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Wintersonnenwende

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Nacht des Winters, Nacht der Wende!
Allem Dunkel ist ein Ende,
allem Leid ein Ziel gesetzt.
Über hohen Waldesbäumen
leuchten Sterne Kinderträume,
dass kein Unheil sie verletzt.

Nacht des Winters, helle Feuer
leuchten dir, dass bald ein neuer,
heller Morgen uns erfreut.
Hinter kaltem Winterschweigen
wird das Frühlingslicht aufsteigen,
denn das Licht lebt alle Zeit!

Hans Bahrs

Die Wintersonnenwende tritt jedes Jahr zwischen dem 20. und 23. Dezember (auf der Nordhalbkugel) ein. Sie markiert den kürzesten Tag und die längste Nacht des Jahres. Ursache ist die Neigung der Erdachse um 23,5 Grad, die dazu führt, dass die Sonne an diesem Tag ihren tiefsten Stand über dem Horizont erreicht.

Sie ist für das Erleben der Jahreszeiten zentral und infolgedessen ein Phänomen, das nicht nur die Ökosysteme, sondern auch die menschlichen Kulturen entscheidend geprägt hat und tief in das kulturelle Bewusstsein eingedrungen ist.

Die Wintersonnenwende wurde oft als Zeit der Wiedergeburt des Lichts gefeiert. Die rituelle Ausrichtung zur Sonne unterstreicht, dass die frühen Kulturen den Lauf der Sonne nicht nur beobachteten, sondern ihre Rituale und Mythen einbanden.

Anthropologen deuten das zunehmende Licht als existenzielles Bedürfnis, das als Zeichen des kommenden Frühlings, aber auch von Fruchtbarkeit und Hoffnung gedeutet wird und durch Feuer, Gesang und Gemeinschaftlichkeit zelebriert wurde. Die Übereinstimmung mit dem christlichen Weihnachtsfest, der am 25. Dezember gefeiert wird, ist kaum zufällig.

Die Römer verbanden die Wintersonnenwende mit ihrem Kalender und ihren religiösen Ritualen. Eines der zentralen Feste dieser Zeit waren die Saturnalien (17. bis 23. oder 30. Dezember). Ursprünglich ein Erntefest zu Ehren des Gottes Saturn (Beendigung der Winteraussaat), wandelte es sich zu einem Fest der Gemeinschaft und des Überflusses.

Später wurde die Wintersonnenwende im Zusammenhang mit dem Sol Invictus (der „unbesiegbaren Sonne“) gefeiert. Der Zeitpunkt war am 25. Dezember, kurz nach der Wintersonnenwende. Der Sonnengott Sol Invictus wurde gefeiert, der für Licht, Leben und die Erneuerung des Jahreszyklus stand. Der Kult wurde vor allem unter Kaiser Aurelian im Jahr 274 n. Chr. populär gemacht und sollte das römische Reich kulturell und religiös einigen.

Die Griechen verfügten über ein komplexes Kalender- und Festsystem, in dem die Wintersonnenwende als halkyonische Tage ebenfalls eine wichtige Rolle spielte. Sie verbanden sie mit Windstille und ruhigen Meeren und infolgedessen mit Ruhe. Metaphorisch steht bei den Griechen die Brutzeit des Eisvogels für diese Zeit als Symbol der Fruchtbarkeit.

Die Brumalien waren in der Antike ein Dank- und Erntedankfest, bei dem die Rückkehr des Lichts gefeiert wurde. Es diente auch dazu, die Fruchtbarkeit der Erde und die Hoffnung auf eine neue Wachstumsperiode zu symbolisieren. Während der Brumalien wurden verschiedene Gottheiten verehrt, darunter: Dionysos: Der Gott des Weins, des Rausches und der Fruchtbarkeit. Demeter: Die Göttin der Ernte und des Getreides.

Für die Germanen war die Wintersonnenwende als Jul ein zentraler Punkt im Jahreskreis, eng verbunden mit ihrem naturverbundenen Glauben und ihrer Mythologie. Umso härter die Winter, umso zentraler wohl auch die Wintersonnenwende und die symbolische Wende zum erwärmenden Leben.

Die Sonne begann nach der Wintersonnenwende wieder an Kraft zu gewinnen. Das Julfest stand für die Erneuerung des Lebenszyklus. Es war eine Zeit, die Götter um Schutz und Wohlstand zu bitten und für die vergangene Ernte zu danken, mitunter durch Opfergaben.

Gemeinsam sind zentrale Inhalte der Wintersonnenwende:

Zyklischer Charakter: Die Kulturen sehen die Sonnenwende als Wendepunkt im ewigen Kreislauf von Dunkelheit und Licht.

• Feuer und Licht: Rituale mit Feuer symbolisieren universell die Hoffnung auf die Rückkehr der Sonne.

• Mythen der Wiedergeburt: Die Sonnenwende wurde oft mit göttlichen Figuren verknüpft, die Tod und Wiedergeburt repräsentierten (z. B. Dionysos, Sol Invictus, Freyr).

Wesentlich ist in diesem Zusammenhang und mit Blick auf die Wintersonnenwende: Der Mensch steht nicht über der Natur, sondern in ihr, er lebt mit der Natur, mit ihren Zeiten und Gesetzen.

Eine Antwort zu „Wintersonnenwende“

  1. Avatar von Über Sonnwendbräuche und böse Geister in Tirol – Demanega

    […] Wintersonnenwende ist, gerade in den nordischen Kulturen als „Jul“, zentral, was natürlich an der Wendezeit […]

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