausdruck einer Vision. Wo Ästhetik gelingt, entsteht ein Bild des Schönen, das zugleich die Idee des Guten transportiert. Schönheit kann zum verbindenden Element einer Gemeinschaft werden, weil sie Sinn und Richtung intuitiv vermittelt.
Der moderne Kapitalismus, wie er in seiner radikal individualistischen Ausprägung sichtbar wird, lebt von Voraussetzungen, die er selbst weder hervorbringen noch bewahren kann: Vertrauen, gemeinschaftliche Erzählungen, politische Stabilität, geteilte Werte. Fehlen diese Grundlagen, bleibt der Gewinn einzelner bestehen, zumindest eine Zeit lang, doch ein kollektiver Fortschritt, der eine Nation voranbringt, bleibt aus. In diesem Sinne untergräbt der Kapitalismus sich selbst.
Palantir steht exemplarisch für eine größere Debatte: Können datengetriebene Unternehmen Teil einer Vision des Gemeinsamen sein oder symbolisieren sie einen Individualismus, der die Grundlagen ihres eigenen Erfolges aushöhlt?
Die Frage betrifft sowohl die Zukunft einzelner Unternehmen als auch die Frage, welche Rolle eine Nation künftig spielen soll. Letztlich sind beide nicht getrennt voneinander zu betrachten.
Das geht so weit, dass Karp von Tech-Unternehmen verlangt, sich miz Technologien zu befassen, die die geopolitische und militärische Stellung der eigenen Nation voranbringen.
Alexander Karp geht es darum, der weitgehend unmoralischen Erzählung über die Datenkrake Palantir ein Gewissen sowie eine nationale Verantwortung zuzuschreiben.
Ob Überzeugung oder Eigennützlichkeit: Karps Ausführungen sind – in Teilen – sehr wichtig. Ihm geht es nämlich um Werte in einer, durch den Individualismus und Kapitalismus, zersetzten „Ordnung“.
Literatur:
[1] Alexander C. Karp & Nicholas W. Zamiska: „The Technological Republic. Über die Macht des Silicon Valley und die Zukunft des Westens“, Finanzbuchverlag, München 2025.


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