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Was ist Ideologie? Chefideologe, Ideologe und Metapolitiker

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Michael Demanega gilt entweder als „Vordenker“ (Eckartbote im Februar 2024), als „Ideologe“ (Wochenzeitung FF im April 2024) oder sogar als „Chefideologe“ (Rai Südtirol im September 2024). Ob einer der Begriffe zutreffend ist, sei dahingestellt. Vielleicht bin ich auch nur jemand, der viel zu viel nachdenkt, analysiert, liest, schreibt, reflektiert und erarbeitet; und das war es dann auch.

Nur, was ist Ideologie und brauchen wir Ideologie?

Ideologie bezeichnet ein System von Überzeugungen, Werten und Vorstellungen, das die Art und Weise prägt, wie Menschen die Welt sehen und interpretieren. Ideologien bieten einen Rahmen, durch den politische, soziale oder ökonomische Ereignisse und Strukturen verstanden werden. Sie geben eine kohärente Perspektive auf die Welt, oft mit dem Ziel, bestimmte gesellschaftliche Zustände zu rechtfertigen oder Veränderungen herbeizuführen.

Die Entstehung und Entwicklung von Ideologie als Konzept ist eng mit den Ideen der Moderne und Aufklärung verbunden.

Die Aufklärung war von einem tiefen Vertrauen in die Vernunft und menschlichen Fortschritt geprägt. Sie strebte danach, traditionelle Autoritäten, insbesondere die Kirche und den Feudalismus, zu hinterfragen und auf den Einzelnen statt auf unreflektierte Kollektivismen zu setzen. In dem Moment, in dem überkommene Ordnungen überworfen und der Einzelne in den Mittelpunkt gestellt wurde, stellte sich zwangsläufig die Frage nach der Weltanschauung, vorerst auf gesellschaftliche Eliten bezogen, später mit der Demokratisierung als ein Massenphänomen.

Die Moderne brachte tiefgreifende soziale und politische Veränderungen mit sich, darunter die Industrialisierung, Urbanisierung und die Entwicklung von Nationalstaaten. Diese Veränderungen führten zur Herausbildung moderner Ideologien, die Antworten auf die Herausforderungen der neuen sozialen und politischen Ordnungen suchten. Liberalismus, Sozialismus und Nationalismus sind prominente Beispiele dafür, wie die Moderne als Nährboden für ideologische Strömungen diente.

Die Aufklärung schuf den intellektuellen Raum für die Formulierung von Ideensystemen, während die Moderne mit ihren tiefgreifenden Umwälzungen dazu beitrug, diese Systeme in der politischen Praxis zu manifestieren. Ideologien sind somit Ausdruck und Antwort auf die komplexen sozialen, politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Neuzeit.

Der Begriff Metapolitik geht über das direkte politische Handeln hinaus und bezieht sich auf die kulturellen, intellektuellen und ideologischen Voraussetzungen, die politische Macht beeinflussen, aber nicht unmittelbar mit formaler Politik in Verbindung stehen. Metapolitik beschäftigt sich mit den tieferliegenden gesellschaftlichen Prozessen und kulturellen Entwicklungen, die langfristig die politische Landschaft prägen.

Man könnte Metapolitik als den Kampf um das kulturelle Terrain verstehen. Sie beeinflusst den öffentlichen Diskurs, die Art und Weise, wie Menschen die Welt wahrnehmen, ohne dass dies zwingend durch institutionalisierte politische Prozesse erfolgt. Stattdessen wird über Kunst, Literatur, Bildung, Medien oder Philosophie das Denken und Fühlen der Gesellschaft zu verändern versucht, sodass langfristig neue politische Strukturen möglich werden.

Ein zentraler Begriff in der Metapolitik ist Antonio Gramscis Konzept der “kulturellen Hegemonie”. Gramsci argumentierte, dass eine herrschende Klasse nicht nur über staatliche Institutionen, sondern auch durch die Kontrolle über den kulturellen und ideologischen Diskurs an der Macht bleibt. Metapolitik zielt darauf ab, diese kulturelle Vorherrschaft zu brechen oder zu festigen, je nachdem, welches Ziel verfolgt wird.

Wie auch immer: Ideologie und Metapolitik erfordern Reflexion, Analyse und Intellektualität und sind folglich die Angelegenheit kleinerer Gruppierungen, die den Diskurs zu führen in der Lage sind.

Brauchen wir Ideologie? Vorausgeschickt: Geneint ist damit keine starre und voreingenommene Weltsicht, sondern individuelle Haltung.

Ideologien bieten Menschen eine klare Vorstellung von der Welt und helfen, Orientierung und Halt in komplexen Zusammenhängen zu finden. Ideologien enthalten aber auch moralische Grundsätze und Werte, die das Handeln leiten. Letztlich schaffen Ideologien individuelle Identität und infolgedessen soziale Zugehörigkeit.

Eine Antwort zu „Was ist Ideologie? Chefideologe, Ideologe und Metapolitiker“

  1. Avatar von Historisches: „Freiheitliche Wurzeln“ 2009 – Demanega

    […] kulturellen Hegemonie niederschlagen, sind andernfalls Launen der Geschichte. In diesem Sinne wirkt Antonio Gramsci bis heute hin […]

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