Die Verkehrsmodellierung ist ein wesentlicher Bestandteil der Verkehrsplanung und -analyse, der dazu dient, das Verhalten von Verkehrssystemen vorherzusagen und zu verstehen. Durch die Modellierung können verschiedene Szenarien untersucht werden, um die Auswirkungen von Infrastrukturprojekten, Verkehrsmanagementstrategien und städtebaulichen Entwicklungen zu bewerten. Im Folgenden werden verschiedene Methoden der Verkehrsmodellierung ausführlich erläutert:
1. Makroskopische Verkehrsflussmodelle:
Makroskopische Modelle betrachten den Verkehr auf einer höheren Ebene und untersuchen den Fluss von Fahrzeugen über Straßenabschnitte oder Verkehrskorridore. Sie verwenden aggregierte Daten wie Verkehrsvolumina, Geschwindigkeiten und Dichten, um den Verkehrsfluss zu analysieren. Diese Modelle sind nützlich für die Untersuchung von Staus, Kapazitätsengpässen und allgemeinen Verkehrstrends.
2. Mikroskopische Verkehrsflussmodelle:
Mikroskopische Modelle betrachten den Verkehr auf individueller Fahrzeugebene und simulieren das Verhalten jedes Fahrzeugs im Verkehrssystem. Sie berücksichtigen Faktoren wie Fahrzeugtyp, Fahrerverhalten, Abstandshalten und Spurwechsel. Diese Modelle ermöglichen eine detaillierte Analyse von Verkehrsabläufen, Verkehrsstaus und Interaktionen zwischen Fahrzeugen.
3. Agentenbasierte Verkehrsmodellierung:
Agentenbasierte Modelle simulieren das Verhalten von einzelnen Agenten (z.B. Fahrzeugen, Fußgängern) und deren Interaktionen in einem Verkehrssystem. Jeder Agent verfügt über individuelle Eigenschaften, Ziele und Entscheidungsprozesse, die sein Verhalten im Verkehr beeinflussen. Diese Modelle ermöglichen eine realistische Darstellung von Verkehrsszenarien und können zur Untersuchung von komplexen Verhaltensweisen und emergenten Phänomenen verwendet werden.
4. Verkehrsnachfragemodelle:
Verkehrsnachfragemodelle untersuchen das Reiseverhalten von Personen und die Nachfrage nach Verkehrsdienstleistungen wie Autoverkehr, öffentlicher Verkehr und Fußgängerverkehr. Sie berücksichtigen Faktoren wie Bevölkerung, Einkommen, Preise, Reisezeit, Erreichbarkeit und persönliche Vorlieben, um die Nachfrage nach verschiedenen Verkehrsmitteln zu prognostizieren. Diese Modelle werden häufig zur Verkehrsprognose und zur Bewertung von Verkehrspolitiken verwendet.
5. Verkehrssimulationen:
Verkehrssimulationen sind computergestützte Modelle, die die dynamischen Abläufe im Verkehrssystem in Echtzeit oder im Zeitraffer simulieren. Sie verwenden Echtzeitdaten oder hypothetische Szenarien, um den Verkehrsfluss, Verkehrsstaus, Unfälle und andere Ereignisse im Verkehrssystem zu visualisieren und zu analysieren. Diese Modelle werden zur Bewertung von Infrastrukturprojekten, Verkehrsmanagementstrategien und Notfallplanung eingesetzt.
6. Integrierte Verkehrs- und Landnutzungsmodelle:
Integrierte Modelle kombinieren Verkehrs- und Landnutzungsdaten, um die Wechselwirkungen zwischen Verkehr und städtebaulicher Entwicklung zu untersuchen. Sie berücksichtigen Faktoren wie Bevölkerungswachstum, Wohn- und Arbeitsplatzstandorte, Verkehrsnachfrage und Infrastrukturinvestitionen, um langfristige Entwicklungsstrategien und Politikempfehlungen zu formulieren.
Heute liefern Software-Pakete wie PTV Visum oder PTV Vissim digitale Werkzeuge, um Verkehrsflüsse effizient und einfach zu modellieren. Ein Ingenieur ist allerdings angehalten, die theoretischen Prinzipien hinter Berechnungs-Tools nachvollziehen, zu interpretieren und optimieren zu können, um den Rückgriff auf eine „Black box“ zu verhindern. Infolgedessen ist eine theoretische Herangehensweise alternativlos.
Die verschiedenen Methoden der Verkehrsmodellierung bieten eine breite Palette von Werkzeugen und Techniken zur Analyse und Planung von Verkehrssystemen. Die Auswahl der geeigneten Methode hängt von den spezifischen Zielen der Untersuchung, den verfügbaren Daten und der Komplexität des Verkehrssystems ab. Durch den Einsatz von Verkehrsmodellen können fundierte Entscheidungen getroffen und effektive Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit, -effizienz und -nachhaltigkeit geplant werden.
Literatur:
[1] Michael Demanega: „Das Verkehrswertmodell als Grundlage für eine intelligente und transparente Verkehrsplanung am Beispiel Südtirols“, Technische Universität Wien 2017
[2] Werner Schnabel & Dieter Lohse: „Grundlagen der Straßenverkehrstechnik und der Verkehrsplanung: Band 2 Verkehrsplanung“, Beuth Verlag, Berlin 2011
[3] Werner Schnabel & Dieter Lohse: „Grundlagen der Straßenverkehrstechnik und der Verkehrsplanung: Band 1 Straßenverkehrstechnik“, Beuth Verlag, Berlin 2011


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