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Törggelen in Südtirol: Herbstliche Tradition und Genuss

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Törggelen ist ein Brauch in Südtirol, bei dem im Herbst der junge, frisch gekelterte Wein, vorerst der „Susse“ (der Most), später der sogenannte “Nuie”, verkostet wird. Dabei wird bäuerliches Essen serviert, nämlich Speck, Gerichte aus der Bauernküche, Hauswürste, Sauerkraut, geröstete Kastanien und süße Krapfen.

Die Törggele-Tradition hat ihren Ursprung in den Weinbaugebieten Südtirols. Nach der Weinlese luden die Winzer ihre Helfer und Nachbarn zu einem geselligen Beisammensein ein, um den jungen Wein zu verkosten. Heute ist Törggelen eine beliebte Touristenattraktion, bei der Besucher durch die Weinberge wandern und in den sogenannten Buschenschänken (Weinstuben) einkehren können. Der Begriff leitet sich vom Wort Torggel ab, das die Weinpresse bezeichnet. Verkostet werden lokale Weinsorten, Vernatsch, Lagrein, Sylvaner.

Hans Dosser untermauert, dass das Törggelen dort entsteht, wo Weinbau und Viehwirtschaft aufeinander treffen: „Um diesen Brauch selbst besser verstehen zu können, empfiehlt es sich, einen Blick in die bäuerliche Vergangenheit zu werfen. Begonnen hat man wahrscheinlich im Eisacktal. Die Dörfer liegen hier im Talgrund, aber auch auf mittlerer Höhe. Die Bauern im Tal haben die Weinberge, aber keine Weiden, während die Bauern in den höheren Lagen Viehwirtschaft betreiben, aber keinen Wein anbauen können. Zwar gilt diese Konstellation für ganz Südtirol, aber hier im Eisacktal hat sich daraus ein Tauschgeschäft entwickelt. Der Weinbauer durfte ein bis zwei Stück Vieh auf die Almen schicken, dafür revanchierte sich der Talbauer mit Wein oder mit einem herbstlichen Bauernschmaus, zu dessen Anlaß der neue Wein verkostet wurde. Dazu brachte die Bauersfrau alle Köstlichkeiten auf den Tisch, die der Herbst feilbot. Es wurde eigens dafür geschlachtet, denn Kühlschränke gab es damals noch keine. Je nach Größe des Hofes und Wohlstand seiner Besitzer wurden Surfleisch, Rippelen, Würste, Kraut und Knödel aufgetischt. Der Bauer kredenzte dazu mit Stolz den neuen Wein (den »Nuien«). Zur Abrundung durften die gebratenen Kastanien nicht fehlen – die süßen Durstmacher verlangten geradezu nach „Suser“ und „Federweißem“ [1].

Das Törggelen ist folglich an Weinbau, Viehwirtschaft und Kastanien gebunden und geographisch nur auf beengtem Raum möglich und denkbar. Das gilt für den Weinbau, aber auch für die Kastanien. Die Edelkastanie ist an warmes Klima angepasst, und obwohl sie winterhart ist, verträgt sie keine extremen Frostlagen. Sie wächst typischerweise in Höhenlagen von bis zu 1000 Metern, in einigen Gebirgsregionen sogar bis zu 1200 Metern.

Mit Schwerpunkt Eisacktal ist das Törggelen im Raum Bozen, im Burggrafenamt und im Südtiroler Unterland daheim. Empfehlungen für die „besten“ Törggele-Buschenschänke sind Geheimtipps. Insbesondere in Feldthurns, Klausen, Villanders, Lajen oder Brixen werden die besten Buschenschänke empfohlen und weiterempfohlen.

Literatur:

[1] Hand Dosser: „Törggelen in Südtirol“, Tappeiner Verlag, Lana 1997

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