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Cisleithanien und Transleithanien: Anfang vom Ende Habsburgs

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Der Begriff „Cisleithanien“ bezeichnet die österreichische Reichshälfte der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn, also die Länder „diesseits der Leitha“. Diese Reichshälfte entsprach im Wesentlichen dem deutschen Teil.

Cisleithanien bezeichnete den österreichischen Teil der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn, die 1867 im Ausgleich mit Ungarn gegründet wurde. Der Begriff leitet sich von der Leitha ab, der symbolisch die Grenze zwischen dem österreichischen und dem ungarischen Reichsteil markierte. „Cis-“ bedeutet „diesseits“, also „diesseits der Leitha“ – aus der Perspektive Wiens betrachtet. Der andere Teil der Doppelmonarchie war Transleithanien, also „jenseits der Leitha“, der ungarische Reichsteil mit Budapest als Zentrum.

Die Leitha entspringt in Niederösterreich, nahe Ebenfurth, und fließt dann in südöstlicher Richtung entlang der Grenze zwischen den Bundesländern Niederösterreich und dem Burgenland, bevor sie in Ungarn bei Mosonmagyaróvár in die Donau mündet.

Cisleithanien war kein offizieller Staatsname, sondern ein gebräuchlicher politisch-geografischer Begriff für den österreichischen Teil der Habsburgermonarchie nach 1867, ein komplexes Vielvölkergebilde mit tiefgreifenden sozialen, nationalen und politischen Spannungen.

Die offizielle Bezeichnung lautete „Die im Reichsrat vertretenen Königreiche und Länder“ und bezieht sich auf das gemeinsame Parlament dieser Länder, den Reichsrat in Wien, aus dem die Länder der Ungarischen Krone 1867 im Zuge des Ausgleichs ausgeschieden waren.

Cisleithanien (rot), Transleithanien (blau) und Bosnien und Herzegowina (gelb) – Wikipedia, gemeinfrei

Seit dem Februarpatent von 1861 verfügte jedes Kronland Cisleithaniens über einen eigenen Landtag, also ein regionales Parlament mit begrenzter Gesetzgebungs- und Mitspracherechte auf Landesebene.

Die Kronländer Cisleithaniens umfassten die österreichischen Erblande (Erzherzogtum Österreich unter der Enns, Erzherzogtum Österreich ob der Enns, Herzogtum Kärnten, Herzogtum Krain, Herzogtum Salzburg, Herzogtum Steiermark, Gefürstete Grafschaft Tirol, Land Vorarlberg, Gefürstete Grafschaft Görz und Gradisca, Reichsunmittelbare Stadt Triest und ihr Gebiet Markgrafschaft Istrien), die Länder der Böhmischen Krone (Böhmen, Mähren, Schlesien) sowie Galizien, Bukowina und Dalmatien.

Das heutige Burgenland war bis 1921 integraler Teil des Königreichs Ungarn, also der transleithanischen Reichshälfte innerhalb der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Infolgedessen wurde das Burgenland als „Deutsch-Westungarn“ bezeichnet.

Bosnien und Herzegowina war ein k.u.k. Kronland mit Sonderstatus, weder Teil von Cisleithanien noch Transleithanien, sondern ein „gemeinsames Land“ der Doppelmonarchie mit eigener Verwaltung.

Cisleithanien war das politische Spielfeld der freiheitlichen Bewegungen, die versuchten, eine deutsch geprägte Verfassungskultur durchzusetzen.

Kakanien ist ein spöttischer, salopper Begriff, der vor allem von Zeitgenossen (und später Historikern) verwendet wurde, um das gesamte kaiserliche Österreich-Ungarn zu beschreiben, also beide Reichshälften zusammen (Cisleithanien und Transleithanien). Der Name spielt auf die Bürokratie (kaiserlich-königlich = „k. k.“ bzw. k. u. k.) und die oft als schwerfällig empfundenen Strukturen der Monarchie an, die zu Ende des 19. Jahrhunderts überlebt waren.

Der Begriff „Kakanien“ entstammt aus der satirischen Feder des Schriftstellers Robert Musil, der ihn in seinem Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“ (1921/22) prägte.

Die Teilung der Habsburgermonarchie in Cisleithanien und Transleithanien im Jahr 1867 war einerseits ein Versuch, das Reich zu stabilisieren, andererseits kann sie im Rückblick auch als Anfang vom Ende der Habsburgermonarchie gedeutet werden. Habsburg war als Vielvölkerstaat gescheitert. Der Monarchie gelang es nicht, ein einheitliches nationales Narrativ oder ein modernes, integratives Staatsmodell zu entwickeln, sondern ging an den inneren Widersprüchen zugrunde.

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