Ist von Niccolò Machiavelli die Rede, ist damit weitgehend nur ein völlig rücksichtsloses politisches Handeln gemeint, das einzig und allein auf Ausbau der eigenen Machtposition ausgelegt ist.
Faktisch war Machiavelli allerdings daran gelegen, die Hintergründe von Macht zu ergründen und einen Idealtypus zu konzipieren. Richtig ist, dass Machiavelli sich dabei auf eine Menschenbild bezog, das egoistisch nach Eigeninteressen strebt. Faktisch besteht in Menschenbildern, die Selbsterhalt und Machtausbau anstreben aber auch die Grundlage zahlreicher zeitgenössischer Theorien, die im Bereich des politischen Realismus anzuordnen sind.
Niccolò Machiavelli war Philosoph, Politiker und Schriftsteller, dessen Werke einen bedeutenden Einfluss auf die politische Theorie und Praxis hatten. Sein berühmtestes Werk, „Il Principe“ („Der Fürst“), ist ein wegweisendes Werk der politischen Philosophie, das als ein frühes Werk des politischen Realismus angesehen wird.
Im Gegensatz zu anderen Denkern seiner Zeit ging Machiavelli nicht von Gott, sondern vom Menschen aus und bezog sich explizit auf die Antike. Das Weltbild Machiavellis bricht mit einem optimistischen Fortschrittsglauben, an dessen „Ende der Geschichte“ die allgemeine Erlösung steht.
Machiavelli erachtete im antiken Rom das Vorbild und den Idealtypus von Staatlichkeit und prägte folglich republikanisches Denken wesentlich und nachhaltig. In diesem Sinne gilt Machiavelli als Archetyp des Populismus, indem er die Macht der Reichen und Adeligen durch das Volk, Volksversammlungen und Volkstribunen ersetzen wollte [1].
Während Machiavelli im „Principe“ den Themenkomplex Herrschaft und Macht, aber auch Machterhalt und Machtdurchsetzung ausbildet, entwickelt er in den „Discorsi“ im republikanischen Sinne den Idealtyp einer Republik ohne Fürsten. Machiavelli untersucht die Struktur der römischen Republik und die Faktoren, die zu ihrem Erfolg beitrugen. Er diskutiert die Bedeutung von Institutionen wie Senat und Volksversammlung sowie die Rolle von Tugend und Bürgerpflicht.
Machiavelli argumentiert für die Bedeutung stabiler politischer Institutionen, wie beispielsweise eines Senats oder einer Volksversammlung, die die Rechte und Pflichten der Bürger garantieren und politische Entscheidungen legitimieren. Eine erfolgreiche Republik erfordere nach Machiavelli die aktive Beteiligung der Bürger am politischen Leben. Er betont die Bedeutung von politischem Engagement und öffentlicher Debatte für die Stabilität und Vitalität einer Republik.
Literatur:
[1] John McCormick: „Machiavelli und der populistische Schmerzensschrei Studien zur politischen Theorie“, Suhrkamp Verlag, Berlin 2023
[2] Quentin Skinner: „Visionen des Politischen“, Suhrkamp-Verlag, Berlin 2009


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