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Die Geologie Südtirols

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Südtirols Berge faszinieren, werfen aber auch die Frage nach dem „Warum“ auf.

Die geologische Entstehung Südtirols reicht ins Präkambrium und Paläozoikum zurück. In dieser Zeit entstanden im Zuge der Entstehung des Urkontinents Pangaea die kristallinen Gesteine wie Granite, Gneise und Schiefer, die vor allem im Vinschgau, in den Ötztaler und Zillertaler Alpen zu finden sind. Sie gehen auf die variszische Gebirgsbildung im Karbon und Perm, die für die Bildung von Pangaea bedeutend war.

Die variszische (auch variscische oder variskische) Orogenese war eine Phase intensiver Gebirgsbildung in der zweiten Hälfte des Paläozoikums. Ausgelöst wurde sie durch die Kollision großer Landmassen: Gondwana, ein riesiger Südkontinent, der große Teile des heutigen Südamerika, Afrika, Indien, Australien und die Antarktis umfasste, stieß mit Laurussia, einem Nordkontinent, der aus Laurentia (Nordamerika und Grönland) sowie Baltica (Nordeuropa) bestand, zusammen. Zusätzlich drifteten kleinere Bruchstücke von Gondwana, sogenannte Mikroplatten, in diese Zone. Dabei wurden ganze Ozeanbecken in Subduktionszonen verschluckt, wo ozeanische Erdkruste unter die Ränder anderer Platten absank und im Erdmantel wieder aufgeschmolzen wurde.

Diese Prozesse führten zu mächtigen Gebirgsbildungen und trugen entscheidend zur Entstehung des Superkontinents Pangaea bei, dessen Bildung sich bis zum Ende des Paläozoikums fortsetzte.

Im Perm setzte eine intensive Vulkanaktivität ein, die weite Landstriche prägte. Mächtige Lavaströme und Tuffe bildeten den sogenannten Bozner Quarzporphyr, der heute in weiten Teilen des Etschtals und seiner Seitentäler aufgeschlossen ist. Das Klima war damals trocken und wüstenartig.

Der Tethys-Ozean breitete sich während der Trias aus. Es kam zu häufigem Meeresanstieg (Transgression). Auf unterseeischen Vulkanen und Riffen lagerten sich Kalkskelette von Korallen, Schwämmen und Algen ab. Daraus entstanden mächtige Riff- und Karbonatplattformen als die Grundlage der Dolomiten. Durch chemische Umwandlung (doe so genannte Dolomitisierung als Einbau von Magnesium in Kalkstein) entstand später das typische Dolomitgestein. In der Trias befand sich Südtirol in einem tropischen Flachmeer.

Während des Jura setzte sich die Ablagerung von Kalken und Mergeln fort, wenn auch weniger mächtig. Teile des Meeresbodens sanken tiefer ab (Subsidenz). Zwischen den Riffen der Trias bildeten sich tiefere Becken, wo sich Tone und Radiolarite ablagerten. Gleichzeitig begann die Erdkruste im Zuge der Öffnung des Atlantiks stärker aufzubrechen, was zu tektonischen Bewegungen führte.

In der Kreidezeit begann die alpidische Gebirgsbildung. Faltungen und Überschiebungen führten dazu, dass ältere Gesteinsschichten über jüngere geschoben wurden. Weiterhin fand Sedimentation in einem Meeresbecken start. In vielen Regionen entstanden mächtige Kalkpakete.

Die Periadriatische Naht (auch Periadriatisches Lineament oder Alpin-dinarische Grenzstörung) ist mit rund 700 km die wichtigste tektonische Störung der Alpen. Sie verläuft in einem großen Bogen annähernd parallel zur Adriaküste. Entlang der Störung verschoben sich die Schollen horizontal und vertikal: Die Ostalpen wurden vor rund 100 Millionen Jahren gegen Ende des Mesozoikum stellenweise um mehrere Kilometer über das Südalpin angehoben, sodass nördlich Kristallin aufschließt, während südlich weitgehend unveränderte Sedimente dominieren. Zudem dürften sich die Südalpen um 50–100 km nach Westen verlagert haben.

Im Tertiär erreichte die Gebirgsbildung ihren Höhepunkt: Die Alpen wurden aufgefaltet und angehoben, Intrusionen wie die Granite des Rieserferner-Massivs entstanden, und die Dolomiten wurden emporgehoben. Im Paläogen wurde der Tethys-Ozean zusammengeschoben. Die Ablagerungen der Dolomitenregion wurden verfaltet und übereinandergeschoben. Erste Formen der heutigen Dolomitenberge zeichneten sich ab. Im Neogen fand eine starke Gebirgsbildung mit der Hebung der Dolomiten statt. Steile Gipfel und schroffe Felswände entstanden durch Überschiebungen und Brüche.

In Südtirol treffen infolgedessen zwei tektonische Großstrukturen, das Ostalpin und das Südalpin zusammen. Im Südalpin bildet das kristalline Grundgestein das unterste Stockwerk, das aus vaiszisch niedriggradig metamophen Einheiten, vor allem Quarzphyllit besteht.

Darüber entstand im Perm aufgrund magmatischer Ereignisse im Brixner Raum der Brixner Granit und in Bozen und im Bozner Unterland der Quarzporphyr. Ebenso kam es im Perm zur Sedimentation des Grödner Sandsteins, ehe in der Trias das Dolomitgestein entstand.

Die perisdriatische Naht ist in geologischen Karten klar ersichtlich:

Geologie Südtirols: Geologische Karte der Republik Österreich im Bereich Südtirol

Das Ostalpin besteht hingegen aus dem kristallinen Grundgebirge und daraus folgend vorwiegend aus metamorphen Gesteinen wie Gneisen und Glimmerschiefern und metamorphen Sedimentgesteinen, etwa im Ortlerbereich, wo Dolomitgestein metamorph überprägt wurde und verdunkelte.

Der Hauptdolomit verfügt über einen deutlich geschichteten Aufbau mit grundsätzlich starker Zerklüftung, die vielfach mit Calcit verheilt ist. Das Gestein ist hart und spröde.

Im Bereich der Nordalpen, die zu den Ostalpen gehören, sind die Dolomiten stark geklüftet, weil diese durch die Faltung beeinflusst sind, sodass sich keine massiven Wände aus Dolomitgestein ausbilden, sondern vorwiegend Gipfel aus Dolomit.

Im Bereich der Südalpen ist die Faltung weniger stark ausgeprägt, weshalb bei günstiger Kluftlage die eindrucksvollen Gebirgszüge entstehen konnten. Im Gegensatz zu Kalkstein ist Dolomitgestein weniger anfällig für Verkarstung, sodass sich klare Konturen ergeben.

Im Quartär kühlte sich das globale Klima derart ab, dass diverse Eiszeiten entstanden. Die Eiszeiten prägten unsere gewachsenen Landschaften wesentlich. Glazial geprägte Sedimente sind folglich im Alpenvorland landschaftsprägend, aber auch wichtige Grundwasserspeicher.

Quartäre Lockergesteine sind unterschiedlicher Herkunft und umfassen in der Regel alle Transportmechanismen, nämlich äolisch, fluvial, glazial und gravitativ. Grundsätzlich ist das Gesteinsmaterial unserer Landschaften von verwittertem Material überdeckt, das durch gravitative Bewegungen oder Fließbewegungen abgelagert wurde.

Das Quartär wird grundsätzlich in das ältere Pleistozän und in das jüngere Holozän unterteilt. Das Holozän ist das jüngste Erdzeitalter und wird auch als Nacheiszeitalter bezeichnet. Folglich sind Moränenschutt, Findlinge, dem Pelsitozän zuzuordnen, während Bachschotter, Schuttkegel, Moore oder Flussauen dem Holozän zuzuordnen sind.

Die geologische Zeitskala

Präkambrium: Vor über 541 Millionen Jahren

Paläozoikum (Erdaltertum): 541 bis 252 Millionen Jahre vor heute

  • Kambrium: 541 bis 485 Millionen Jahre vor heute
  • Ordovizium: 485 bis 444 Millionen Jahre vor heute
  • Silur: 444 bis 419 Millionen Jahre vor heute
  • Devon: 419 bis 359 Millionen Jahre vor heute
  • Karbon: 359 bis 299 Millionen Jahre vor heute
  • Perm: 299 bis 252 Millionen Jahre vor heute

Mesozoikum (Erdmittelalter): 252 bis 66 Millionen Jahre vor heute

  • Trias: 252 bis 201 Millionen Jahre vor heute
  • Jura: 201 bis 145 Millionen Jahre vor heute
  • Kreide: 145 bis 66 Millionen Jahre vor heute

Känozoikum (Erdneuzeit): 66 Millionen Jahre bis heute

  • Pälogen: 66 bis 23 Millionen Jahren vor heute
    • Paläozen: 66 bis 56 Millionen Jahre vor heute
    • Eozän: 56 bis 34 Millionen Jahre vor heute
    • Oligozän: 34 bis 23 Millionen Jahre vor heute
  • Neogen: 23 bis 2,6 Millionen Jahre vor heute
  • Quartär: 2,6 Millionen Jahre bis heute

Literatur:

[1] Volkmar Stingl und Volkmar Mair: „Einführung in die Geologie Südtirols“, Autonome Provinz Bozen, Bozen 2005

[2] Adrian Pfiffner: „Geologie der Alpen“, UTB Verlag, Stuttgart 2024

3 Antworten zu „Die Geologie Südtirols“

  1. Avatar von Geologie der Erdpyramiden am Ritten, in Toblach und in Segonzano – Demanega

    […] Erdpyramiden [1] Die Geologie Südtirols […]

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  2. Avatar von Waalwege im Vinschgau – Demanega

    […] befasst sich mit der künstlichen Bewässerung im oberen Vinschgau. Die Grundlage stellt die Geologie dar, die wie folgt zu charakterisieren […]

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  3. Avatar von Geologie der Dolomiten – Demanega

    […] Deckenstapel und Periadriatische Linie [2] Die Geologie Südtirols […]

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