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Risikobewertung und Risikomatrix

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Das ALARP-Prinzip steht für „As Low As Reasonably Practicable“ (so niedrig wie vernünftigerweise machbar). Es ist ein wichtiges Konzept im Risikomanagement. Das Ziel des ALARP-Prinzips ist es, Risiken auf ein akzeptables Maß zu reduzieren, indem alle Maßnahmen ergriffen werden, die vernünftigerweise möglich sind, um diese Risiken zu minimieren, ohne dabei unverhältnismäßige Kosten oder Aufwand zu verursachen.

Die Matrix zur Risikobewertung (Risikomatrix) wird verwendet, um potenzielle Risiken systematisch zu bewerten und zu priorisieren. Diese Methode zur Risikobewertung hat ihre Wurzeln in der Wahrscheinlichkeitstheorie.

Die Idee, Risiken auf einer Matrix zu bewerten, geht auf die Notwendigkeit zurück, Risiken nicht nur qualitativ (also durch Erfahrungswerte) einzuschätzen, sondern sie auch quantitativ darzustellen, um Entscheidungen objektiver zu treffen.

Die Risikomatrix wurde infolgedessen aus dem Bedürfnis heraus entwickelt, zwei zentrale Komponenten eines Risikos besser einordnen zu können: Die Wahrscheinlichkeit des Eintretens eines Risikos sowie der Schweregrad der Auswirkungen.

Vorausgehen muss der Risikomatrix eine Risikoerfassung. Dies kann durch verschiedene Techniken erfolgen, z. B.: Brainstorming und Workshops, SWOT-Analyse (Stärken, Schwächen, Chancen, Risiken), Checklisten, Expertenbefragungen, FMEA (Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse) oder historische Daten (aus ähnlichen Projekten, Prozessen oder Ereignissen).

Für die Faktoren Eintrittswahrscheinlichkeit (W) und Auswirkung (A) werden klare Bewertungsskalen festgelegt , um Risiken zu quantifizieren. Üblicherweise wird eine Skala von 1 bis 5 verwendet.

Beispielsweise kann eine Einteilung schematisch wie folgt aussehen:

Eintrittswahrscheinlichkeit (W):

  1. Sehr unwahrscheinlich (weniger als 1-mal pro Jahr)
  2. Unwahrscheinlich
  3. Möglich
  4. Wahrscheinlich
  5. Sehr wahrscheinlich (mehrmals pro Jahr)

Auswirkung (A):

  1. Unbedeutend (keine nennenswerten Auswirkungen)
  2. Gering (leichte Unannehmlichkeiten, kaum messbar)
  3. Mäßig (mäßige Schäden oder Auswirkungen)
  4. Schwerwiegend (erhebliche Schäden oder Auswirkungen)
  5. Katastrophal (existenzbedrohende oder lebensgefährliche Folgen)

Für jedes identifizierte Risiko wird nun ein Risikowert berechnet. Dieser ergibt sich durch die Multiplikation der Eintrittswahrscheinlichkeit mit der Auswirkung:

Risikowert = Eintrittswahrscheinlichkeit × Auswirkung

Umso höher der Risikowert, umso höher ist das Risiko.

Die Risikomatrix wird in Form eines Rasters (meist ein 5×5-Feld) erstellt, in dem die Eintrittswahrscheinlichkeit auf einer Achse und die Schwere der Auswirkungen auf der anderen Achse dargestellt wird. Das Ergebnis der Risikobewertung (der Risikowert) wird in die Felder der Matrix eingetragen.

Risikomatrix

Zur besseren Darstellung werden Risiken klassifiziert und farblich dargestellt. Typischerweise:

  • Grün (niedriges Risiko): Maßnahmen sind möglicherweise nicht erforderlich.
  • Gelb (mittleres Risiko): Maßnahmen zur Risikominderung sind erforderlich.
  • Rot (hohes Risiko): Sofortige Maßnahmen sind erforderlich.

Typische Risikokategorien können sein:

  • 1–4: Geringes Risiko – akzeptabel, keine weiteren Maßnahmen erforderlich.
  • 5–12: Mittleres Risiko – Maßnahmen zur Risikominderung sollten getroffen werden.
  • 15–25: Hohes Risiko – dringender Handlungsbedarf, um das Risiko zu minimieren.

Sobald die Risikomatrix erstellt wurde und die Risiken priorisiert sind, können geeignete Maßnahmen zur Risikominderung geplant und umgesetzt werden. Ziel ist es, Risiken in den grünen Bereich zu verschieben, indem man entweder die Eintrittswahrscheinlichkeit oder die Auswirkungen reduziert.

Literatur:

[1] Jürgen Suda und Florian Rudolf-Miklau: „Bauen und Naturgefahren – Handbuch für konstruktiven Gebäudeschutz“, Springer, Wien New York 2011

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