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Der Egetmann und die Fasnacht im Südtiroler Unterland

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Pflug und Egge („Eget“) bilden das Motiv des Egetmanns, der im Fasnachtsbrauchtum im Südtiroler Unterland zentral ist. Die „eget“ oder „egert“ bezeichnet den ungepflügt gelassenen Grund, der dem Ackerjahr folgt.

Kulturwissenschaftler bezweifeln einen Zusammenhang zu Fruchtbarkeits- und Frühlingskulten und weisen stattdessen eine Art humoristisches Volksschauspiel nach [1]. Wie dem auch sei:Eeines sind die belegbaren Quellen, etwas anderes der sich aufdrängende Zusammenhang zum Frühling, der weit über die Aussaat zentrale Bedeutung für die Menschen hat.

Im Mittelpunkt des Egetmannumzuges steht der „Egetmannhansl“, der Hochzeit feiert und infolgedessen das Handwerk und die Zünfte in die Zeremonie eingliedert.

Der Egetmannumzug findet in Tramin, wo das Brauchtum bis in die heutige Zeit erhalten blieb, in den ungeraden Jahren am Fasnachtsdienstag statt. Davon berichtet Anton Dörrer 1949 [3]. Zuvor luden die Burschen die Bevölkerung der umliegenden Dörfer ein. Die „Schnöller“ eröffneten den Zug, gefolgt von den Wegmachern, den Feldarbeitern und dem Pflug mit der Egge, der von Ochsen oder Schulbuben gezogen wurde, begleitet von Säern und Bauern.

Es folgte „allerhand Schnappviech“ [3], eine Musikbande und endlich der Egetmannhansl mit schwarzem Rock und Zylinder sowie dem Ausrufer und den Gehilfen. Verkündet wird das Protokoll mit allerlei Skurrilitäten und Anspielungen. Persönliche Anspielungen werden aufgrund unliebsamer Ereignisse inzwischen unterlassen [3].

Das Schnappviech (oder „Wudele“) ist eine drachenartige Figur mit Fell und Hörnern und stellt sicherlich die faszinierendste Fasnachtsfigur dar.

Daraufhin zieht die Schar der Masken nach, der Wildmann in Efeublättrern und der Jäger, der Schneider, die jammernde Burgl und ihr Burgltreiber, der Doktor Eisenbart auf dem Maulesel, die Zigeuner, der Schmied, der verschuldete Bauer in alter Tracht, den die Gläubiger verfolgen. Das Baden im Brunnen wird, so berichtet Anton Dörrer, aufgrund eines Todesfalles, der von einer Lungenentzündung rührte, inzwischen unterlassen.

In Salurn bestand der Egetmann aus einem „kolossalen Strohmann in lumpigen Bauernkleidern“. Der Egethansl wurde mit Wein getränkt, damit dieser nicht „derdurstet“. Die Egethans-Puppe wurde Heiratslustigen ans Fenster gestellt. Holzmasken oder Tierköpfe gab es nicht. Der „Nockenfresser“, der Nocken und Wein vertilgte sowie ein Streithandel zwischen Karrner und Sarner wurden vorgeführt.

Die Traditionen leben heute abgewandelt im „Perkeo“ fort. Der Zwerg Perkeo, der den Salurner Perkeoumzug („Perkeos Maschggra“) begründet, kam in Salurn zur Welt und wirkte als Hofzwerg am Heidelberger Hof. Heidelberg ist eine der ältesten deutschen Universitätsstädte, wodurch zahlreiche Studentenverbindungen (Burschenschaften, Corps, Turnerschaften, Landsmannschaften) gestiftet wurden, die mitunter auch das Lied „Perkeo“ kultivierten und weit über Heidelberg hinaus bekannt machten. „Alt-Heidelberg“ nimmt in der studentischen Tradition eine wesentliche Rolle ein, was auch filmisch rezipiert wurde (Alt-Heidelberg 1959).

In Kurtinig wurde der Umzug, der „Rüepl“, am letzten Fasnachtssonntag nach dem Kirchgang begangen. Vom Hof des Pfarrerseppls ausgehend, zogen der Schuster aus Salurn, die Maskengestalten ohne Larven, der Bauer mit dem Pflug, die Knechte mit der Eget („der Egetmann“), die Handwerker wie die Binder, Schneider, Schuster, Barbiere, Kellner mit dem „Panzele“ Wein, Saltner, der Doktor mit Diener, Spinnerinen, Wagner, Tanzbär und Treiber, Zigeuner und Kapuzinerpater mit „schellenlustigen Hanswursten“.

In Altrei bestand der Egerthansl aus einem Bräutigam, der vorerst einen schlecht gekleideten Strohmann bildete, später einen „salonmäßig gekleideten Burschen mit Zylinder“. Am Ende des Protokolls wird die Puppe einer Dorfschönheit aufs väterliche Dach gesetzt.

In Missian wurde am Fasnachtssonntag eine Puppe, die den Fasching darstellt, verbrannt. Aus Nals gibt es umfangreiche Aufzeichnungen zum Egetmannbrauch, der sich etliche Motive aus dem Vinschger Wildemannspiel zu eigen gemacht habe [3].

So bunt ist die Fasnacht in Südtirols Süden.

Literatur:

[1] Universität Innsbruck, Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie (Link)

[2] Südtiroler Kulturinstitut: „Jahrbuch des Südtiroler Kulturinstitutes, Band IX“, Verlagsanstalt Athesia, Bozen 1980

[3] Anton Dörrer: „Tiroler Fasnacht innerhalb der alpenländischen Winter- und Vorfrühlingsbräuche“, Österreichischer Bundesverlag für Unterricht, Wissenschaft und Kunst, Wien 1949

[4] Thomas Nußbaumer: „Fasnacht in Nordtirol und Südtirol. Von Schellern, Mullern, Wudelen, Wampelern & ihren Artgenossen“, Löwenzahn Verlag in der Studienverlag Ges.m.b.H., Innsbruck 2010

Eine Antwort zu „Der Egetmann und die Fasnacht im Südtiroler Unterland“

  1. Avatar von Über Sonnwendbräuche und böse Geister in Tirol – Demanega

    […] Fasnacht bemerkt Heribert von Salurn: „In der Fasnacht vermainen die Weltvögl; das Bier sey offen, es sei alles erlaubt, was einem zuthun gelustet. Wann […]

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