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Die „heilige“ Brennergrenze und ihre machtpolitische Relevanz

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Auf italienischer Seite wirft man ungeliebten politischen Tendenzen seit jeher „Pangermanismus“ vor, um diese dadurch in Verruf zu bringen. Bezeichnend war Giulio Andreottis Bemerkung anlässlich des Tiroler Gedenkjahres 1984, die deutsche Einigung sei zur Unterbindung pangermanischer Tendenzen zu verhindern. Realpolitisch gibt es allerdings keinen, wie auch immer gearteten, Pangermanismus mehr.

„Risorgimento“ und „Irredenta“ verlangten hingegen auf italienischer Seite nichts anderes als die politische Vereinigung aller Länder, die sich auf die gleiche Sprache und Kultur beziehen, entspricht folglich der Verwirklichung des Panitalianismus. Mit der Annexion nicht-italienischer Gebiete sollte der Panitalianismus sogar in Richtung Imperialismus übersteigert werden.

Der Begriff der Panbewegungen oder Pannationalismen (von der griechischen Vorsilbe „pan“ für „all“ kommend) bezeichnet politisch-kulturelle Bewegungen, die sich zum Ziel setzen, die Vereinigung aller Angehörigen einer bestimmten Ethnie, Kultur, Religion oder Sprachgruppe voranzutreiben.

Ironie der Geschichte ist: Während von italienischer Seite die Überwindung der Brennergrenze als „Pangermanismus“ bezeichnet wird, entspricht deren Aufrechterhaltung einem übersteugerten Pannationalismus. Freilich, das Aufrechnen führt heute zu nichts und es gilt demokratische Lösungen europäischer Gesinnung umzusetzen. Mit der Geschichte gilt es sich ehrlich auseinanderzusetzen.

In Südtirol werden in der Deutung des italienischen Nationalismus durchwegs eklatante Fehler begangen. Der übertriebene Nationalismus ist keine Konsequenz des italienischen Faschismus; der letztere griff den vorhandenen Nationalismus lediglich auf und übersteigerte ihn innerhalb einer autöritären Herrschaftsform. Infolgedessen gibt es den italienischen Nationalismus vor, mit und nach dem Faschismus.

Die Brennergrenze als „natürliche“ Grenze Italiens reift in der italienischen Literatur als ein „Schirm der Alpen“ heran, welcher relativ vage durch Dante oder Petrarca in den Raum gestellt wurde, folglich mehr eine mystische Angelegenheit als konkrete Wirklichkeit war. Italienische Nationalisten bemühten griechische und römische Literaten, um einen vermeintlichen Anspruch auf die Brennergrenze zu begründen.

Der kritische Moment in der Südtirolgeschichte war (wohl) die 1810 erfolgte politische Angliederung Südtirols an Italien, die durch Napoleon vollzogen wurde. Das „Dipartimento dell’Alto Adige“ umfasst das Gebiet südlich von Bozen, wurde mit dem Wiener Kongress wieder aufgehoben, etablierte aber erstmals einen machtpolitischen Anspruch Italiens in Tirol.

Eugène de Beauharnais, italienischer Vizekönig, hält 1810 fest: „Die rechte Grenze ist diejenige, die von der Natur selbst gezogen wird, wo die Gewässer der Adria von denen des Schwarzen Meeres und wie Bonaparte selbst billigte“.

Giuseppe Frapporti, ein Trentiner Professor, veröffentlichte 1840 das Buch „Storia e condizione del Trentino nell’antico e nel medio evo“, in welchem er die alpine Wasserscheide als Grenze zwischen Italien und Deutschland definierte und das Pustertal, Eisacktal und Vinschgau als „Oberes Trentino“ bezeichnete. Frapporti war auch der erste, der eine Revision der deutschen Ortsnamen konzipierte und erfundene italienische Ortsnamen aus dem Lateinischen ableitete.

Die kühne Idee eines Italiens bis zum Brenner war (wohl) geboren.

Giuseppe Garibaldi (1807 – 1882) trat 1833 dem von Giuseppe Mazzini (1805 – 1872) gegründeten Geheimbund Giovine Italia (Junges Italien) bei, innerhalb dessen Mazzini neben sozialistischen Ideen eine gesamtitalienische republikanische Erhebung forderte.

Ab 1859 agierte Giuseppe Garibaldi mit seinen 3.000 „Cacciatori delle Alpi“ militärisch und kämpfte gegen Österreich. Fortan kämpfte Garibaldi in Süditalien und zog mit seinem „Zug der Tausend“, den Rothemden, nach Sizilien. Die Vorgangsweise war teilweise brutal. 1860 begürßte der König von Sardinien-Piemont, Viktor Emanuel II., Garibaldi in Neapel als „König von Italien“.

In der Folge werden zahlreiche Forderungen Italiens nach dem Brenner erhoben, die im Bereich des Phantastischen bleiben, Giuseppe Mazzini proklamiert die Brennergrenze. Die 1866 vollzogene Einheit Italiens lässt Ansprüche auf den Brenner zwar in den Hintergrund treten, der Irredentismus gärt aber weiterhin und vermischt sich mit einem imperialistischen Nationalismus.

Für Giuseppe Garibaldi war der Brenner das letzte Ziel einer Abfolge von Etappen, eines Marsches von Neapel, Rom und Venedig bis zu den Alpen an der Etsch und in den Dinarischen Alpen. Garibaldi formuliert: „Möge Italien eins sein von Agrigent bis zum Brenner“. Garibaldi war zwar grundsätzlich ein Verfechter des Selbstbestimmungsrechtes der Völker, glaubte andererseits aber auch an die „natürlichen“ Ansprüche der italienischen Nation.

Die Agitation Garibaldis blieb in Tirol nicht unbemerkt. Dass Garibaldi zum deutschen Schützenfest 1862 in Frankfurt eingeladen wurde, bewegte die Tiroler Schützen dazu, dagegen zu intervenieren.

Giuseppe Mazzini initiierte zwar bereits ab 1834 den Zusammenschluss jener Bewegungen, die sich für die „Herrschaft der Völker“ einsetzten, nämlich das Junge Italien, das Junge Deutschland oder das Junge Polen, zu einem Zusammenschluss im Sinne des „Jungen Europa“. Letztlich betrachtete Garibaldi aber die realpolitischen deutschen Einigungsversuche als „Bedrohung“.

Die Irredenta hatte – eigentlich – das berechtigte Ziel eines freien italienischen Nationalstaates zum Inhalt und wollte alle Italiener in einem Staat vereinen. Der Anspruch auf italienische Gebiete, die (noch) unter der Herrschaft Habsburgs standen, war berechtigt. Diese berechtigten Forderungen wurden allerdings mit chauvinistischen Untertönen belegt. In einem Appell der Irredentisten heißt es: „Jagt die fliehenden Fremden über den Brenner, die natürliche Grenze der Halbinsel Italien! Es lebe die große Mutter Italia! Es lebe die Region. Es lebe die italienische Freiheit!“

Das Vereinswesen

Befasst man sich mit der Habsburgermonarchie, wird deutlich, dass der Vielvölkerstaat in Anbetracht eines wachsenden nationalen Erwachens im 19. Jahrhundert die Interessen seiner vielfältigen Volksgruppen wenig bis gar nicht mehr bedienen konnte. Dieses berechtigte Unbehagen gegen das Imperium der Habsburger war sowohl bei den nichtdeutschen Völkern und Volksgruppen als auch bei der deutschen Volksgruppe berechtigt.

Die nichtdeutschen Volksgruppen erachteten die Donaumonarchie als ethnisch „fremd“. Die deutsche Volksgruppe erachtete die Donaumonarchie von ihrem Wesen her zunehmand fremd. Eine Monarchie war mit der Souveränität der Völker unvereinbar. Hinzu kommt, dass die Habsburgermonarchie auch die deutsche Volksgruppe zunehmend im Stich ließ, sich vorwiegend nur noch um dynastische Interessen kümmerte: „Das Gefühl, beim Staat keinen Rückhalt mehr zu finden, ließ die Deutschen in Österreich nach Wegen und Formen des Selbstschutzes suchen“ [3].

Daraus folgend entstanden die „Deutsche Schulgesellschaft zu Innsbruck“, der „Deutsche Verein“, der „Deutsche Schulverein“ und der „Allgemeinen Deutsche Schulverein“, welche sich für den Erhalt der deutschen Sprache und Kultur in den gefährdeten Gebieten einsetzten. Der Verein „Südmark“, der 1890 in Graz gegründet wurde, setzte sich daran, finanzielle Unterstützungen zu gewähren.

In diesem Vereinswesen, das aus dem Bewusstsein heraus notwendig wurde, dass die Habsburgermonarchie die Belange der deutschen Volksgruppe gröbstens vernachlässigte, wirkte der freiheitliche Bozner Bürgermeister Julius Perathoner, der sich im Deutschen Schulverein Bozen sowie im Bozner Turnverein betätigte. In diesem Kontext sind auch die Schülerverbindungen und Studentenverbindungen zu betrachten, die ihrem Auftrag für Volk und Heimat gerecht wurden und der Monarchie ohnehin feindlich gegenüber standen. Julius Perathoner wurde 1901 Ehrenbursch der pennalen Burschenschaft Gothia Bozen.

Die Gründung von deutschen Vereinen löste Gegengründungen auf italienischer Seite aus, wie den Verein „Pro Patria“ oder die „Lega Nazionale“, welche sich dem entgegengesetzten Bestreben widmeten und italienische Schulen gründeten. In einem bedrängten Gebiet wie dem Südtiroler Unterland ereigneten sich ethnisch bedingte Agitationen.

Im Jahre 1877 gründete der Süditaliener Matteo Renato Imbriani die „Associazione in pro dell’Italia Irredenta“ mit dem Leitspruch „Ohne Alpen und Adria gibt es kein Italien“. Die „Italia Irredenta“, die erste größere Vereinigung ihrer Art in Europa, wurde zum Sammelbecken und Ausgangspunkt der irredentistischen Bewegung.

Die Brennergrenze

Die Fiktion, Italien stelle den politischen, wirtschaftlichen und militärischen Nachfolger des Römischen Reiches dar, beflügelte die Phantasie der Irredentisten.

Zentral war auf italienischer Seite die militärgeographische oder geopolitische „Notwendigkeit“, die Brennergrenze zu vereinnahmen. Zu diesem Zweck wurde unter anderem die fragwürdige Wasserscheidentheorie entwickelt. Flankiert wurden die geographischen Thesen, die an und für sich unhaltbar waren, durch:

  • Ethnographische Argumente
  • Geschichtskundliche Argumente
  • Kulturgeschichtliche Argumente
  • Namenskundliche Argumente.

Einer der eifrigsten Vorbereiter der Brennergrenze war der aus Rovereto stammende Geograph, Historiker und Sprachwissenschaftler Ettore Tolomei. Die Familie stammte eigentlich aus der Toskana.

Ettore Tolomei greift die Brennergrenze neu auf und stellt sich dabei den „Salurnisten“ („salornisti“), also denjenigen, die sich im Sinne der Irredenta wie Cesare Battisti auf eine Grenzziehung bei Salurn beziehen, eine Abfuhr: „Es gibt das Testament von Garibaldi und all seiner Unterstützer, die auf die höchste Notwendigkeit der Integration hinweisen, Italien bis zu den Alpen zu erweitern“.

Tolomei studierte Geschichte, Geographie und Sprachwissenschaften in Florenz und Rom und gab ab 1890 die Zeitschrift „La nazione italiana“ heraus. Tolomei übersetzte und erfand zum Zwecke der Italianisierung italienische Ortsnamen und präsentierte mit dem Rassentheoretiker Giovanni Preziosi ein Assimilierungsprogramm für die Südtiroler.

Im Konkreten wurde durch Tolomei eine Politik mit den Namen sowie ein Spiel mit den Zahlen betrieben, um jene Fakten zu schaffen, die die Brennergrenze später politisch durchsetzen sollten. Das Spiel mit den Zahlen lief auf die Uminterpretatiom von Volkszählungsergebnisse hinaus, wobei Tolomei die Gemischtsprachigkeitsthese entwickelte, wonach mehr als die Hälfte der Südtiroler oberflächlich germanisierte Italiener seien.

Tolomei propagierte die Zerstörung Österreich-Ungarns, aus der besonders die erlöste italienische Nation als Sieger hervorgehen sollte. „Brenner und Trient werden wir nie ohne Krieg bekommen. Es lebe der Krieg / Il posesso del Brennero e il posesso di Trento non l’avremo mai senza guerra. Viva la sacra guerra!”

Im faschistischen Italien wurde Tolomei Senator auf Lebenszeit, auch nach dem Zweiten Weltkrieg behielt er diese Rolle bei und fungierte als Regierungsberater.

Letztlich zählte die Machtpolitik

Die Idee des „Selbstbestimmungsrechtes der Völker“ geht im Wesentlichen auf den US-amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson zurück, der darin einen ideologischen Kreuzzug gegen die Monarchie und gegen autokratische Staatsformen sah.

Wilson ist allerdings nicht nur jener US-Präsident, der die Selbstbestimmung im demokratischen und progressiven Sinne forcierte, sondern der letztlich den Kriegseintritt der USA bewirkte.

Einerseits waren die Entente-Mächte Großbritannien und Frankreich in ihrer Kriegsführung von amerikanischen Geldern abhängig und drängten ihrerseits auf einen amerikanischen Kriegseintritt. Andererseits stellten die aristokratischen Ordnungen in Europa für Wilson ein Feindbild dar. Inbesondere das deutschen Kaiserreich stand mit seinem militärisch aggressiven Vorgehen gegen maritime britische Handelsblockaden auf der amerikanischen Abschussliste, womit sich wirtschaftliche und politische Ziele trafen.

Die russische Februarrevolution gab den USA im Februar 1917 den Anschein, es würden Prozesse der Liberalisierung stattfinden, indem das liberale „Ende der Geschichte“ frühzeitig eintreten würde. Als Feind verblieb aus US-amerikanischer Sicht im Sinne einer neuen Weltordnung die „preußische Aristokratie“. Grundzüge späterer US-Politik wurden evident: Es ging um nicht mehr und nicht weniger als um einen „regime change“ oder „Regimewechsel“. Die Monarchie Österreich war in dieser geopolitischen Konstellation höchstens eine träge Großmacht, die in ihrem Inneren längst überlebt war, und das „alte Europa“ verkörperte.

US-Präsident Wilson wurde unmittelbar nach dem Kriegseintritt im April 1917 über den Geheimvertrag informiert, den die Entente (Großbritannien, Frankreich und Russland) 1915 mit Italien abgeschlossen hatte und der territoriale Zugeständnisse auf Kosten Österreichs sowie auf Kosten des Osmanischen Reiches vorsah. Abgeschlossen wurde der Londoner Geheimvertrag am 26. April 1915. Wilson war der Meinung, dass diese Zugeständnisse letztlich nicht schlagend werden würden, weil die US-Amerikaner ohnehin alle europäischen Verbündeten finanziell in der Hand hatten.

Der Historiker Eckart Conze hält in Bezug auf Wilson fest: „Der amerikanische Nationalismus, den Wilson repräsentierte, formte sich im Anspruch auf amerikanische Weltgeltung internationalistisch aus. Nationalismus und Internationalismus widersprachen sich nicht, sondern waren politisch miteinander verflochten. Den Einfluss der USA schmälerte das nicht, er wuchs vielmehr – auch wenn sich das Land dagegen sträubte, seine internationale Führungsrolle anzunehmen“ [4].

Das ist eine interessante Festlegung: Die USA verkörperten Nationalismus und Internationalismus zugleich.

1917 ergaben sich in Europa gleich zwei Revolutionen: Erstens, die „Weltdemokratie“ US-amerikanischer Prägung, die dem amerikanischen puritanischen Moralismus resultiert, der nur in der Abgeschiedenheit der nordamerikanischen Halbinsel kultiviert werden konnte. Zweitens, der „Weltbürgerkrieg“ sowjetischer Richtung, der sich mit der bolschewistischen Oktoberrevolution 1917 abzeichnete, entgegen aller liberaler Hoffnungen oder Illusionen.

Die 14 Punkte von Woodrow Wilson umfassen die amerikanische Vision einer Neuordnung der Welt im liberalen Gewand, beenden Kolonialismus und Imperialismus aber explizit nicht. Die USA manövrierten sich in die globale politische Führungsrolle hinein. Das Selbstbestimmungsrecht bei Wilson ist ohnehin im Kontext der Definition von „Nation“ und „Volk“ zu betrachten. Entgegen eines deutschen Verständnisses von Volk geht es im amerikanischen Sinne vielmehr um eine politische Gemeinschaft von Bürgern, die sich selbst regieren wollen.

Die Idee Wilsons nach Selbstbestimmung musste letztlich den realpolitischen Kriegszielen alliierter Politiker weichen. Infolgedessen war Wilsons Selbstbestimmung mehr eine idealistisches bis romantisches Programm einer Neuordnung und keine realpolitische Festlegung. Mit der Idee von Selbstbestimmung geht auf jeden Fall das Abschütteln der Autokratie im Sinne der „volonté générale“ einher. Es wäre in der Folge unsinnig, das Recht auf Selbstbestimmung auf monarchische Konzepte zu beziehen, weil dadurch das Subjekt der Selbstbestimmung, das souveräne Volk, konterkariert wird. Wie immer benötigte der US-Imperialiamus große moralische Ziele, um die wirtschaftlichen Interessen zu verschleiern.

In Südtirol waren 1918, wie auch in den folgenden Jahrzehnten, machtpolitische Hintergedanken stets wichtiger als idealpolitische Zielsetzungen. Und das ist auch der Stoff, aus dem die Weltpolitik gemacht wird: Staaten haben keine Freunde, sondern nur Interessen. Wer sich auf Ebene der Interessen durchsetzen will, muss sich im politischen Umfeld zu bewegen wissen.

Am 4. November 1918 wurde ein provisorischer Nationalrat für Deutsch-Südtirol gebildet und am 16. November die „Unteilbare Republik Südtirol“ proklamiert, die durch die italienischen Truppen aufgelöst wurde. Ein „Freistaat“ ist historisch gesehen ein Synonym für eine Republik, unterstellt ein Staatswesen, das im Gegensatz zur Monarchie auf Freiheit gründet.

In Italien betrachtete man den Ausgang des Ersten Weltkriegs mit gemischten Gefühlen. Der Begriff “Vittoria Mutilata” („verstümmelter Sieg“) stammt aus der italienischen Nachkriegszeit nach dem Ersten Weltkrieg und beschreibt das Gefühl vieler Italiener, dass ihr Land trotz des Sieges nicht die versprochenen Gebietsgewinne erhielt. Italien legte nach dem Ersten Weltkrieg besonderen Wert auf den Erhalt Südtirols, insbesondere weil es andere versprochene Gebiete, wie die Dalmatinische Küste, nicht bekam.

Nach dem Krieg erhielt Italien infolgedessen Südtirol, Trentino und Istrien (Vertrag von Saint-Germain 1919). Die Dalmatinische Küste ging an das neu gegründete Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (später Jugoslawien), Italien bekam nur einige kleine Inseln.

Teil 1 der geopolitischen Auseinandersetzung mit Südtirol befasst sich mit der Annexion Südtirols durch Italien. Teil 2 wird sich mit den geopolitischen Zusammenhängen nach 1945 befassen.

Literatur:

[1] Studi risorgimentali: „Il confine d’Italia al Brennero“ (Link)

[2] Josef Fontana: „Walter Freiberg – Südtirol und der italienische Nationalismus“, Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 1994

[3] Josef Fontana: „Das Ringen um die Erhaltung des Deutschtums im Unterland und Altösterreich“ in „Das Südtiroler Unterland“, Athesia Verlag, Bozen 1980

[4] Eckart Conze: „Die große Illusion – Versailles 1919 und die Neuordnung der Welt“, Siedler Verlag, München 2018

[5] Siglinde Clementi and Gustav Pfeifer: „Tirol – Trentino: eine Begriffsgeschichte / semantica di un concetto“, Arbeitsgruppe Regionalgeschichte, Bozen / Gruppo di ricerca per la storia regionale, Bolzano, Studienverlag, Bozen 2000

4 Antworten zu „Die „heilige“ Brennergrenze und ihre machtpolitische Relevanz“

  1. Avatar von Südtirol nach 1945: Selbstbestimmung oder Landesautonomie – Demanega

    […] Teil 1 der geopolitischen Auseinandersetzung mit Südtirol befasste sich mit der Annexion Südtirols durch Italien. Teil 2 befasst sich mit den geopolitischen Zusammenhängen nach 1945. Mit dem Ersten Autonomiestatut war das letzte Wort – noch nicht – gesprochen. […]

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  2. Avatar von Südtirol und die 1960er-Jahre: Aktivismus, Eskalation, Autonomie – Demanega

    […] Teil 1 der geopolitischen Auseinandersetzung mit Südtirol befasste sich mit der Annexion Südtirols durch Italien. Teil 2 befasste sich mit den geopolitischen Zusammenhängen nach 1945. Teil 3 befasst sich mit dem Südtirol-Aktivismus und dem Zweiten Autonomiestatut. […]

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  3. Avatar von Wer war Ferdinand Weller? – Demanega

    […] bekannt wurde, dass italienische Freischärler am Stilfser Joch einzumarschieren drohten und einen Anspruch auf den Brenner erhoben, bewegte er die Schützen von Burgeis, Schleis, Planeil und den anderen Orten des […]

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  4. Avatar von Die Verteidigung der Südgrenze Tirols 1848 – Demanega

    […] Im Zuge der Revolutionen von 1848 erwachte nicht nur das deutsche, sondern auch das italienische Nationalbewusstsein, drängte, unterstützt vom Königreich Sardinien-Piemont, darauf, die österreichische Fremdherrschaft in Oberitalien zu beendigen, stellte erste Ansprüche auf Tirol und die Brennergrenze. […]

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