In den verschneiten Tälern und Dörfern Südtirols ist Weihnachten mehr als ein Fest. Es ist eine Zeit, in der sich die kulturellen, religiösen und historischen Wurzeln der Region in einzigartiger Weise offenbaren.
Die Kunst der Weihnachtskrippe
Ein zentrales Element der Südtiroler Weihnacht ist die Krippe. Die Tradition der Weihnachtskrippe entsteht im Spätmittelalter in Italien. In Rezeption des Konzils von Trient (1545–1563) und bedingt durch die Gegenreformation verbreiten Jesuiten, Serviten und Franziskaner die Krippendarstellungen.
Im 17. Jahrhundert gelangte die Tradition des Krippenbaus nach Tirol und entwickelte sich zu einer der feinsten Kunstformen der Region. Insbesondere die Grödner Holzschnitzer heben sich hervor. Die Krippen, oft in aufwendiger Handarbeit aus Holz geschnitzt, erzählen nicht nur die Weihnachtsgeschichte, sondern spiegeln auch das bäuerliche Leben wider ubd haben dadurch einen regionalen Bezug.
Krippenmuseen bestehen in Luttach oder als Krippenmuseum Brixen als Teil des Diözesanmuseums in der Hofburg von Brixen. In den Gassen in St. Pauls bei Eppan sind zur Weihnachtszeit historische Krippen ausgestellt.
Adventsmärkte als kulturelle Treffpunkte
Die Südtiroler Weihnachtsmärkte sind nicht nur ein Ort des Handels, sondern auch des kulturellen Austauschs. Bozen, Meran und Brixen beherbergen die bekanntesten Märkte, doch es sind oft die kleineren, wie in Glurns, Klausen oder Kastelruth, die das historische Erbe besonders authentisch vermitteln.
Hier werden – neben allerlei Kitsch – traditionelle Handwerkskünste gepflegt. Diese Märkte sind lebendige Zeugnisse des Südtiroler Kunsthandwerks, das auf jahrhundertealten Traditionen beruht und bis heute ein wichtiger Teil der regionalen Identität ist.
Musik und Spiritualität
Die Musik spielt in der Adventszeit eine besondere Rolle in Südtirol. Die Adventskonzerte, die in historischen Kirchen und Klöstern wie dem Kloster Neustift oder der Hofburg in Brixen stattfinden, sind tief von der alpenländischen Musiktradition geprägt. Da und dort gestalten Musikkapellen, Blechbläser oder Stubenmusik die alpenländische Weihnacht.
Insgesamt vermischen sich vorchristliche und christliche Elemente zum Weihnachtsfest.
Lebendige Traditionen
Neben der Kunst sind es die lebendigen Bräuche, die die Weihnachtszeit in Südtirol prägen. Der Nikolausbrauch, begleitet von den Krampussen, oder die traditionellen Räucherrituale zwischen den Rauhnächten, erinnern an die enge Verbindung von christlicher Religion und vorchristlichen Bräuchen.
Der Adventskranz, der mit seinen grünen Tannenzweigen eine starke Symbolik hat, begleitet die ganze Weihnachtszeit, ehe der Christbaum, die grüne Tanne, die Natur in die Stube bringt.
Das Christkind bringt am Abend des 24. Dezember die Geschenke. Kindermessen, Abendmessen und die Christmette zieren den Heiligen Abend. Das Lied „Stille Nacht“ darf nicht fehlen. Fällt dann auch noch Schnee, ist der weiße Weihnachtszauber perfekt.
Daraufhin folgen Jahresende, das Räuchern und die Sternsinger oder Drei Könige, ehe die Fasnacht in Tirol beginnt.
Weihnachten als Spiegel der Geschichte
Die Weihnachtszeit in Südtirol ist tief mit der Geschichte der Region verwoben. Dieses Erbe zeigt sich nicht nur in den Weihnachtsritualen, sondern auch in der Architektur, der Sprache und den kulinarischen Traditionen der Region.
Ein kulturelles Gesamtkunstwerk
Weihnachten in Südtirol ist ein Fest, das weit über das Religiöse hinausgeht. Es ist ein lebendiges Gesamtkunstwerk, das Kunst, Kultur und Geschichte vereint. Die Weihnachtszeit wird nicht als flüchtiges Ereignis, sondern als tief verwurzeltes kulturelles Ritual erlebt.
Wesentlich ist die Zeit in der Familie, in der Dorfgemeinschaft, unter Freunden, das Zusammensein und das Zusammenhalten, gerade unter denen, die durch Abstammung und gemeinsamen Willen eine Einheit bilden.


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